Studie In Deutschland hat der Lehrerberuf ein miserables Image

In Deutschland würde nur jeder Fünfte seinem Kind empfehlen, Lehrer zu werden. Das ist einer Studie zufolge der niedrigste Wert in Europa. Dabei verdienen Lehrer gar nicht schlecht.
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Der Lehrerberuf hat in Deutschland einen ganz schlechten Ruf. Quelle: dpa
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Der Lehrerberuf hat in Deutschland einen ganz schlechten Ruf.

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BerlinLediglich 20 Prozent der Deutschen würden ihr Kind ermutigen, Lehrer zu werden – das ist ein ähnlich schlechter Wert wie in Ägypten und Brasilien. Damit hat der Lehrerberuf in Deutschland auch das mieseste Image in ganz Europa – direkt hinter Großbritannien mit 23 Prozent.

Das zeigt eine Studie der britischen Varkey-Stiftung, die dem Handelsblatt vorliegt. Die einzige positive Nachricht: Gegenüber 2013 gibt es zumindest eine minimale Steigerung. Damals empfahlen 19 Prozent den Beruf des Pädagogen.

Zum Vergleich: In Indien empfehlen mehr als die Hälfte den Lehrerberuf, in China fast ebenso viele. In Spanien und den USA sind es immerhin rund 40 Prozent, in der Schweiz gut 30.

Fast nichts bedeutet der Lehrerberuf dagegen in Russland: Dort empfehlen ihn lediglich sechs Prozent der Befragten. Äußerst schlecht angesehen sind die Pädagogen auch in Israel, Japan, Ungarn und Portugal.

Das schlechte Ansehen der Lehrkräfte in Deutschland liegt vermutlich vor allem daran, dass weniger als ein Viertel der Deutschen – gerade mal 22 Prozent – glauben, dass Schüler ihre Lehrer respektieren. Das ist der zwölftniedrigste Wert aller 35 untersuchten Länder und liegt meilenweit hinter dem erstplatzierten China – dort sind vier Fünftel überzeugt, dass Schüler Lehrer respektieren.

Für die Studie wurden 35.000 Erwachsene in 35 Ländern im Alter von 16 bis 64 Jahren befragt, also rund 1000 pro Land, sowie 5.500 Lehrer im aktiven Dienst. Nach Angaben der Varkey Stiftung ist es die umfassendste Umfrage, die jemals zum Thema des weltweiten Respekts gegenüber Lehrern erstellt wurde. Es ist die zweite Umfrage dazu, der erste Global Teacher Status Index wurde 2013 in 21 Ländern durchgeführt.

Anders als in den allermeisten Ländern hängt in Deutschland die Leistung der Schüler nicht eng mit dem Image der Lehrer zusammen: Weltweit waren die Pisa-Ergebnisse der Schüler tendenziell umso besser, je besser auch das Bild von Lehrern in der Bevölkerung ist, sagte der Gründer der Stiftung, der indische Unternehmer Sunny Varkey. In Deutschland hingegen ist das Lehrerbild ausgesprochen schlecht – die Pisa-Ergebnisse hingegen rangieren im oberen Mittelfeld.

Stiftungsgründer Sunny Varkey ist ein in Indien geborener, in den Emiraten ansässiger Unternehmer. Seine Firma GEMS Education betreibt in mehr als einem Dutzenden Ländern mehr als 130 Schulen und Kindergärten.

„Weltweit hat sich das Ansehen der Lehrer in den letzten fünf Jahren in den meisten Ländern verbessert“, sagte Peter Dolton vom britischen National Institute of Economic and Social Research, das die Studie für die Varkey Stiftung erstellte. „Das Lehramt bleibt in vielen Ländern jedoch weiterhin ein Beruf, der sich eher im Mittelfeld finden lässt.“

Es zeige sich aber erneut, dass „Lehrer in asiatischen Ländern ein wesentlich höheres Ansehen genießen, als jene in westlichen Ländern. Außerdem wird Lehrern in Südamerika erneut der niedrigste Status zugeschrieben.“

Weltweit erhalten Lehrer in den meisten Ländern auch geringere Gehälter, als die jeweiligen Bürger als fair erachten. Nicht jedoch in Deutschland: Nach den Daten der Varkey-Stiftung ist das Einstiegsgehalt für Lehrer an weiterführenden Schulen mit kaufkraftbereinigten gut 65.000 US-Dollar das zweithöchste aller untersuchten Länder. Besser verdienen Lehrer nur in der Schweiz, wo es 77.000 US-Dollar sind.

Allerdings geben deutsche Lehrer auch an, wöchentlich knapp 45 Stunden zu arbeiten – das ist nach den Briten mit 51 Wochenstunden der zweithöchste Wert in Europa. Die Öffentlichkeit glaubt, Lehrer arbeiteten immerhin etwa 42 Stunden. Diese Differenz gibt es weltweit: „In der überwältigenden Mehrheit der Länder arbeiten Lehrer weitaus mehr Wochenstunden als die Öffentlichkeit denkt“, sagt Dolton.

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