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Studentenkrankheit Kopfschmerz Die Barmer Ersatzkasse umwirbt den wissenschaftlichen Nachwuchs

Mit ihrem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt „Kopf Hoch“ will die zweitgrößte Krankenkassen Studierenden Hilfe gegen Kopfschmerzen vermitteln. Ein Schelm, wer dabei an ein geschicktes PR-Manöver denkt.
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Ein Großteil der Bevölkerung leidet unter Kopfschmerzen. Studenten sind besonders betroffen. Quelle: dpa
Schmerzen

Ein Großteil der Bevölkerung leidet unter Kopfschmerzen. Studenten sind besonders betroffen.

(Foto: dpa)

BerlinEs ist vielleicht kein Zufall, dass sich die Barmer Ersatzkasse für die Vorstellung eines Pilot-Projekts der besonderen Art den 1. November ausgesucht hat. Allerheiligen ist in den meisten Bundesländern ein Feiertag und damit ein eher nachrichtenarmer Tag. In der Bundeshauptstadt, dem Bundesland mit den wenigsten Feiertagen in Deutschland, ist es dagegen ein ganz normaler Werktag. Und genau dort stellte die Barmer ihr neuestes Projekt vor.

„Kopf-Hoch“ haben die Erfinder es genannt. Und es geht um die 2,8 Millionen Studenten in Deutschland. Sie leiden nach einer aktuellen Befragung, die die Barmer ebenfalls heute vorgestellt hat, offenbar stärker als der Rest der Bevölkerung unter Kopfschmerzen.

Außerdem sind sie als künftige gutverdienende und überdurchschnittlich gesunde Akademiker auch ein besonders interessantes Klientel für eine Krankenkasse.

Rund 1,8 Millionen, also mehr als jeder zweite Studierende hatte in den vergangenen drei Jahren mit Kopfschmerzen zu kämpfen. Genau sind es 57 Prozent der Studenten und fast 75 Prozent der Studentinnen. Fast jeder Dritte der Betroffenen ist durch Kopfschmerzen sehr schwer beeinträchtigt.

Nimmt man die mäßig Beeinträchtigten hinzu, kommt man auf etwa 900.000 Studierende, deren Alltag durch Kopfschmerzen eingeschränkt wird. Deutlich eingeschränkt bedeutet, dass durchschnittlich 2,4 Arbeitstage an der Hochschule dadurch monatlich verloren gehen. Bei Studierenden mit Migräne sind es sogar 2,7 Arbeitstage.

So die wichtigsten Ergebnisse der Studie, die auf einer Online-Befragung unter Studenten und Mitarbeitern von Hochschulen basiert, aus der eine repräsentative Stichprobe von rund 2000 Datensätzen gezogen wurde.
Sie wurde 2016 in Zusammenarbeit zwischen der Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen GmbH und der Schmerzklinik Kiel gestartet. Pilotpartner für die epidemiologischen Untersuchungen waren die Technische Universität Dresden, die Fachhochschule Kiel und die Humboldt-Universität zu Berlin. Ziel der Studie war außerdem die Entwicklung von Maßnahmen zur Kopfschmerzprävention für Studierende und Hochschulmitarbeiter.

Dass die Barmer dabei als Förderer und Kooperationspartner auftritt, ist durch das Sozialgesetzbuch gedeckt. Seit Verabschiedung des Präventionsgesetzes sind die Kassen sogar verpflichtet, einen bestimmten Teil ihrer Beitragseinnahmen für die Vorbeugung und Vermeidung von Krankheiten auszugeben. Dabei nutzen viele Kassen Präventionsprogramme auch als Marketinginstrument. Barmer-Chef Christoph Straub sieht das anders. Er weist darauf hin, dass der Hochschulbereich im Präventionsgesetz ausdrücklich als eine der „Lebenswelten“ aufgeführt sei, um die sich Krankenkassen kümmern sollten.

„Für uns ist das Projekt ‚KopfHoch‘ ein Beispiel dafür, wie das partnerschaftliche Zusammenwirken von Hochschulen, Medizin und Krankenversicherung konkreten gesundheitlichen Problemen entgegentreten kann“, sagte der Barmer-Chef. Dass fast 75 Prozent der Studentinnen und fast 57 Prozent der Studenten unter Kopfschmerzen leiden, unterstreiche den dringenden Handlungsbedarf.

Dabei könnten nur 25,7 Prozent der Betroffenen angeben, unter welchem Kopfschmerz-Typ sie leiden. „Die Vorbeugung von Kopfschmerzen beginnt aber mit dem Verstehen der Erkrankung und ihrer Erscheinungsweisen. Das Projekt ‚KopfHoch‘ setzt genau hier an“, sagte Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel.

Symptomatisch für das fehlende Problembewusstsein sei auch ein unreflektierter Umgang mit Kopfschmerzmedikamenten: Von denen, die ihr Leiden mit Schmerzmitteln bekämpfen, nehmen diese über 90 Prozent ohne ärztliche Verordnung ein.

Herzstück des Projekts ist die innovative Präventionskampagne „Headache Hurts“, mit der Studierende für das Thema sensibilisiert werden sollen. Nach dem Prinzip Wissen – Verstehen – Handeln soll damit das grundlegende medizinische Wissen sowie die wichtigsten „Dos and Dont’s“ der Kopfschmerzprävention vermittelt werden.

Neben einer kompakten Informationsbroschüre soll es eine Website geben, auf der sich die Stunden informieren können unter anderem über einen sechsminütigen Film sowie eine als Medizinprodukt zertifizierte App.

„Unser Pilotprojekt bietet die Chance, das Thema Kopfschmerzprävention in den Köpfen der jungen Generation zu verankern und kopfschmerzbedingten Arbeitsausfall im Studium sowie im späteren Berufsleben erheblich zu verringern“, erläutert Karin Frisch von der ZIES gGmbH das Ziel der Kampagne. Besonders wichtig sei den Initiatoren die enge Zusammenarbeit mit den Partnerhochschulen.

In repräsentativ besetzten Expertenrunden werde ein kontinuierlicher Austausch gepflegt und gemeinsam erörtert, wie das Programm an den spezifischen Bedarf der jeweiligen Hochschule angepasst werden kann. Dabei will die Barmer nicht nur das für sie ökonomisch interessante Klientel der künftigen Akademiker adressieren. Neben dem Präventionsprogramm für Studierende gibt es auch ein Programm für die Mitarbeiter der Hochschulen.

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