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Studie Hochschulabsolventen flüchten weiter aus dem Osten

Hochschulabsolventen wandern aus den neuen Bundesländern weiter massiv ab, zeigt eine Studie. Dabei verdient der Westen Milliarden auf Kosten des Ostens.
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Hochschulabsolventen flüchten weiter aus dem Osten Quelle: dpa
Universität Leipzig

Ungleichgewicht zwischen der Attraktivität der Hochschulen und der des Arbeitsmarktes in den neuen Bundesländern.

(Foto: dpa)

Berlin Die Kanzlerin hat es vorgemacht. Nach ihrem Physik-Studium in Leipzig war Angela Merkel für ihre erste Arbeitsstelle nach Berlin gegangen. All dies natürlich noch in der damaligen DDR.

Was sich bis heute aber kaum verändert hat, ist, dass es Studierende nach ihrem Abschluss nach Berlin und in die alten Bundesländer zieht. Dabei kommen den neuen Bundesländern viele Fachkräfte abhanden, die sie zuvor teuer ausgebildet haben.

Größter Verlierer ist Sachsen-Anhalt mit einem Abwanderungssaldo von minus 64 Prozent. Das bedeutet, dass von 100 Studierenden in Sachsen-Anhalt nur 36 Absolventen dort auch in den Arbeitsmarkt übergehen wollen. Auf den Plätzen folgen Brandenburg mit einem Saldo von minus 57 und Thüringen mit minus 49 Prozent.

Das geht aus einer Befragung des Personaldienstleisters Studitemps und der Universität Maastricht hervor, an der 18.700 Studierende und Absolventen teilgenommen haben. Die Ergebnisse liegen dem Handelsblatt vorab vor.

Der Trend zur Abwanderung in Ostdeutschland hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Allein Brandenburg lag 2013 noch bei 72 Prozent, wurde in den Folgejahren für Absolventen zwar wieder attraktiver und kam auf einen Saldo von 40 Prozent in 2016. Doch nun steigerte sich der Wert wieder um 17 Punkte.

„Wir sehen ein Ungleichgewicht zwischen der Attraktivität der Hochschulen und der des Arbeitsmarktes. Es gibt genug Studenten in den neuen Bundesländern, aber man kann sie einfach nicht dort halten“, erklärt Michaela Fuchs vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Sachsen-Anhalt-Thüringen die Hauptursache des Wegzugs. Auch die Bindung der zugezogenen Studierenden an ihre westliche Heimat sorge für das Zurückgehen. Fast zwei Drittel der Studierenden in den ostdeutschen Ländern kommen nicht aus dem jeweiligen Land.

Problematisch für die betroffenen Bundesländer ist besonders, dass sich mit der Abwanderung ein indirekter Länderfinanzausgleich einstellt. „Jeder Student, der in einem Bundesland ausgebildet wird, kostet das Land auch Geld. Jeder Absolvent, der nicht am Ausbildungsort bleibt, sondern in ein anderes Bundesland wechselt, überträgt damit in ihn investierte Bildungskosten“, sagt Eckhard Köhn, CEO des Personaldienstleisters Studitemps.

(Quelle: Studie zum Thema Binnenmigration von Studierenden; Studitemps, Universität Maastricht)
Wanderungssalden Studierender am Übergang von Hochschule in die Erwerbstätigkeit, 2018

(Quelle: Studie zum Thema Binnenmigration von Studierenden; Studitemps, Universität Maastricht)

Laut der vorliegenden Studie macht Hamburg so ein Plus von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Sachsen-Anhalt investiert auf diesem Weg jährlich knapp 304 Millionen Euro, die anderen Bundesländern zu Gute kommen.

Der sachsen-anhaltinische Wirtschaftsminister Armin Willingmann warnt angesichts des unrühmlichen Spitzenplatzes vor einer Gefahr für den Arbeitsmarkt. „Der Verbleib von Hochschulabsolventen im Lande hängt maßgeblich von der Attraktivität der Arbeitsbedingungen wie auch des Lebensumfelds ab. Insoweit besteht im zunehmenden Fachkräftebedarf und seiner hinreichenden Deckung fraglos ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung“, sagte er dem Handelsblatt.

In Sachsen-Anhalt stammt aktuell etwa die Hälfte der Studienanfänger nicht von dort. Dabei spiele vermutlich eine Rolle, dass die Nachfrage nach akademisch ausgebildeten Fachkräften derzeit noch geringer sei als anderswo, so Willingmann.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee sieht vor allem die Unternehmen in der Pflicht. „Die Studie macht deutlich, dass sich Thüringer Unternehmen aktiv um die Absolventen der Hochschulen bemühen müssen, um frühzeitig eine Bindungswirkung aufzubauen“, sagte er dem Handelsblatt.

Viele thüringische Unternehmen böten hervorragende berufliche Chancen, aber die Karrieremöglichkeiten in kleineren und mittleren Unternehmen seien vielen Absolventen nicht bekannt. „Hier versuchen wir, durch mehr Kommunikation zu Beruf, Leben und Arbeiten in Thüringen gegenzusteuern“, so Tiefensee.

Die Ergebnisse der Studie überraschen, nimmt der Wegzug aus dem Osten doch generell ab. So waren im Jahr 2017 erstmals seit der Wiedervereinigung mehr Menschen von Westdeutschland in die ostdeutschen Flächenländer gezogen als umgekehrt. Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) ist die langanhaltende Tendenz der Ost-West-Wanderung gestoppt.

Das Institut hatte für 2017 ermittelt, dass die fünf ostdeutschen Bundesländer einen Wanderungsgewinn von rund 4000 Menschen hatten. Zählt man Berlin noch mit hinzu, ergibt sich sogar ein Überschuss von 13.000 Personen.

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