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Studie EU-Binnenmarkt steigert Einkommen der Deutschen im Schnitt um 1000 Euro

Eine Bertelsmann-Studie zeigt: Der europäische Binnenmarkt ist ein Gewinn für alle Bundesbürger, das aber unterschiedlich stark und industrieabhängig.
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Vom Binnenhandel profitieren vor allem Ballungszentren. Quelle: AP
Warentransport auf dem Main

Vom Binnenhandel profitieren vor allem Ballungszentren.

(Foto: AP)

BerlinDer EU-Binnenmarkt ist der größte Wirtschaftsraum der Welt – und es lohnt sich, dort Einwohner zu sein. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung steigert er das Einkommen der Deutschen jährlich durchschnittlich um mehr als 1000 Euro pro Person. Die Deutschen profitieren damit stärker vom Binnenmarkt als der durchschnittliche EU-Bürger. Dessen Jahresplus beziffert die Studie mit 840 Euro.

Der Vorteil des Binnenmarkts liegt vor allem in den geringeren Handelskosten. Es gibt keine Zölle oder andere Handelshürden, Investitionen werden erleichtert, mehr Wettbewerb führt zu niedrigeren Preisen und mehr Innovation. Ressourcen wandern zu produktiveren Unternehmen. Aus Daten über Handelsströme und die regionale Wirtschaftsentwicklung haben Ökonomen das jeweilige Plus des regionalen Bruttoinlandsprodukts gemessen und pro Kopf aufgeteilt.

Demnach profitieren alle Europäer vom Binnenmarkt – wenn auch unterschiedlich stark. Generell sind die Einkommensgewinne umso höher, je zentraler eine Region im Binnenmarkt geografisch verortet und je stärker ihre Wirtschaft auf Exporte ausgerichtet ist. Ballungsräume profitieren ebenfalls stärker als ländliche Regionen.

Das führt zum kuriosen Ergebnis, dass Zürich und London mit mehr als 2000 Euro plus pro Einwohner am stärksten vom Binnenmarkt profitieren: In London sind es 2700 Euro pro Kopf, in Zürich sogar 3590 Euro. Und das, obwohl die Schweiz kein EU-Mitglied ist und die Briten austreten wollen – und beide Staaten nicht der Währungsunion angehören. Die Schweiz unterhält jedoch ein Freihandelsabkommen mit der EU. Die geringsten Einkommensvorteile verzeichnen der Studie zufolge Bulgarien mit 193 Euro pro Kopf und Jahr, und Rumänien mit 242 Euro.

Innerhalb Deutschlands sind die Binnenmarkt-Vorteile von durchschnittlich 1046 Euro pro Kopf ebenfalls sehr unterschiedlich verteilt, entsprechend der Ballung exportstarker Industrieunternehmen: Im Regierungsbezirk Oberbayern beträgt der Binnenmarkt-Gewinn 1489 Euro pro Kopf, gefolgt von Hamburg mit 1478 Euro und Stuttgart mit 1304 Euro. Zusammengerechnet erzielen bei den Flächenländern Nordrhein-Westfalen mit 18,6 Milliarden Euro, Bayern mit 15,3 Milliarden Euro und Baden-Württemberg mit 13,1 Milliarden Euro die größten Einkommensgewinne.

„Auch Regionen mit starkem Mittelstand und Zulieferbetrieben, die viel innerhalb der EU exportieren, sind Gewinner“, sagt Dominic Ponattu, einer der Studienautoren. Umgekehrt fallen die Binnenmarktgewinne in Industrie-armen Gebieten geringer aus: In Brandenburg betragen sie nur 672 Euro pro Kopf im Jahr, in Sachsen-Anhalt 692 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern 700 Euro.

Unter den Staaten sind die größten Gewinner die kleinen Länder im geografischen Zentrum Europas: Die Schweizer verbuchen ein Plus von 2900 Euro pro Kopf, die Luxemburger eins von 2800 Euro. Auch Belgien, Österreich und die Niederlande verzeichnen besonders große Binnenmarkt-Gewinne. Im Süden Europas sieht es dagegen schlechter aus. Die Griechen müssen sich mit einem Plus von 401 Euro begnügen, die Zyprer mit 462 Euro.

Verluste durch den Binnenmarkt hat nach dieser Studie allerdings kein Marktteilnehmer. Nachteile erleiden jedoch außereuropäische Länder: Die USA mit einem Minus von 164 Euro pro Kopf und Jahr, oder die Türkei mit 26 Euro pro Kopf.

Die Studien-Autoren empfehlen der EU, den Binnenmarkt für Dienstleistungen weiter auszubauen: Derzeit seien nur 30 Prozent aller EU-Exporte Dienstleistungen, obwohl sie für 75 Prozent der Wertschöpfung in der EU stehen. Mehr Dienstleistungshandel könnte den Binnenmarkt-Gewinn weiter erhöhen, sind die Studien-Autoren überzeugt.

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