Streit um „Kohl-Protokolle“ Ex-Ghostwriter droht neue Niederlage gegen Altkanzler

Es war ein großer Erfolg - das Buch „Vermächtnis“ mit süffisanten Zitaten des Altkanzlers Kohl über andere Politiker. Nun beschäftigt sich bereits das zweite Gericht mit der Frage, ob die Veröffentlichung rechtens war.
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Im juristischen Streit um das Buch „Vermächtnis – Die Kohl Protokolle“ droht Autor und Ex-Gohl-Ghostwriter Heribert Schwan eine erneute Niederlage. Quelle: Reuters
Umstrittene Zitate-Veröffentlichung

Im juristischen Streit um das Buch „Vermächtnis – Die Kohl Protokolle“ droht Autor und Ex-Gohl-Ghostwriter Heribert Schwan eine erneute Niederlage.

(Foto: Reuters)

KölnHelmut Kohls ehemaliger Memoiren-Autor Heribert Schwan steuert in seinem Rechtsstreit mit dem Altkanzler auf eine neue Niederlage zu. Das Oberlandesgericht Köln deutete am Dienstag an, dass es die Veröffentlichung von brisanten Kohl-Zitaten in Schwans Bestseller „Vermächtnis: Die Kohl-Protokolle“ ebenfalls für nicht rechtmäßig hält. In erster Instanz hatte das Landgericht Köln bereits entschieden, dass das Buch nicht weiter ausgeliefert werden darf.

Die Zitate stammen aus über zehn Jahre alten Gesprächen, die Kohl mit Schwan geführt hatte, damit dieser als Ghostwriter seine Memoiren abfassen konnte. In diesem Arbeitsverhältnis sei Schwan eine Art „Zuarbeiter“ gewesen, meint das Gericht. Die Entscheidung darüber, was letztlich veröffentlicht werden sollte, habe allein bei Kohl gelegen. Während der langen Gespräche mit Schwan habe dieser auch immer mal wieder Sätze gesagt wie „Das schreiben Sie jetzt aber nicht“.

Anschließend habe er dann genau überprüft, was wirklich in die Memoiren gekommen sei. „Sie sind ja Zeile für Zeile das Manuskript durchgegangen, und Zeile für Zeile hat Herr Kohl das abgesegnet“, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Zingsheim. „Das entscheidende Wort, was veröffentlicht wird, lag bei Herrn Kohl.“

Deshalb sei es nicht in Ordnung gewesen, dass Schwan später nicht freigegebene Zitate von Kohl eigenmächtig in seinem eigenen Buch publiziert habe. Seine Entscheidung kündigte das Gericht für den 5. Mai an. Ausgehend von den Äußerungen des Richters, dürfte jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass das Urteil des Landgerichts im Wesentlichen bestätigt werden wird.

„Merkel konnte ja nicht mit Messer und Gabel essen“
Keine Manieren
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„Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen. Sie lungerte bei den Staatsessen herum, so dass ich sie mehrfach zur Ordnung rufen musst.“

Zitat aus dem „Spiegel“

Diese und weitere Zitate hat Heribert Schwan an die Öffentlichkeit gegeben
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Kohls Ghostwriter verfasste die Memoiren des Altbundeskanzler, die unter dem Titel „Kanzler der Einheit“ erschienen sind. Von 2001 bis 2002 zeichnete der WDR-Journalist die Gespräche mit Kohl auf – in 105 Sitzungen kam er auf über 600 Stunden Material. In den Gesprächsprotokollen soll Kohl deutliche Worte für seine Parteifreunde gefunden haben, Schwan veröffentlicht einen Teil der Gesprächsprotokolle in seinem Band „Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle“. Das Nachrichtenmagazin der „Spiegel“ zitiert daraus vorab in seiner aktuellen Ausgabe.

Friedrich Merz und Angela Merkel im Bundestag 2000:
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Über die beiden soll Kohl gesagt haben „Die Merkel hat keine Ahnung, und der Fraktionsvorsitzende ist ein politisches Kleinkind.“

Ein Verräter und eine Null
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„Das ist ein ganz großer Verräter. Gleichzeitig ist er auch eine Null.“

Das soll Kohl in den Gesprächen mit dem WDR-Journalisten Schwan über den Ex-Bundespräsidenten Wulff gesagt haben.

Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler
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Kohl soll seinen damaligen Generalsekretär Geißler als „hinterfotzig“ bezeichnet haben – ebenso wie Arbeitsminister Norbert Blüm und Finanzminister Gerhard Stoltenberg. Die Partei habe Kohl in Freunde und Feinde eingeteilt, schwarz und weiß, etwas dazwischen habe es kaum gegeben.

Altbundeskanzler Kohl und sein damaliger Sozialminister Norbert Blüm
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So harmonisch wie in diesem Foto 1997 war das Verhältnis offenbar nicht. „Da muss bei Blüm das Wort rein: Verräter. In irgendeiner Form“, so Kohl. In den Memoiren hieß es schließlich, es sei falsch gewesen, bis zum Ende an Blüm als Minister festzuhalten. Und: „Im Lichte der Ereignisse frage ich mich heute, wie ich mich so in seinem Charakter täuschen konnte.“

Norbert Blüm, hier beim CDU-Bundesparteitag im Jahr 2000
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Der ehemalige Sozialminister wollte nicht inhaltlich auf Kohls Tirade eingehen: „Auf dem Niveau diskutiere ich nicht“, sagte er dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe).

Von dem Buch aus dem Heyne-Verlag waren vor dem Verbot 200 000 Exemplare ausgeliefert worden. Kohl wird darin mit Sätzen zitiert wie: „Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen.“ Gegen insgesamt 115 Zitate hatte der heute 84 Jahre alte Politiker geklagt und in erster Instanz überwiegend recht bekommen. In zweiter Instanz tendiert das Gericht dazu, sogar alle Zitate zu verbieten. Danach will Kohl nach Angaben seiner Anwälte auf Schadensersatz in Millionenhöhe klagen.

Schwan wollte nach dem Urteil keine Stellungnahme abgeben. Seine Anwälte äußerten sich enttäuscht. Zwischen Schwan und Kohl war es vor der Veröffentlichung des letzten geplanten Memoiren-Bandes zum Zerwürfnis gekommen. Der Journalist macht dafür Kohls zweite Frau Maike Kohl-Richter verantwortlich.

  • dpa
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