Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Streit um Konsequenzen Flugbegleiter-Streik ein Fall für die Arbeitsgerichte?

Dass die Lufthansa-Flugbegleiter ganz Deutschland lahmlegen wollen, sorgt für großen Unmut. Handelt die Gewerkschaft verhältnismäßig? Nein, sagt die Politik. Ein Experte widerspricht und weist einen Weg aus dem Dilemma.
23 Kommentare

Einschränkungen im Flugverkehr

BerlinDer Streik der Lufthansa-Flugbegleiter hat bereits Zehntausende Passagiere getroffen. Aber die Eskalation geht weiter: Für Freitag kündigte die Gewerkschaft Ufo die erste ganztägige bundesweite Aktion an. Die Politik schäumt, hat aber kurzfristig kaum eine Möglichkeit einzugreifen. Ihre Pläne sehen harte gesetzgeberische Konsequenzen vor.

Davon hält der ehemalige Chef der Monopolkommission, Justus Haucap, wenig. Er lehnt Überlegungen der Politik ab, angesichts des Streiks der Flugbegleiter eine gesetzliche Regelung zur Wiederherstellung der Tarifeinheit anzustreben. „Ich halte nichts davon, bei jedem kleineren Streik zu fordern, das Recht von Gewerkschaften zu beschneiden“, sagte der Direktor des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie Handelsblatt Online. Wichtig sei vielmehr, dass auch bei Streiks die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleibe und die Interessen der eigentlich unbeteiligten Verbraucher berücksichtigt würden. „Diese Abwägung sollten gegebenenfalls die Arbeitsgerichte vornehmen.“

Die gerichtliche Kontrollmöglichkeit von Streiks sei daher wichtig, habe aber gerade in jüngerer Vergangenheit auch „ganz gut“ funktioniert.  Aktuell sehe er „keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf“, zumal auch die Streikaktivitäten in Deutschland im internationalen Vergleich „nicht besonders ausgeprägt“ seien.

Eine gesetzliche Regelung müsse zudem verfassungskonform sein und auch die negative Koalitionsfreiheit wahren, sagte Haucap weiter. Dies bedeute, Interessengruppen müssten das Recht haben einer Gewerkschaft fern zu bleiben oder auch eine neue zu gründen. Haucap warnte vor den Nachteilen einer gesetzlichen Regelung: „Der Zwang zur Tarifeinheit würde faktisch ein Zwang für Minderheiten sein, sich Mehrheiten unterzuordnen.“ Dies mache es dann „sehr schwer“ für Minderheiten, ihre Interessen überhaupt durchzusetzen. „Eine effektive gerichtliche Kontrolle von Streikaktivitäten, welche auch die Belange der Verbraucher berücksichtigt, halte ich da für besser“, betonte der Ökonom.

Am kommenden Freitag streiken die Flugbegleiter der Lufthansa bundesweit von 0 bis 24 Uhr. Das teilte ihre Gewerkschaft Ufo mit. Grund sei, dass die Fluggesellschaft sich in dem Tarifkonflikt bislang nicht bewegt habe. Die Lufthansa muss sich damit auf einen der größten Arbeitskämpfe ihrer Geschichte gefasst machen. Am Dienstag waren etwa 43.000 Fluggäste der Lufthansa von den Streiks in Frankfurt am Main, München und Berlin betroffen. Insgesamt fielen knapp 350 Flüge aus. Ufo hatte die Stewardessen und Stewards in Berlin und Frankfurt zur Arbeitsniederlegung vom frühen Morgen an aufgerufen.

Politik droht Kleinstgewerkschaften
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Streit um Konsequenzen - Flugbegleiter-Streik ein Fall für die Arbeitsgerichte?

23 Kommentare zu "Streit um Konsequenzen: Flugbegleiter-Streik ein Fall für die Arbeitsgerichte?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Aber ist es nicht genau das was hier angestrebt wird.
    Beim LH Finanzhandel stören Gäste und Angestellte doch nur.

  • Der "Experte" empfiehlt, statt einer gesetzlichen Regelung der betrieblichen Tarifeinheit, solle man die Ueberprüfung der Verhältnismässigkeit und der nicht mehr zumutbaren Beeinträchtigung der Interessen den Arbeitsgerichten überlassen. Das Problem ist nur: die Arbeitsgerichte tun nichts. Judex non calculat, wie hoch der wirtschaftliche Schaden Dritter auch sei. Und wer als Dritter von den Streiks schwer geschädigt ist, dem ist herzlich egal wie niedrig die Streikquote Deutschlands im internationalen Vergleich ist.

  • Stimmt.
    Jetzt Großbritanniern gar keine Industrie mehr sondern lebt parasitär mit seinem "Finanzsektor" von der Verteilung und Spekulation auf Dinge die gar nicht in UK produziert werden.
    Toll, oder?

  • "oder will man sich dem Kapital und seinen Vertretern gefällig zeigen?"

    Na gut, die Frage ist leicht zu beantworten wessen Sprachrohr das Handelsblatt ist....

  • "Ich halte nicht viel von Streiks. Hier hat schon jemand ganz treffend gesagt, Klein(st)gewerkschaften waren der Untergang der Britischen Industrie und erst Thatcher hat aufgeräumt. "

    Dann sollten die Einheitsgewerkschaften die ich nachwievor richtig finde, aber fragen was zu diesen Abspaltungen geführt hat. Oft sind doch die Gewerkschaftsspitzen völlig korrumpiert und das reicht bis zum Gewerkschaftssekretär einer Branche. Aber in der letzten Zeit scheint man ja darüber nachzudenken....

  • Demokratie gibts nur bei der naechsten Wahl, kaum werden demokratische Rechte vom Volk eingefordert und genau das ist ein Streik, schon gibts Politiker die hier aufheulen und die Diktatur zurückfordern. Natürlich ist ein Streik für die betroffenen Fluggäste ärgerlich aber streiken und trotzdem arbeiten geht eben nicht auch wenn einige sich wieder die Zeit der Galeerensklaven zurück wünschen. Die ach so gewünschte Tarifeinheit ist nichts anderes als der Wunsch gleichgeschaltete Gewerkschaften zu haben deren Funktionäre mit der Zeit auf Linie geeicht werden. Immerhin haben unsere grossen Gewerkschaften über Jahre den schleichenden Reallohnverlust nahezu tatenlos hingenommen.
    Leider gibts hier zum Thema Lufthansa auch so viele scheinbar Informierte, schon allein die Annahme 7000 € Verdienst sind keine Seltenheit ist einfach Unsinn.
    Fakt ist eine stetige Umverteilung von unten nach oben und Arbeitnehmer die sich endlich, nach Jahren zum ersten Mal wehren, sind einfach lästig. Vergessen wir nicht die vielen Fehlentscheidungen des Lufthansavorstandes die erstens dreistellige Millionenbeträge gekostet haben und zweitens durch krasse Gehaltserhöhungen des Vorstandes in den letzten Jahren belohnt wurden.
    Auch das Handelsblatt und sein Chefredakteur könnte etwas zur Versachlichung des Themas beitragen, Ufo dreht durch und ähnliche Aufmacher sind einer Wirtschaftszeitung nicht würdig - oder will man sich dem Kapital und seinen Vertretern gefällig zeigen?

  • "Hier geht es nicht darum, dass eine (schon gut bezahlte) Minderheit untergebuttert wird, "

    Wenn man viel fliegt und seine Wahrnehmung nicht durch Korrumperierung eintrüben lassen hat, wird man bemerken das die Dienstleistung über den Wolken ein Knochenjob ist. Gerade die Lufthansa , ein Monopolist im Luftverkehr in jedem Bereich, ist hinter ihrer Markenfassade eine üble Ausbeuterbutze. Nicht umsonst diktiert man in Europa und anderswo die Preise.....

  • Ich halte nicht viel von Streiks. Hier hat schon jemand ganz treffend gesagt, Klein(st)gewerkschaften waren der Untergang der Britischen Industrie und erst Thatcher hat aufgeräumt. Danach ging es wieder aufwärts. Sollten wir vielleicht auch mal überlegen. Der UFO Streik entbehrt jeder Verhältnismässigkeit.

    Das Angebot was Lufthansa gemacht hat ist zumindest mal eine Verhandlungsbasis. Warum schaffen es Gewerkschaften nicht abzuwägen und ihre Hintern zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen?

    "Es wird zu viel geflogen" .... das ich nicht lache. Im Zeitalter der Globalisierung ist es eine Notwendigkeit, dass man schnell von A nach B kommt. Sie können sich ja wieder in die Postkutsche schwingen und dann brauchen Sie eine Woche von Deutschland nach England.

  • Hier geht es nicht darum, dass eine (schon gut bezahlte) Minderheit untergebuttert wird, sondern darum dass eine Minderheit mit geringen Streikkosten einen großen Betrieb stilllegt und sich damit eine Extrawurst nach der anderen erpresst.
    Das Gebaren der großen Gewerkschaften keine von ihnen unabhängigen Betriebsräte zu dulden und diese wo immer es geht auszubremsen ist eine andere Sache. Aber so lange die Wahlvorschläge einfach abgenickt werden (oder viel zu viele nicht zur Wahl gehen)ist dagegen kein Kraut gewachsen.

  • Die Kollegen machen es richtig. Alle Räder stehen still wenn mein starker Arm das will. Der Michel sollte endlich seine Bedientenhaftigkeit ablegen.....

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote