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Stromknappheit Warum die französische Energiekrise die deutsche Atomkraft-Debatte befeuert

Frankreichs Atomkraftwerke stehen teilweise still, das Land bezieht Strom aus Deutschland. Das beeinflusst die Atomkraft-Debatte hierzulande – und den Stresstest für die deutschen Meiler.
27.07.2022 - 17:57 Uhr 1 Kommentar
Der Tüv-Verband hält eine rasche Wiederinbetriebnahme der drei Atomkraftwerke für möglich, die Ende vergangenen Jahres stillgelegt wurden. Quelle: dpa
Atomkraftwerk Grohnde

Der Tüv-Verband hält eine rasche Wiederinbetriebnahme der drei Atomkraftwerke für möglich, die Ende vergangenen Jahres stillgelegt wurden.

(Foto: dpa)

Die französischen Atomkraftwerke liefern derzeit nur etwa die Hälfte ihrer üblichen Stromproduktion. Die Schwierigkeiten im Nachbarland beeinflussen zunehmend die Debatte um den Weiterbetrieb der verbliebenen drei deutschen Atomkraftwerke.

Die Bundesregierung will die Lage in Frankreich bei ihrem neuen Stresstest berücksichtigen, der eine Grundlage für die AKW-Entscheidung sein wird. In Paris wird auf die europäische Solidarität in der Energiekrise verwiesen, die Deutschland von anderen Mitgliedstaaten ja auch beim Gas einfordere.

Hintergrund ist, dass die Nuklearflaute in Frankreich Auswirkungen auf die Nachbarländer hat. Die Nation ist eigentlich einer der größten Stromexporteure Europas, nun muss sie Elektrizität importieren. Vor allem Windenergieimporte aus Deutschland helfen den Franzosen gerade über die Runden.

Insbesondere der FDP kommt die Argumentationsstütze aus Frankreich gelegen. „Der wahre Wert einer Freundschaft zeigt sich in einer schwierigen Lage – die deutsch-französische Freundschaft sollte uns jede energiepolitische Anstrengung wert sein“, sagte ihr energiepolitischer Sprecher Michael Kruse.

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    Auch Teile der SPD stehen einer Verlängerung der Laufzeiten inzwischen positiv gegenüber. Große Vorbehalte haben dagegen weiterhin die Grünen. Doch auch bei der Ökopartei könnte es mit Verweis auf die Franzosen ein Umdenken geben.

    >> Lesen Sie hier auch: Europa will Gas sparen – und erhöht den Druck auf Deutschland in Sachen Atomstrom

    „Wir werden bei dem jetzt ja stattfindenden Stresstest auch natürlich berücksichtigen, in welcher schwierigen Lage Frankreich gerade ist, weil eben dort sehr, sehr viele Atomkraftwerke nicht laufen“, hatte die parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Franziska Brantner (Grüne), am Wochenende in der ARD gesagt. „Das werden wir bei uns mit einbeziehen, damit wir im Zweifel auch solidarisch sein können.“

    Franzosen wollen sich nicht einmischen

    Ihr Ministerium versuchte im Anschluss zwar, die Aussage wieder einzufangen: „Franziska Brantner hat deutlich gemacht, dass wir nicht deutsche AKWs länger laufen lassen, um kaputte französische AKWs auszugleichen.“ Mit ihren Worten hat die Staatssekretärin aber die Tür für eine Laufzeitverlängerung ein Stück geöffnet, so interpretieren es manche.

    Die französische Regierung ist bemüht, sich nicht offen in die politische Diskussion um einen möglichen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken in Deutschland einzumischen. „Im aktuellen geopolitischen Kontext ist die Sicherheit der Energieversorgung für diesen Winter eine Angelegenheit aller EU-Mitgliedstaaten“, heißt es aus dem Élysée-Palast.

    „Jedes Land muss in den kommenden Monaten seine Kapazitäten mobilisieren, um CO2-arme Energie zu produzieren, um seine Abhängigkeit von fossiler russischer Energie zu reduzieren“. Im politischen Sprachgebrauch Frankreichs ist die Kernkraft ein zentraler Bestandteil der CO2-armen Energie.

    Die Laufzeitverlängerung sei natürlich eine „souveräne Entscheidung“ der Bundesregierung, heißt es im Élysée-Palast. „Wir warten auf die Ergebnisse des laufenden Stresstests, um zu erfahren, ob ein Weiterbetrieb dieser Reaktoren in diesem sehr besonderen aktuellen Kontext anvisiert wird.“

    Deutlicher wurde vor einigen Wochen Thierry Breton, der französische EU-Kommissar in Brüssel. Breton ermahnte die Bundesregierung: Es sei im „allgemeinen Interesse Europas“, dass Deutschland seine letzten Atommeiler noch etwas länger laufen lasse.

    Es finde tatsächlich ein Umdenken statt, beschreibt ein Bundestagsabgeordneter der Grünen die Lage hierzulande. Der Druck in der Ampelkoalition, aber auch von europäischen Nachbarn auf seine Partei sei immens. Bei einer Stromnotlage sei eine Absage an eine längere Laufzeit kaum vermittelbar. Insbesondere für Bayern, wo die Kernkraft eine wichtige Rolle für die Stromversorgung spielt, will die Ökopartei den Weiterbetrieb nicht final ausschließen.

    Die Grünen bleiben schlussendlich beim Atomausstieg

    Darauf weist auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann hin. Grundsätzlich sei klar: „Es gibt einen gesellschaftlichen Konsens zum Ausstieg aus der Atomkraft, den setzen wir nicht aufs Spiel.“ Doch auch sie verweist darauf, den Stresstest abzuwarten, der „mit speziellem Blick auf Bayern“ durchgeführt werde. „Diese Ergebnisse werden wir dann bewerten, wenn sie da sind“, sagte Haßelmann dem Handelsblatt.

    >> Lesen Sie hier auch: Forderungen aus Bayern: Lassen sich stillgelegte Atomkraftwerke einfach wieder hochfahren?

    Ein erster Stresstest vom März bis Mai kam zu dem Ergebnis, dass die Versorgungssicherheit im kommenden Winter auch ohne Atomkraft sicher sei. Der neue Test soll nun aber unter verschärften Bedingungen stattfinden – insbesondere mit Blick auf Frankreich.

    Seit Monaten steht dort die Hälfte der 56 Reaktoren still. Zwölf Reaktoren nahm der Stromriese EDF nach eigenen Angaben vorübergehend vom Netz, um die Rohrleitungen des Notkühlsystems auf kleinste Risse zu überprüfen.

    Der Konzern hatte die Vorsichtsmaßnahme ergriffen, nachdem bei älteren Anlagen Hinweise auf Korrosionsschäden entdeckt worden waren. Neben den unvorhergesehenen Abschaltungen stehen gegenwärtig auch mehr Reaktoren als üblich wegen routinemäßiger Wartungen still.

    Während der Lockdown-Phasen in der Pandemie waren geplante Instandsetzungsarbeiten verschoben worden, nun überschneiden sie sich mit den Korrosionsproblemen. EDF senkte mehrfach seine Prognosen für die Produktion von Atomstrom in diesem Jahr und rechnet nun mit 280 bis 300 Terawattstunden – verglichen mit 360 Terawattstunden im vergangenen Jahr.

    Laut Daten des Übertragungsnetzbetreibers Entso-E liefert Deutschland seit September 2021 jeden Monat mehr Strom ins Nachbarland, als es von dort einführt. Der deutsch-französische Stromaustausch ist allerdings eine komplexe Sache: Deutschland lieferte schon in den früheren Wintern größere Strommengen nach Frankreich, wo stärker mit Strom als mit Gas geheizt wird. Zugleich garantierte auch der Import von Atomenergie aus Frankreich phasenweise die Stabilität des deutschen Stromnetzes, wenn die Einspeisung aus Wind- und Solarkraft schwankte.

    Mehr: Anstieg über 580 Prozent zum Vorjahr – Strompreise klettern auf Rekordniveau

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    1 Kommentar zu "Stromknappheit: Warum die französische Energiekrise die deutsche Atomkraft-Debatte befeuert"

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    • Frankreich und Deutschland sollten beide für Innovationen im Energiesektor investieren - sie müssen sich ÖFFNEN für revolutionäre neue Ära der Energienutzung. um Abhängigkeiten von Rohstofflieferanten wie Russland zu beenden, denn diese neueste Technologie kann uns ganz schnell nach vorne bringen. Quasi Energie aus der Luft Tanken: die neue Ära der Energienutzung durch Neutrino-Technologie bringt, vergleichbar mit der Abnabelung von der Steckdose & Grosskraftwerkversorgung, wie dereinst die Abkabelung von der Festnetztelefonie zur heutigen smarten Mobilfunktelefonie, enorme Vorteile. Diese innovative Schlüsseltechnologien ist sauber, mobil, dezentral und DANN NOCH 50% günstiger als Solarenergie. Es sind selbstladende Power Cubes mit der Neutrinovoltaic, sie bieten enormem Fortschritt - eine Grundlastfähige Energienutzung 24h x 365Tage, was Wind- und Solarenergie nicht bieten können, da sie nicht kontinuierlich vorhanden sind. Wussten Sie, dass selbst die Stanford University in einem Report zu Innovativsten Technologien für 2022 über die Neutrinovoltaic berichten? Ich sah zuletzt im Berlin TV Nahaufnahme einen Bericht zum diesem Thema über das neueröffnete Institut der Berliner Neutrino-Energy Group nahe Berlin. China, Indien und UK gehen bereits für diese Alternative mit der Neutrinovoltaic in Planung und haben Budgets in Milliardenhöhe zugesichert. Investitionen sollten den Stein ins Rollen bringen, für eine Zukunft mit unendlicher Energiequelle in EUROPA und überall weltweit. Darüber muss endlich berichtet werden.

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