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Streitgespräch Wohnungsnot „Mieten müssen steigen“ – „Millionen werden abgehängt!“

Die Politik will Mieten deckeln. Macht das Sinn? Darüber streiten Michael Voigtländer vom IW und Lukas Siebenkotten vom Mieterbund. Einer findet hohe Mieten gut, dem anderen fällt vor Staunen das Brötchen aus der Hand.
05.07.2013 - 13:21 Uhr 57 Kommentare
„Die hohen Mieten setzen Anreize“, sagt Michael Voigtländer (links), Experte des IW Köln. „Wir müssen Exzesse verhindern“, kontert Lukas Siebenkotten, Direktor Deutscher Mieterbund. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt

„Die hohen Mieten setzen Anreize“, sagt Michael Voigtländer (links), Experte des IW Köln. „Wir müssen Exzesse verhindern“, kontert Lukas Siebenkotten, Direktor Deutscher Mieterbund.

(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Gibt es eine Wohnungsnot in Deutschland?
Michael Voigtländer: Wir haben keine Wohnungsnot in Deutschland. Bei uns ist der Wohnungsmarkt noch entspannt, das zeigen die Leerstandsquoten. Aber natürlich hat die Nachfrage in einzelnen Großstädten stark angezogen, dort sind die Preise sind gestiegen.
Lukas Siebenkotten: Der Begriff Wohnungsnot stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute befinden wir uns wieder auf dem Weg dorthin – nicht überall, aber insbesondre in Ballungszentren und Universitätsstädten. Der Druck macht sich durch steigende Mieten bemerkbar.

Funktioniert der Wohnungsmarkt nicht mehr?
Voigtländer: Natürlich funktioniert der Markt! Die hohen Mieten setzen Anreize, mehr zu bauen. Es dauert eine Zeit, bis neue Flächen erschlossen, Baugenehmigungen erteilt sind und gebaut wird. Doch in den Großstädten wird wieder mehr gebaut.

Siebenkotten: Diejenigen, die das entsprechende Geld haben, finden immer eine Wohnung. Das Problem ist, dass dabei Menschen, die nicht in der Lage sind höhere Mieten zu zahlen, abgehängt werden. Das müssen wir verhindern, indem wir den Markt regulieren. Wir müssen Exzesse verhindern.

Wie sehen diese Exzesse aus?
Siebenkotten: Wir haben in den heißen Märkten bei Wiedervermietungen teilweise eine Steigerung von 30, 40 und noch mehr Prozent. Der neue Mieter zahlt sofort einen hohen Aufschlag für ein und dieselbe Wohnung. Diese hohen Wiedervermietungsmieten sind dann die Bestandsmieten von morgen und betreffen alle Mieter.

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    Voigtländer: …30, 40 Prozent war das absolute Maximum bei den Wiedervermietungen. Aber bei Bestandsmieten, also für diejenigen, die in ihrer Wohnung bleiben, zeigt sich: Sie wachsen sehr moderat, sogar langsamer als die Inflationsrate. Das heißt: Wer nicht umzieht, den betreffen die steigenden Mieten nicht. Rentner, Arbeitslose und Menschen mit Niedrigeinkommen, die umziehen müssen, bekommen Unterstützung durch SGBII oder Wohngeld.

    Aber wenn ein Normalverdiener eine Wohnung sucht…
    Siebenkotten: München ist die Mietenhauptstadt der Republik. Es ist inzwischen so weit, dass ein Polizeibeamter oder eine Krankenschwester echte Schwierigkeiten hat, in ihrer eigenen Stadt eine Wohnung zu bezahlen. Das können wir so nicht hinnehmen. Wir müssen uns gerade um diese Normalverdiener genauso wie um die Bevölkerungsgruppen kümmern, die als Geringverdiener gelten, aber gleichzeitig noch keinen Anspruch auf Wohnungeld oder andere staatliche Unterstützung haben. Das sind Millionen von Menschen in Deutschland.

    Voigtländer: Natürlich ist das hart für jeden, der eine Wohnung in München, Berlin oder Hamburg sucht. Da muss man überlegen, ob man weiter aus der Stadt rauszieht oder ob man eine kleinere Wohnung wählt. Der Ansatz von der Politik, keine steigenden Mieten mehr erlauben zu wollen, ist zwar schön, aber an der Wohnungsknappheit löst das nichts. Wir brauchen die hohen Mieten als Anreiz für Investoren. Was wir nicht brauchen sind weitere Regularien.

    Siebenkotten: Warum eine Begrenzung von Wiedervermietungsmieten die Investitionen hemmen soll, habe ich bis heute nicht begriffen.

    Erklären Sie es uns, Herr Voigtländer?
    Voigtländer: Die Wiedervertragsmieten zu regulieren ist zwar deutlich besser als die Neubauvertragsmieten. Aber auch das hat einen direkten negativen Effekt auf den Neubau. Ein Investor kalkuliert gewisse Mietsteigerungen mit ein. Wenn die Miete gedenket ist, wird der Investor von vornherein mit einer höheren Miete in den Markt gehen, damit sich der Neubau lohnt. Wenn sich das nicht realisieren lässt, wird er gar nicht bauen.

    Siebenkotten: Die Großinvestoren haben doch sowieso kein Interesse daran, Wohnungen zu errichten. Die wollen aus den Wohnungen, die sie besitzen, möglichst viel Geld herauszuziehen, die wollen gar nichts bauen. Die einzigen, die bezahlbaren Wohnraum schaffen, sind kommunale Gesellschaften. Deswegen sehe ich auch nicht das Problem, dass bei einer Begrenzung der Mieten weniger investiert wird.

    „Investoren werden sich zurückziehen“
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    57 Kommentare zu "Streitgespräch Wohnungsnot: „Mieten müssen steigen“ – „Millionen werden abgehängt!“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Wem gehört dieses Land? Den Bürgern oder den "Investoren"?

      Hier geht es genau um den Unterschied zwischen "FREIER (KANNIBALISTISCHER) MARKTWIRTSCHAFT und SOZIALER MARKTWIRTSCHAFT, bei der die Politik den gierigen, morallosen freien Mächten des Marktes Einhalt gebietet.

      http://dejure.org/gesetze/GG/14.html - Absatz 2!

      Eigentumsrechte haben Grenzen! ..ich korrigiere: Sollten Grenzen haben.

    • Sauband ich gebe Ihnen Recht und die zynischen Kommentare hier sind beschämend.

      Allerdings glaube auch ich nicht, dass die alten Pareteien - egal welche - hieran etwas wesentliches ändern. Die CDUCSUSPDFDPGRÜNEN sind doch durchsetzt von korrupten Personen, denen nur ihr eigenes Wohl am Herzen liegt.

    • Die Frage ist doch, ob Deutschland das Land der Vermögensbesitzer oder das Land der arbeitenden Bevölkerung sein soll.

      Das gesamte Wirtschaftssystem ist so nicht mehr tragbar.

      Wir haben eine ASSOZIALE MARKTWIRTSCHAFT.

      Wo soll denn die Regulierung greifen, wenn nicht hier?

      Allerdings ist das Problem so umfassend, dass es nicht darum gehen kann einfach nur die Mieten zu deckeln oder Mindestlöhne einzuführen. Die internationalen Zusammenhänge müssen einbezogen werden.

      Ein erster Schritt könnte die durchdachte Beendigung der unbegrenzten Freiheit des Kapitals sein, die ein absoluter Wahnsinn ist und der Politik die Gestaltungsmacht völlig aus der Hand nimmt. Das Geld herrscht anstatt des Volkes.

    • Zitate:

      1. Voigtländer: Wir haben einen funktionierenden Wohnungsmietmarkt.

      2. Siebenkotten: Wir brauchen mehr sozialen Wohnungsbau.

      3. Voigtländer: Eigentlich müsste der Abschreibungssatz für Neubauten nicht bei zwei Prozent liegen, sondern bei vier.

      4. Siebenkotten: Die Großinvestoren wollen aus den Wohnungen, die sie besitzen, möglichst viel Geld herauszuziehen.


      Zu 1.: Trifft auf weite Teile Ostdeutschlands nicht zu; dort gibt es eine fortgeschrittene Marktzerüttung, die zu einer Substanzzerüttung führt, anstatt zu Investitionen in Mietwohnungen.

      Zu 2.: Wer soll den bezahlen; die öffentlichen Haushalte sind überfordert; viele Kommunen sehen sich bereits außer Stande, die Migranten unterzubringen (s. Focus 07/2013).

      Zu 3.: Wäre für viele im Osten fatal, weil höhere Abschreibungen mangels positiven Einkommens nicht verrechnet werden können.

      Zu 4.: Mag sein. Investoren sind überwiegend kaufmännisch vorgebildet. Sie vergleichen die Kapitalverzinsung aller Anlageklassen. Nur in wenigen Wohnlagen sind Immobilien wettbewerbsfähig. Wer aber an einen Währungszusammenbruch glaubt, setzt sich darüber hinweg und nimmt den zusätzlichen Ärger mit Mietern, Versorgern und Behörden inkauf, der anderen Anlageklassen weitgehend fremd ist.

      Häufig gehen die Investitionskalkül für Mietwohnungen auf vergangenen Zeiten zurück. Sie werden heute zunehmend kritisch hinterfragt. Nicht immer profitiert davon der Mietwohnungsbau.

    • Kann mich zwar komplett irren - wenn's so is, sorry - aber ist das Grundproblem hier nicht die Urbanisierung an sich?
      Hab noch nie Jemanden motzen hoeren, dass die Miete in Hinterdupfing zu hoch is...

      Noch a zweiter Kommentar von mir: Man kann ja wohl Staedte wie Berlin oder Muenchen nicht mit London oder Paris vergleichen. Das Eine sind Grossstaedte, das Andere Metropolen!...

    • Man könnte auch alle einkommen um 20 % erhöhen...

    • Fortsetzung:

      Was ich in den Jahren mit Mietern erlebt habe, kann ich manchmal gar nicht in Worte fassen. Einer hat nie eine Klobürste in die Hand genommen, geschweige denn wusste er was ein Putzlappen ist oder Reinigungsmittel sind. Das war so schlimm, dass ich die Toilette auswechseln musste.

      Ein anderer zahlte nur eine Mitte, den Rest hat er sich gespart. Um wieder an mein Eigentum zu kommen, musste ich eine Räumungsklage einreichen, Geld habe ich nie gesehen.

      Eine junge Frau war der Meinung, die Wände - Pardon - kackbraun streichen zu müssen und beim Auszug alles so zu belassen. Wie man in einem Jahr ein - vor ihrem Einzug - verlegtes neues hochwertiges Laminat zerkratzen kann, ist mir ein Rätsel.

      Ich habe immer gesagt, Mieter sollen sich auch wohlfühlen dürfen in MEINER Wohnung und habe alles getan, das es so sein kann. Ich wurde mehr als enttäuscht. Nichtsnutzige Menschen haben mir den Spass am Vermieten verdorben und mein Eigentum beschädigt, mir damit einen irreparablen finanziellen Schaden zugefügt.

      Nie wieder würde ich in Deutschland eine Wohnung kaufen, um sie zu vermieten. Auch in keinem anderen Land. Wenn jemand der Meinung ist, Vermieter würden reich mit dem Vermieten von Immobilien, dem rate ich, sich selbst mal als Vermieter zu betätigen.

      Ich kann verstehen, warum Vermieter die Mieten hoch schrauben. Damit trennt man die Spreu vom Weizen.

      Es gibt ein Sprichwort: Man hat nur zwei Mal Freude an einer Immobilien. Wenn man sie kauft und wenn man sie verkauft.

      Die meiste Freude hatte ich, als ich den VERkaufsvertrag unterschrieben habe.

    • Jeder soll eine bezahlbare Wohnung haben, das ist ein Grundrecht. So weit, so gut.

      ABER:

      Ein(e) Mieter(in) sollte sich benehmen, wie ein(e) Mieter(in) und vor allem sollte er/sie das Eigentum des Vermieters oder der Vermieterin respektieren und sorgsam damit umgehen.

      Ich will Ihnen allen, die hier verbal auf die Vermieter einschlagen, klar machen, was ich damit meine.

      Als ich vor über zehn Jahren meine erste Eigentumswohnung gekauft habe, um sie zu vermieten, war mein Sohn noch klein. Ich habe die Wohnung eigentlich für ihn gekauft, damit er später mal keine Sorge hat, eine eigene bleibe zu finden. Bis dahin kann ich die Wohnung vermieten, dachte ich mir.

      Gemeinsam mit meinen Vater, habe ich die Wohnung schön hergerichtet, sogar eine neue Einbauküche habe ich einbauen lassen. Mein erster Mieter war ein netter junger Mann. Im Übrigen der einzige Mieter, den ich in guter Erinnerung behalten habe. Leider blieb er nur sechs Monate, aber das wusste ich vorher.

      Der zweite Mieter war ebenfalls ein junger Mann, Banker von Beruf. Da denke man doch, Glück gehabt. Aber Pustekuchen. Denn seine ach so intelligente Freundin musste ihre Schwamm(streich)technik in meiner neu renovierten Küche ausprobieren. In Zitronengelb versteht sich und das eine Edelstahldunstabzugshaube und die Küchenmöbel diese Farbe nicht so recht vertragen, konnte die Dame gar nicht verstehen.

      Ich habe prinzipiell nichts gegen Raucher, aber wenn man seine Asche dann auf dem Teppichboden ablädt und seine Zigarette auch noch fallen lässt, kann man sich vorstellen, wie der Teppichboden hinterher aussah. Man gab mir zu verstehen, das ich das hinnehmen muss - als Vermieterin - denn das sind "Abnutzungserscheinungen". Schliesslich war man dann noch der Meinung, Kündigungsfristen gelten für uns nicht, wir ziehen einfach mal aus und bleiben der Vermieterin noch drei Monatsmieten schuldig. Ein Gericht klärte dann die Angelegenheit.

    • Aber du wirst mir doch zustimmen, dass ein Vermieter dafür Sorge zu tragen hat, dass ein Mieter durchgängig heißes Wasser zur Verfügung stehen hat?! Oder soll ich auf eigene Kosten eine neue Gastherme einbauen lassen und diese bei Auszug wieder mitnehmen? Irgendwo muss man Grenzen setzen - ein Vermieter will pünktlich sein Geld, wenn ihm etwas nicht passt, gibts Ärger - wenn man sich an die Vorgaben des Vermieters halten soll, dann soll er solche Grundvoraussetzungen für ein Leben in der eigenen Wohnung schaffen. Und seit nicht durchgängig heißes Wasser zu haben - dafür ist der Eigentümer verantwortlich!

    • Das habe ich auch garnicht bestritten. Es ging mir einfach nur darum, aufzuzeigen, dass in diesem Falle Schubladendenken unangebracht ist. Es gibt überall schwarze Schafe, dies wollte ich nur verdeutlichen. ;)

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