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Studie Homeoffice-Boom könnte Corona-Pandemie überdauern

Eine Befragung zeigt, wie sich das Berufs- und Familienleben in der Pandemie veränderte. Den befürchteten Rückfall in tradierte Rollenklischees stellten die Forscher nicht fest.
14.07.2020 - 14:04 Uhr Kommentieren
Fast jeder vierte Beschäftigte hat während des Lockdowns den Großteil seiner Arbeitszeit zu Hause verbracht. Quelle: dpa
Arbeiten im Homeoffice

Fast jeder vierte Beschäftigte hat während des Lockdowns den Großteil seiner Arbeitszeit zu Hause verbracht.

(Foto: dpa)

Berlin Die Coronakrise hat zu einem zumindest vorübergehenden Homeoffice-Boom geführt. Im April arbeiteten 23 Prozent der Beschäftigten überwiegend von zu Hause aus, wie eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) zeigt. 2018 hatten nur 5,3 Prozent der Beschäftigten mindestens die Hälfte ihrer Arbeitstage im Homeoffice verbracht, weitere 6,7 Prozent arbeiteten in geringerem Umfang von zu Hause aus.

Die Forscher haben untersucht, wie sich die Coronakrise auf das Arbeits- und Familienleben ausgewirkt hat. Dafür fertigten sie gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt eine Sonderauswertung des Mikrozensus an, für den jedes Jahr gut 800.000 Personen befragt werden. Außerdem konnte sich das BIB mit einigen Fragen an der Mannheimer Corona-Studie beteiligen, einer der ersten repräsentativen Befragungen zum Leben während der Coronakrise. Dafür wurden in der Woche vom 17. bis zum 24. April 3600 Teilnehmer befragt.

Nach Selbsteinschätzungen der Befragten könnten etwa 42 Prozent ihren Job zumindest gelegentlich am heimischen Schreibtisch erledigen. Vor Ausbruch der Coronakrise waren es vor allem Erwerbstätige mit höherem Bildungsabschluss und höherem Einkommen – etwa in hochqualifizierten Büroberufen –, die zeitweise das Homeoffice nutzten.

Im europäischen Vergleich lag Deutschland bei der Nutzung des Homeoffice vor der Krise damit aber lediglich im Mittelfeld. Berufstätige in den Niederlanden oder in Skandinavien verbrachten fast ein Drittel ihrer Arbeitszeit zu Hause.

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    Die Krise könnte aber auch hierzulande zu einer dauerhaften Verhaltensänderung führen: „Es ist davon auszugehen, dass die Erfahrungen während des Lockdowns langfristig zu einer neuen Balance von An- und Abwesenheit am Arbeitsplatz führen werden“, sagt BIB-Direktor Norbert F. Schneider.

    Das Homeoffice ermögliche nicht nur eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern könne auch für eine geringere Verkehrsbelastung durch Rückgang des Pendlerverkehrs und eine Begrenzung des Urbanisierungstrends sorgen. Voraussetzung sei aber, dass auch im ländlichen Raum flächendeckend Breitbandinternet zur Verfügung stehe.

    Keine Pflicht zum Homeoffice

    Allerdings hätten nicht alle Beschäftigten, für die das Homeoffice theoretisch infrage komme, auch optimale Bedingungen, um von zu Hause aus zu arbeiten. Das Recht auf Homeoffice, wie es etwa von der SPD und Arbeitsminister Hubertus Heil gefordert wird, dürfe deshalb nicht zur Pflicht werden, betont Schneider.

    Auch das Münchener Ifo-Institut rechnet damit, dass der Trend zum Homeoffice in vielen Firmen die Coronakrise überdauern dürfte. 54 Prozent der Betriebe erwarten, dass diese Arbeitsform dauerhaft zunimmt, wie eine am Montag veröffentlichte Befragung bei rund 7300 Unternehmen ergab. „Die Coronakrise könnte einen dauerhaften Schub fürs Homeoffice bedeuten“, sagte auch Ifo-Experte Oliver Falck.

    „Für viele Unternehmen ging die Umstellung mit beträchtlichen Investitionen in digitale Infrastruktur und neue Kommunikationstechnologie einher“, sagt Falck. Diese Neuorganisation der Arbeit werde aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vollständig rückgängig gemacht werden.

    Daten aus der Ifo-Befragung zeigen, dass drei Viertel der Unternehmen in Deutschland zur Bewältigung der Krise Teile ihrer Belegschaft ins Homeoffice geschickt haben. In einer Umfrage unter den Mitgliedern des beruflichen Netzwerks LinkedIn gab knapp die Hälfte der Mitglieder in Deutschland an, aufgrund der Pandemie ins Homeoffice gewechselt zu sein.

    Jean-Victor Alipour, Co-Autor der Ifo-Studie rechnet damit, dass sich künftig vor allem hybride Arbeitsmodelle, also ein Wechsel zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice, durchsetzen werden. Dass Jobs vollständig ins Homeoffice verlagert werden, dürfte dagegen die Ausnahme bleiben. „Zum einen wissen wir, dass der Mangel an sozialen Kontakten im Homeoffice dauerhaft eine Belastung sein kann“, sagte Alipour. Zum anderen ließen sich der kreative Austausch und der Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern.

    Arbeitsteilung zwischen Vätern und Müttern

    Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat neben dem Homeoffice-Aspekt auch untersucht, wie sich Corona auf das Familienleben ausgewirkt hat. So leben in Deutschland rund 14,6 Millionen Eltern mit 11,1 Millionen minderjährigen Kindern.

    Vor allem Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren hätten während des Lockdowns vor der großen Herausforderung gestanden, ihren Berufsalltag komplett neu zu organisieren und gleichzeitig zu Hause die ganztägige Betreuung und Beschulung zu übernehmen, schreiben die Wissenschaftler.

    Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern sei dabei aber nicht wesentlich verändert worden. Wendeten Männer 2018 im Schnitt 9,6 Stunden pro Tag für die Erwerbsarbeit auf, so waren es im April dieses Jahres noch 7,4 Stunden. Bei den Frauen waren es sieben Stunden im Vergleich zu 8,3 Stunden vor der Krise. Die Rückgänge seien sowohl bei Eltern als auch bei Kinderlosen zu beobachten.

    Umgekehrt nahm der Zeitaufwand für die Familien- und Hausarbeit bei Müttern von 6,6 auf 7,9 Stunden pro Tag zu, bei Vätern von 3,3 auf 5,6 Stunden. Vor allem Väter in Kurzarbeit engagierten sich stark in der Sorgearbeit.

    Eine pauschale Re-Traditionalisierung in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung lässt sich empirisch nicht bestätigen“, sagt BIB-Forschungsdirektor Martin Bujard. Allerdings empfand fast die Hälfte der Eltern die Lockdown-Phase als sehr belastend – ein deutlich höherer Anteil als bei den Befragten ohne Kinder.

    Mehr: Digitaler, traditioneller, grüner: Corona könnte die Arbeitswelt nachhaltig verändern.

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