Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Studie Jeder fünfte Rentner in 20 Jahren von Armut bedroht

Die Altersarmut in Deutschland wird zunehmen, so eine neue Studie des DIW. Die geplante Grundrente würde daran nur wenig ändern.
5 Kommentare
Als von Armut bedroht gelten Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Quelle: dpa
Älterer Mann

Als von Armut bedroht gelten Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens.

(Foto: dpa)

Berlin Selbst bei weiter positiver Konjunktur könnte das Armutsrisiko im Alter einer neuen Studie zufolge in den kommenden Jahren spürbar steigen. Der Anteil der von Armut bedrohten Rentnern könnte bis 2039 von 16,8 auf 21,6 Prozent wachsen, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Besonders betroffen seien Geringqualifizierte, Alleinstehende sowie Menschen mit längerer Arbeitslosigkeit.

Studienleiter Christof Schiller sagte: „Selbst bei einer positiven Arbeitsmarktentwicklung müssen wir mit einem deutlichen Anstieg der Altersarmut in den kommenden zwanzig Jahren rechnen.“ Besonders Betroffene müssten noch besser in Arbeit gebracht werden, zudem seien Rentenreformen nötig.

Bei ihrer Berechnung gehen die Forscher unter anderem davon aus, dass sich der Arbeitsmarkt weiter positiv entwickelt. Als von Armut bedroht gelten Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens. Laut der Studie sind das Personen, deren monatliches Nettoeinkommen unter 905 Euro liegt.

Die Studienautoren prognostizierten auch den Anteil von Beziehern von Grundsicherung. Sie gehen dabei davon aus, dass alle, die Leistung in Anspruch nehmen, die dazu berechtigt sind – auch wenn laut Schätzungen rund zwei Drittel der Berechtigten ihren Anspruch nicht wahrnähmen.

Laut der Erhebung könnte der Anteil der Rentner, die zusätzlich auf staatliche Hilfe zur Existenzsicherung angewiesen sind, bis 2039 von 9 Prozent auf knapp 12 Prozent steigen. Einen besonders starken Anstieg müssen laut DIW ostdeutsche Rentner verkraften. Liegt die Grundsicherungsquote hier derzeit noch bei 6,5 Prozent, könnte sie sich bis 2039 auf knapp 12 Prozent fast verdoppeln.

Bereits frühere Studien hatten einen Anstieg der drohenden Altersarmut vorhergesagt. Als Gründe wurden unter anderem prekäre Beschäftigung, verbreitete Teilzeitarbeit, befristete Verträge und Unterbrechungen des Berufslebens etwa bei Müttern ausgemacht. Auch die Rente ist unter Druck. Die aktuelle Erhebung zitiert Angaben, nach denen 2018 auf 100 Personen im Erwerbsalter 31 Menschen ab 67 Jahre kamen – und dies nach dem Übertritt der Babyboomer in die Rente 2038 bereits 47 sein könnten.

Die geplante Grundrente – auch nach dem Konzept von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) ohne eine Prüfung der Bedürftigkeit – wäre laut den Studienautoren „nicht hinreichend zielgenau“. Zwar ließe sich damit die Armutsrisikoquote bis 2039 auf 18,4 Prozent begrenzen.

Doch viele Bezieher des Rentenaufschlags lebten in Haushalten mit Einkünften oberhalb des Existenzminimums. 85 Prozent der zunächst 3,1 Millionen Personen, die Grundrente beziehen würden, hätten laut der Studie keinen Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Das mittlere Nettoeinkommen der Begünstigten läge – so die Studienautoren – sogar doppelt so hoch wie die Bedürftigkeitsschwelle.

Die Union lehnt die Grundrente wie von Heil vorgeschlagen ab, weil sie auf die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Bedürftigkeitsprüfung besteht. Doch dann profitieren laut Studie auch deutlich weniger Menschen – der Anteil derer, die von Altersarmut bedroht sind, würde demnach nur um 0,7 Prozentpunkte sinken.

Studienleiter Schiller schlug vor, das Heil-Konzept um eine Einkommensprüfung zu ergänzen. Außerdem sollten auch mehr Menschen von der Grundrente profitieren können, die längere Zeiten ohne Rentenversicherung aufweisen als derzeit geplant. Die Koalition will, dass man 35 Versicherungsjahre aufweisen muss.

Die Forscher sehen aber auch in einer anderen möglichen Reform Vorteile. Würde die Grundsicherung deutlich ausgeweitet und könnten Bezieher einen Teil ihrer gesetzlichen Rente anrechnungsfrei behalten, könnte das Armutsrisiko nach ihren Berechnungen deutlich begrenzt werden.

Mehr: Ist die Riester-Rente noch zu retten?

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Studie - Jeder fünfte Rentner in 20 Jahren von Armut bedroht

5 Kommentare zu "Studie: Jeder fünfte Rentner in 20 Jahren von Armut bedroht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wer sollte dies denn abändern und warum??
    Die erforferlichen Entscheidungsträger sind alles Beamte und erhalten eine (zu) hohe Pension.

    Die noch lebenden Rentner sollen Ihr Geld verprassen und nach Brüssel schöne Ansichtskarten, an die hart arbeitenden Beamten, verschicken.
    Wichtig:
    Bitte ausreichend frankieren!

  • Negativzins - des Staates Freud und des Rentners - jedenfalls wenn man keine Pension bekommt - Leid.

    Mal grob gesagt.

    Trotzdem - alles wird gut und wir schaffen es! Die Frage ist nur - wie?

    Ihnen einen schönen Tag und pflegen Sie Ihre Gesundheit - die brauchen wir alle noch um selbst bestimmt leben zu können.

    Peter Michael

  • Ich gehe davon aus, dass diese Prognose viel zu optimistisch ist. Ich weiß nicht, ob die Studie auch die vielen Selbständigen erfasst, die jetzt schon einen großen Teil ihrer Altersvorsorge durch die Negativzinspolitik der EZB verloren haben. Die Lebensversicherungsgesellschaften verschicken in diesen Tagen munter Aufforderungen zu Einzahlung von Nachschüssen im Bereich von 500.000 € und mehr, wenn die angestrebte mittlere Rente nicht gekürzt werden soll. Reichte früher eine Millionen Euro Kapital, um eine Grundrente zu finanzieren, sind es heute mehr als 3 Millionen Kapital. Wer hat das ? Mietpreisbremse, Vermögenssteuer und Inflation tun ihr übriges bei der Dezimierung der Renten.

  • @ Hans Henseler
    "In 20 Jahren ist mindestes jeder fuenfte Rentner tot. Ich bin einer von denen."

    Die Zukunft ist ungewiss, Herr Henseler. ;-)
    Bei einer Nachbarin von mir, die in einer Kurklinik arbeitet, ist aktuell eine 99-jährige Patientin, die noch fleißig Kreuzfahrten macht. Sie hatte auch schon einmal einen 101-jährigen Patienten, der noch Auto fährt.
    Ziemlich sicher ist allerdngs, dass ich selber bei weitem nicht so alt werde. Ich rege mich immer noch viel zu sehr über die Politverbrecher in Brüssel und Berlin auf - und ganz besonders über die intoleranten, totalitären linksgrünen "Gutmenschen", die meine Heimat zerstören.
    Und starke Aufregung mit bedrohlichen Blutdruckkrisen ist nun einmal nicht sehr förderlich für die eigene Gesundheit.
    Übrigens hatte der nette "Nobbi" Blüm damals nict gelogen - er hatte eben nur die halbe Wahrheit gesagt: die - umlagefinanzierte - Rente ist durchaus sicher - nur eben nicht ihre Höhe und ihre zukünftige Kaufkraft. ;-)

  • In 20 Jahren ist mindestes jeder fuenfte Rentner tot. Ich bin einer von denen.

Serviceangebote