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Studie Deutschland spart sich bei der KI-Forschung ins Abseits

Allein die chinesische Metropole Tianjin will Künstliche Intelligenz mit rund 13 Milliarden Euro fördern. Deutschland wird abgehängt, warnt eine Studie.
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In Deutschland gäbe es viel Potenzial für KI-Anwendungen, allerdings hinkt die Förderung anderen Ländern weit hinterher. Quelle: dpa
KI-basierte 3D-Karte von Berlin

In Deutschland gäbe es viel Potenzial für KI-Anwendungen, allerdings hinkt die Förderung anderen Ländern weit hinterher.

(Foto: dpa)

BerlinDie drei Milliarden Euro, die die Bundesregierung bis 2025 in die Entwicklung der KI stecken will, sind im Zweifel zu wenig, mahnt eine Studie für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Schließlich hätten nicht nur die USA und China, sondern auch Israel und Kanada mit gezielter Förderung bereits einen großen Vorsprung erzielt, warnen die Autoren von der US-amerikanischen Cambrian Group, die die Entwicklung der KI weltweit untersuchten.

Zur Einordnung verweisen sie auf China: Allein die Stadt Tianjin plane dort KI-Förderung in Höhe von 12,8 Milliarden Euro. Das chinesische Unternehmen Alibaba habe sogar bis zu 16 Milliarden vorgesehen, warnen die Autoren Olaf Groth und Tobias Straube.

Doch auch inhaltlich und organisatorisch lasse die KI-Strategie zu wünschen übrig: Allein um sie effektiv zu bündeln und zu steuern, sei dringend eine starke Organisation wie ein Digitalministerium nötig. Ein solches hatte etwa die FDP immer wieder gefordert. Aktuell laufen die Fäden im Kanzleramt zusammen.

Um den Größen-Nachteil Deutschlands auszugleichen, müsse sich die hiesige Forschung nicht nur in Europa weit stärker vernetzen – bisher ist nur ein Netzwerk mit Frankreich geplant. Heute befinden sich nach Angaben der KAS-Studie in Deutschland nur 21 der Top 500 kommerziell verfügbaren Supercomputer weltweit.

Um diesen „strategischen Nachteil“ auszugleichen, sollte Deutschland sich mit den europäischen Partnern für die Entwicklung von Quantencomputern zusammentun – Vorbild könnte der weltgrößte Teilchenbeschleuniger CERN sein. Daneben solle Deutschland den heimischen Halbleiterproduzenten Infineon stärker fördern, um so zumindest mittelfristig strategische Optionen offenzuhalten und die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern zu mindern. Daneben sei es aber unverzichtbar, auch mit den USA, mit Kanada, Japan und Südkorea zu kooperieren.

Keine Bezüge zur Sicherheitspolitik

Entscheidend aber sei, dass die gesamte Gesellschaft das Thema KI „offen und konstruktiv kritisch“ angehe. „Denn nur wenn die KI-Strategie einen ähnlichen gesellschaftlichen Funken entfacht wie das Apollo-Programm in den 60er und 70ern in den USA, und Menschen zum Forschen und Gründen anregt, kann Deutschland auch künftig das kognitive Zeitalter mitgestalten“, heißt es in der Studie.

Es sei zwar richtig, die enormen Chancen der KI mit Leuchtturmprojekten wie Maßnahmen gegen den Klimawandel zu verdeutlichen – aber nicht genug. Ähnliches biete sich etwa auch im Gesundheitsbereich an.

Die Bundesregierung möchte 500 Millionen Euro in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz investieren. Quelle: dpa
Künstliche Intelligenz

Die Bundesregierung möchte 500 Millionen Euro in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz investieren.

(Foto: dpa)

Im Bereich der Konsumentendaten kann Deutschland – so der allgemeine Konsens – wegen der viel kleineren Bevölkerung kaum mit den USA oder China mithalten. Daher setzt die deutsche KI-Strategie einen Schwerpunkt auf die Verwertung hochqualitativer Daten aus der Industrie. Um aber die Privatwirtschaft zu überzeugen, diese Daten auch zur Verfügung zu stellen, empfiehlt die KAS-Studie der Regierung, hier „kommerzielle Anreize“ zu entwickeln. Schwerpunkt müsse die Förderung unternehmensübergreifender Datenpools im Mittelstand sein, die die anwendungsorientierte KI-Entwicklung für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft unterstütze.

Als Gefahr sehen die Autoren schließlich die Tatsache, dass die deutsche KI-Strategie – anders als in den USA oder in Russland – „keine Bezüge zur Sicherheitspolitik“ habe. Angesichts von möglichen KI-basierten Cyberattacken oder militärischer KI-Anwendung müsse diese Lücke auf jeden Fall geschlossen werden.

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