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Studie Die Mär vom „stupid german money“ – Deutsche machen Gewinn im Ausland

Ein aktuelles Gutachten widerlegt die These von unrentablen deutschen Auslandsanlagen. Davon profitieren auch die Länder, in die investiert wird.
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Deutsche Firmen investieren wieder deutlich mehr in Russland Quelle: picture-alliance / Eibner-Presse
Deutsche Direktinvestitionen

Deutsche Firmen investierten im ersten Quartal 1,76 Millionen in Russland.

(Foto: picture-alliance / Eibner-Presse)

Berlin Deutsche Sparer genießen weltweit einen zweifelhaften Ruf. Vom „stupid german money“ ist die Rede, vom „dummen deutschen Geld“, das die Sparer regelmäßig in ausländischen Investitionen verbrennen. Das sei doppelt ärgerlich, lautet eine weit verbreitete These: Denn damit verlieren deutsche Anleger nicht nur Geld, zugleich erhöht es auch den Leistungsbilanzüberschuss, für den Deutschland international unter Beschuss steht.

Doch diese Theorie ist falsch. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest ein Gutachten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel) im Auftrag des Bundesfinanzministeriums, das dem Handelsblatt vorliegt. „Deutschland braucht sich bei niemandem zu entschuldigen“, sagt IfW-Forscher Stefan Kooths. Denn laut dem 136 Seiten starken Gutachten „Direktinvestitionen im Ausland“, das Kooths zusammen mit sieben weiteren Kollegen erstellt hat, lohnen sich deutsche Investitionen außerhalb der eigenen Landesgrenzen sehr wohl.

„Die deutschen Direktinvestitionen verzeichnen seit dem Jahr 2005, trotz Verlusten während der Finanzkrise, netto leicht Bewertungsgewinne“, schreiben die IfW-Forscher. Vor allem aber: „Etwa seit der Jahrtausendwende weisen deutsche Auslandsinvestitionen eine höhere Rendite auf als ausländische Investitionen in Deutschland“, heißt es weiter.

Seit den 2000er-Jahren „liegt der Renditevorsprung der Auslandsanlagen bei knapp zwei Prozent“, schreiben die Forscher. Und die Rentabilität dürfte laut den Experten sogar noch unterschätzt werden, da sich die Produktivitätseffekte deutscher Investitionen nicht vollständig erfassen ließen.

Damit, so schreiben die Forscher, finde zwar eine Kaufkraftverlagerung in die übrige Welt statt. Und diese Kapitalabflüsse ins Ausland dürften noch eine Weile anhalten, womit auch der deutsche Leistungsüberschuss hoch bleiben dürfte. Doch wenn Investitionen von Unternehmen und anderen Anlagen in jene Länder fließen, wo die höheren Renditen zu erwarten sind, erhöhten sich „damit die Konsummöglichkeiten sowohl in Deutschland als auch in der übrigen Welt“, sagt Kooths. Oder einfacher ausgedrückt: Die Direktinvestitionen steigern sowohl innerhalb wie außerhalb Deutschlands den Wohlstand.

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Exemplarisch zeigt dies das Beispiel Frankreich, das die Forscher in ihrem Gutachten eingehender untersucht haben: Demnach wirkt sich die Präsenz deutscher Unternehmen dort auch positiv auf französische Konzerne aus. Getreu dem Motto „Konkurrenz belebt das Geschäft“ werden französische Firmen im Wettbewerb gegen deutsche Unternehmen auf dem heimischen Markt produktiver und stellen sich internationaler auf.

IfW-Forscher Kooths kann in dem Abfluss von Kapital deshalb kein Problem erkennen, sondern hält ihn im Gegenteil für segensreich. Deutschlands hoher Leistungsbilanzüberschuss sei auch Folge rationaler Investitionsentscheidungen, die unter einfachen Renditegesichtspunkten erfolgen. Würde man dagegen politisch etwas tun wollen, würde man in funktionierende Marktprozesse eingreifen und letztlich allen schaden, lässt sich aus dem Gutachten ableiten.

Allerdings räumen die Forscher ein, dass es sowohl nach Regionen als auch über Branchen hinweg erhebliche Unterschiede gibt. Während nach der Jahrtausendwende Direktinvestitionen in der EU und in Schwellenländern sich als renditeträchtig herausstellten, waren Investitionen in den USA weniger gut angelegt.

Ebenso rentierten sich Direktinvestitionen in das verarbeitende Gewerbe deutlich besser als in ausländische Finanz- oder Versicherungsdienstleistungen. Die Anpassungsprozesse in einzelnen Branchen sollten deutsche Anleger daher im Blick haben, sonst könnten sie am Ende ihr Geld verlieren.

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