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Studentenwohnung Höllenritt mit Happy End: Wie ich eine Studentenwohnung in Hamburg fand

Der Wohnungsmarkt in Hamburg zählt zu den härtesten in Deutschland. Unsere Autorin hat sich Monate lang durchgekämpft und lernte einige Tricks. Am Ende bekam sie fast ein schlechtes Gewissen.
  • Hanna Priebe
18.04.2018 - 11:36 Uhr Kommentieren
Orange-Autorin Hanna am Ziel ihrer monatelangen Suche
Orange-Autorin Hanna am Ziel ihrer monatelangen Suche

Willkommen in Hamburg, einem der härtesten Wohnungsmärkte Deutschlands. (Foto: Hanna Priebe/Orange by Handelsblatt)

Dieser Artikel ist am 18. April 2018 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Als ich die E-Mail des Vermieters lese, muss ich einfach nur noch lachen. „Auch wenn bei Ihnen eigentlich alles passte, haben wir uns letztlich für zwei andere künftige Mieterinnen entschieden“, schreibt er. Und dann: „Es tut uns leid – ein sehr guter zweiter Platz nützt bei diesem Wettbewerb ja nix.“

Die Absage ist der vorläufige Höhepunkt meiner Wohnungssuche und gleichzeitig nochmal ein richtiger Schlag ins Gesicht. Nach drei Monaten und etlichen Enttäuschungen starte ich wieder bei null. Willkommen in Hamburg, einem der härtesten Wohnungsmärkte Deutschlands.

Miete pro Quadratmeter in Hamburg: 16 Euro kalt

Laut des Portals wohnungsboerse.net liegt der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter für eine kleine Wohnung (bis 30 Quadratmeter) bei fast 16 Euro kalt (Stand: April 2018). Eine mittlere Bude (bis 60 Quadratmeter) kostet knapp zwölf Euro kalt. Zum Vergleich: Bundesweit sind es 11,07 Euro für die kleine und 7,63 Euro für die mittelgroße Variante.

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    Die extrem hohen Preise haben mehrere Gründe: Immer mehr Menschen wollen in Metropolen leben, und immer mehr sind allein. Es gibt also eine riesige Nachfrage nach kleinen Wohnungen in großen Städten. Das treibt die Preise.

    Außerdem können sich Investoren wegen der niedrigen Zinsen seit Jahren billig Geld leihen. Das stecken sie in Häuser und Wohnungen. Die kaufen sie zum Beispiel Städten und Gemeinden für viel Geld ab und modernisieren sie. Danach erhöhen sie die Miete.

    Hamburg zählt dabei zu den beliebtesten Städten. In einer Rangliste der Wochenzeitung „Zeit“ steht die zweitgrößte deutsche Metropole auf Platz 6. Die Folge: Allein zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten bei neuen Angeboten um sieben Prozent gestiegen.

    Billig wohnen: Versuchs mal in Chemnitz, Cottbus oder Halle

    Und ausgerechnet in dieser Stadt brauche ich jetzt eine Wohnung. Im Oktober habe ich ein Studium begonnen – damit ist es eigentlich längst an der Zeit, mal von zuhause auszuziehen. Nur: Wie soll das gehen?

    Angeblich kann man in Hamburg schon für 8,51 Euro pro Quadratmeter eine neue Wohnung finden. Doch die liegt in Neuenfelde. Obwohl ich in Hamburg geboren bin, habe ich noch nie von diesem Stadtteil gehört. Das liegt wahrscheinlich daran, dass man bis ins Zentrum mit Bus und Bahn bis zu anderthalb Stunden unterwegs ist. Da bleibe ich lieber bei meinen Eltern.

    Mietpreise Großstädte

    Es ist Herbst 2017, als ich mit meiner Wohnungssuche beginne. Bei Freunden und Bekannten höre ich mich nach freien Wohnungen um. Der Anfang fühlt sich langsam und schleichend an. Doch plötzlich geht es schnell: Eine Freundin schreibt, dass über ihr eine Wohnung frei wird. Top Lage! Top Preis! Top Nachbarn! 48 Quadratmeter für gerade mal 600 Euro warm!

    Voller Hoffnung steige ich die Stufen zur Wohnung hoch. Doch die ist schrecklich! Die Küche fällt fast auseinander, das Bad schimmelt. Wenn man auf dem Klo sitzt, geht die Tür nicht mehr richtig zu. Die Wände sind fleckig. Igitt!

    Immobilienscout: Mit diesem Trick bekommst du mehr Antworten

    Weihnachten ist vorbei und ich wohne immer noch bei meinen Eltern. Okay, sage ich mir: neues Jahr, neues Glück! Ich meldete mich auf mehreren Immobilienportalen an. Am benutzerfreundlichsten finde ich Immobilienscout24.

    Die App zeigt mir neue Objekte per Push-Nachricht an. Ich kann direkt Nachrichten verschicken und Wohnungen favorisieren. Die Suche macht fast so viel Spaß wie tindern. Das Problem ist nur: So erfolgreich wie Tinder läuft es nicht. Ein Match bleibt aus!

    Bei zehn Wohnungen antwortet mir nicht ein einziger Anbieter auf meine Frage nach einem Besichtigungstermin. Was mache ich falsch? Ich frage Freunde, wie sie an ihre Buden gekommen sind. „Meine Eltern haben die Wohnung für mich und meinen Kumpel gekauft!“ Diese Antwort bekomme gleich vier Mal zu hören. Toll! Für mich leider total unrealistisch.

    Eine Freundin hat dagegen einen super Tipp: „Schreib die Anfragen im Namen deiner Eltern!“ Meine nächsten Anfragen auf Immobilienscout24 schreibe ich also in Absprache mit meinen Eltern im Namen meines Vaters. Ich betone, dass meine Eltern berufstätig sind und für mich bürgen. Prompt bekomme ich einen Anruf: Ich darf eine Wohnung anschauen!

    Meine Mutter und ich ziehen uns eine Bluse an. Mein Vater ein Hemd. Wir alle werfen uns unsere schönsten Wintermäntel über, obwohl es draußen Minusgerade hat und dicke Daunenjacken wohl deutlich angemessener wären. Los geht es zu meiner Traumwohnung!

    Außer mir dürfen sich nur zwei Mitbewerber die Wohnung anschauen. Ich bin die letzte und habe ein gutes Gefühl. Die Wohnung ist ein Traum, die Vermieter super nett. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich versuche von mir zu überzeugen. Denn ich weiß: In dieser Maisonette-Wohnung in Barmbek möchte ich die nächsten Jahre wohnen!

    Wohnungsbesichtigung: Mit diesen Tricks kämpfen Bewerber beim Vermieter

    Es bleibt ein Wunsch. Vier Tage später kommt die bittere Enttäuschung und der Satz: „…ein sehr guter zweiter Platz nützt bei diesem Wettbewerb ja nix.“ Danke für nichts, denke ich mir. Nach einem ersten Lachen über die Mail kommen mir Tränen. Ich verziehe mich weinend ins Bett. Wie soll ich nur an eine Wohnung kommen? Das klappt doch nie!

    Immerhin eins kann mich ein wenig trösten: Ich bin nicht allein. „Abartig ist das“, erzählt mir ein Mitstudent auf meine verzweifelte Frage, wie er denn an seine Wohnung gekommen ist. Er schaute sich in Winterhude eine Wohnung an, gute Gegend, hohe Mieten. Die Leute standen bis runter zur Straße. Als er endlich oben ankam, sah er, wie die Frau vor ihm in der Schlange die Knöpfe ihrer Bluse etwas weiter öffnete. „Bei diesem Wettbewerb kämpfen die Bewerber mit wirklich allen Mitteln!“

    Ich kämpfe weiter mit herkömmlichen Mitteln. Und wenigstens bin ich inzwischen nicht mehr allein. Ich suche gemeinsam mit einer guten Freundin. Doch wenn die Verwalter das Wort „WG“ nur hören, scheinen sich bei ihnen die Nackenhaare aufzustellen. Eine Mitspielerin vom Handball erzählt mir, dass sich zwei Freundinnen von ihr als Lesben ausgegeben haben. „Als Paar bekommt man nun mal eher eine Wohnung!“ Bei ihnen hat es geklappt, die Mädels haben die Bude bekommen.

    „Es ist gar nicht so leicht, rechtzeitig zu Semesterbeginn ein geeignetes und preiswertes Zimmer in Hamburg zu finden. Wir empfehlen Ihnen daher, sich schon vor Erhalt der Zulassung zu informieren.“ – Studierendenwerk Hamburg

    Ich rechne langsam damit, bis zum Ende meines Studiums in meinem alten Kinderzimmer zu wohnen. Gelangweilt klicke ich mich durch die Seiten des Hamburger Studierendenwerks. Die Warteliste der Bewerber für einen Platz im Studentenwohnheim ist noch immer lang. Mehr als 700 Studenten stehen noch drauf. Zu Beginn des Wintersemesters 2017/18 waren es fast 1200. „Es ist gar nicht so leicht, rechtzeitig zu Semesterbeginn ein geeignetes und preiswertes Zimmer in Hamburg zu finden“, steht auf der Internetseite. Ach was, echt jetzt?

    Hamburg Winterhude: gute Gegend, hohe Mieten

    Dann eines Tages telefoniere ich mit einer Freundin, deren Onkel mehrere Wohnungen verwaltet. „Ruf ihn einfach mal an, vielleicht hat er ja was für dich“, sagt sie. Zwei Wochen später dürfen wir die Wohnung anschauen.

    Mitten im wunderschönen, trendigen Winterhude, liegt das Objekt der Begierde. Und was soll ich anderes sagen: Es ist Liebe. Liebe auf den ersten Blick. „Ziehen wir in den Himmel?“, fragt meine Freundin mit leuchtenden Augen. Der Altbau ist ein Traum. Aber der Preis? Fast 750 Euro kalt sollen die knapp 60 Quadratmeter kosten. Nach der monatelangen Suche und den unzähligen Absagen kommt es mir vor wie ein Schnäppchen. „Wir würden hier am liebsten sofort einziehen!“, sagen wir im Chor.

    Ein Tag später bekommen wir die Zusage. Endlich geht es raus! Raus aus dem Kinderzimmer bei meinen Eltern in der Vorstadt. Und rein ins Zentrum von Hamburg. Das alles nur mit ganz viel Glück. Und mit Beziehungen. Fair ist das nicht. Doch das ist mir ehrlich gesagt längst egal. Denn fair geht es auf dem Wohnungsmarkt schon lange nicht mehr zu.

    Mehr: Für Studenten werden Wohnungen immer teurer

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