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Studie der Varkey-Stiftung In Deutschland hat der Lehrerberuf ein miserables Image

In Deutschland würde nur jeder Fünfte seinem Kind empfehlen, Lehrer zu werden. Obwohl ihre Gehälter nur in der Schweiz noch höher sind. Ein Faktor ist die lange Arbeitszeit.
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Der Lehrerberuf hat in Deutschland einen ganz schlechten Ruf. Quelle: dpa
Lehrer

Der Lehrerberuf hat in Deutschland einen ganz schlechten Ruf.

(Foto: dpa)

Berlin Lediglich 20 Prozent der Deutschen würden ihr Kind ermutigen, Lehrer zu werden – das ist ein ähnlich schlechter Wert wie in Ägypten und Brasilien. Damit hat der Lehrerberuf in Deutschland auch das mieseste Image in ganz Europa – direkt hinter Großbritannien mit 23 Prozent. Das zeigt eine Studie der britischen Varkey-Stiftung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Anderswo auf der Welt gilt der Lehrerberuf weit mehr: So würden in der Schweiz mehr als 30, in Spanien und den USA mehr als 40 Prozent ihren Kindern dazu raten, in Indien sogar mehr als jeder Zweite. Die KMK appelliert angesichts dieser Ergebnisse für mehr Anerkennung: „Lehrer erbringen tagtäglich Höchstleistungen im Unterricht und danach.

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Das muss in der Öffentlichkeit stärker gewürdigt werden, denn mit diesem Beruf geht eine ungeheuer große Verantwortung einher“, sagte KMK-Präsident Helmut Holter dem Handelsblatt. Eine Unterrichtsstunde müsse heute „drei- bis vierfach vorbereitet werden, weil die Klassen immer heterogener werden“ und die Pädagogen auf jedes Kind individuell eingehen müssten und wollten. Dazu kommen weitere Herausforderungen wie die Digitalisierung der Bildung.

„Dafür, wie sie all diese Aufgaben bewältigen, haben unsere Lehrerinnen und Lehrer höchsten Respekt und Dank verdient“, so Holter.

Überdurchschnittliche Arbeitszeit

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hat eine Erklärung für den schlechten Wert in Deutschland: „Das ist ‧angesichts der schlechten Rahmenbedingungen, der generellen Überforderung vieler Lehrer nicht überraschend“, sagte der dem Handelsblatt. Aber „es erschwert natürlich auch den Kampf gegen den Lehrermangel, denn solche Berichte wirken abschreckend“, so Meidinger.

Das schlechte Renommee liege auch an der Arbeitszeit, die im europäischen Vergleich eine der höchsten ist, sagte Meidinger. Deutsche Lehrer gaben in der GTSI-Studie an, wöchentlich knapp 45 Stunden zu arbeiten – das war der zweithöchste Wert nach Großbritannien, wo es 51 sind. Das Ergebnis decke sich mit anderen Untersuchungen, so Meidinger. Dazu kommt offenbar mangelnder Respekt: Nur 22 Prozent der Deutschen meinen, dass Lehrer von den Schülern respektiert werden.

Und das ist schon eine Verbesserung: 2013, als der erste Global Teacher Status Index (GTSI) erstellt wurde, lag der Wert noch bei 18 Prozent. In China glauben 81 Prozent, dass Lehrer respektiert werden. Am Geld kann das schlechte Image des Lehrerberufes nicht liegen. Nach den Indexdaten ist zumindest das Einstiegsgehalt für Lehrer in Deutschland an weiterführenden Schulen kaufkraftbereinigt das zweithöchste in allen 35 untersuchten Ländern. Noch besser verdienen Lehrer nur in der Schweiz.

Der Lehrerverband weist allerdings darauf hin, dass es für Lehrer in Deutschland kaum Aufstiegschancen gebe. Und selbst Schulleiter verdienten im Mittel nur rund 200 Euro mehr monatlich als gleich alte Kollegen, sagt Meidinger, der selbst ein bayerisches Gymnasium leitet.

Lehrerverband: Image nicht überraschend

Weltweit erhalten Lehrer in den meisten Ländern weniger Geld, als die Bürger angemessen fänden. Nicht in Deutschland: Hier nennen die Befragten ein Gehalt, das weit unter dem liegt, was Einsteiger an weiterführenden Schulen tatsächlich verdienen.
Ganz unten rangieren in Deutschland die Grundschullehrer, die am wenigsten verdienen.

Das beginnt sich jedoch zu wandeln: Wegen des zunehmenden Lehrermangels, der vor allem Grund- und Berufsschulen trifft, haben einzelne Ländern wie Schleswig-Holstein, Berlin und Bremen beschlossen, das Gehalt der Grundschullehrer anzupassen. Es geht allerdings auch schlimmer: Fast nichts bedeutet der Lehrerberuf etwa in Russland, wo ihn lediglich sechs Prozent der Befragten empfehlen. Äußerst schlecht angesehen sind die Pädagogen auch in Israel, Japan, Ungarn und Portugal.

Für die Studie wurden 35 000 Erwachsene in 35 Ländern befragt, also rund 1 000 pro Land, sowie 5 500 Lehrer im aktiven Dienst. Nach Angaben der Varkey-Stiftung ist es die umfassendste Umfrage, die jemals weltweit zum Thema des Respekts gegenüber Lehrern erstellt wurde. Es ist die zweite Umfrage dazu, der erste Global Teacher Status Index wurde 2013 in 21 Ländern durchgeführt. Stiftungsgründer Sunny Varkey ist ein in den Emiraten ansässiger Unternehmer aus Indien.

Seine Firma GEMS Education betreibt in mehreren Ländern gut 130 Schulen und Kindergärten. „Weltweit hat sich das Ansehen der Lehrer in den letzten fünf Jahren in den meisten Ländern verbessert“, sagte Peter Dolton vom britischen National Institute of Economic and Social Research, das die Studie für die Varkey-Stiftung erstellte. Auch in Deutschland stieg es ein klein wenig.

Generell rangiere das Lehramt aber in vielen Ländern weiterhin im Mittelfeld – lediglich in den asiatischen Ländern habe es ein wesentlich höheres Ansehen als im Westen.

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1 Kommentar zu "Studie der Varkey-Stiftung : In Deutschland hat der Lehrerberuf ein miserables Image"

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  • Die lange Arbeitszeit? 20 Wochenstunden, xMonate Ferien? Hat man da etwas mit der
    Maurerinnung verwechselt?

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