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Studie mit Fehlern Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein

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Wo die Experten geschludert haben

Was ist schief gelaufen? In den Tabellen zu den Kosteneffekten hat das ITA ausgerechnet beim Vorzeigeprodukt Riester-Rentenversicherung die prozentuale Berechnung der Ausgangsrenditen bezogen auf Eigenbeiträge und staatliche Zulagen zu positiv dargestellt. Damit ergaben sich am Ende auch gute Renditen nach Kosten. Das Produkt erschien ganz lukrativ.

Mittlerweile hat das Institut Handelsblatt Online die richtigen Zahlen nachgeliefert. Nachrechnen zeigt: Die Unterschiede in den Renditen nach Kosten, die bis zu 1,8 Prozentpunkte ausmachen, würden sich über die Jahre auf einige tausend Euro summieren.

Simone Tutone, Projektleiterin beim ITA, räumt ein: „Es hat sich leider herausgestellt, dass uns beim Einfügen der Ergebnisse aus unseren Berechnungstabellen in das Studiendokument bei den klassischen Rentenversicherungen ein Fehler unterlaufen ist.“ Zu Deutsch: Beim Kopieren haben die Experten geschludert. Sparer, die sich auf die Renditen in der Studie verlassen hätten, wären in eine Falle gelaufen. Sie mussten denken, dass der prozentuale Zinsertrag aus den Beiträge und Zulagen der klassischen höher lag als in Wirklichkeit.

Im Finanzministerium ist man inzwischen bemüht, den Schaden zu begrenzen. Ein Sprecher legt Wert darauf, dass das Gutachten zwar in Auftrag gegeben worden sei, aber die Experten völlig unabhängig gerechnet haben. Man warte jetzt auf eine Berichtigung. „Es ist Aufgabe des Gutachters, nicht des Auftraggebers eines Gutachtens, alle Datengrundlagen eines Gutachtens auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.“ Das BMF habe die unverändert gebliebenen Schlussfolgerungen berücksichtigt, sich Inhalte und Schlussfolgerungen des Gutachtens aber nicht zu Eigen gemacht.

Anmerkung der Redaktion:

Die Beispielsberechnung, die in einer vorherigen Version dieses Beitrags veröffentlicht wurde, konnte den Eindruck erwecken, dass Riester-Sparer durch die fehlerhafte Kalkulation tatsächlich weniger Rente beziehen als gedacht. Dieser Eindruck ist falsch: Die ursprünglich in der Studie genannte Rendite von 3,6 Prozent beschreibt aus Sicht des Sparers die nötige Verzinsung seiner Eigenbeiträge ohne staatliche Zulage zur Erreichung eines bestimmten Endguthabens. Die in der Studie nun genannte Rendite von 2,89 Prozent stellt hingegen aus Sicht des Staates den Zinssatz dar, der benötigt wird, um mit den Eigenbeiträgen einschließlich der staatlichen Zulagen ein identisches Endguthaben zu erreichen.

Das ITA hebt hervor, dass beide Renditewerte je nach Betrachtungsweise zutreffend sind und es für den Sparer nur darauf ankommen könne, wie sich seine Eigenbeiträge verzinsen. Darüber hinaus habe die Darstellung der Rendite im Rahmen der Studie nur der Berechnung der Effektivkosten von Altersvorsorgeprodukten gedient, die nach beiden Betrachtungsweisen nahezu identisch seien. Die Kosten in Euro und das Endguthaben seien gleich hoch. Die uneinheitliche Darstellung habe keinen Einfluss auf die Ergebnisse der Studie gehabt.

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43 Kommentare zu "Studie mit Fehlern: Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke Michael Schulte, ich dachte angesichts der größtenteils derart unqualifizierten Kommentare schon ich wäre im Forum einer Frauenzeitschrift gelandet. Das Handelsblatt -was ich sehr bedauere - wird immer mehr zur Handels "Bild" reißerisch aber nicht aufklärend. Und Aufklärung tut für die späteren Rentner not!
    Den Vergleich mit dem auto wird hoffentlich auch der letzte -Entschuldigung- Vollpfosten, der hier kommentiert verstanden haben. Aber polemisieren lenkt wohl gut von den eigenen Unzulänglichkeiten ab. Außerdem denkbar: viele die hier schreiben sind Späzialisten bei irgendwelchen Verbraucherschutz Organisationen. Die verunsichern gern ohne eine Lösung zu bieten.
    Die Finanztest hatte lt einer hannoverschen Tageszeitung finanzielle Schwierigkeiten. Was tun? Leute verunsichern, dann kommen die zur kostenpflichtigen Beratung und/oder kaufen Hefte

  • Lieber Herr Golke, wer andere korrigiert, sollte selber sattelfest sein ... ;-) Wenn wir bei der Sparte "Riester" blieben, ist natürlich auch die Auszahlung aus einem Sparplan lebenslang garantiert. Riester bedeutet IMMER eine lebenslange Rente. Daher muss auch der Sparplananbieter - spätestens mit Alter 85 des Sparers - zur Absicherung der Langlebigkeit eine Rentenversicherung für den Sparer abschließen. Und genau so handhaben es die Sparplananbieter.

  • @ Norbert Weisinger: Aua - jetzt mal langsam mit den jungen Pferden - da werden wohl einige Begriffe durcheinandergebracht: "Rentengarantiezeit" hat nichts mit der Garantierente zu tun, sondern mit der Todesfallleistung. Die Höhe der Rente sinkt definitiv NICHT am Ende der Rentengarantiezeit - diese Zeit gingt lediglich an, wie lange die Rente im Todesfall gezahlt wird - beginnend mit dem Jahr der Rentenzahlung plus die Dauer der Rentengarantiezeit, also z.B.: Rente beginnt 2015, Versicherter stirbt 2020, bei 10 Jahren Rentengarantiezeit beutet das weitere 5 Jahre Rentenzahlung für den Hinterbliebenen. Versicherter stirbt 2025 bedeutet keine weitere Todesfallleistung.

  • Vielleicht wurde die Studie ja sogar mit Fehler bestellt.

  • Riestern sie noch oder leben sie schon? Das war und ist ein cooler Spruch :-)

    Riestern bedeutet doch nur, dass man heute auf etwas verzichtet damit man es sich morgen nicht leisten kann - einen Sinn habe ich darin noch nie gesehen.

    Altersvorsorge? Ja, eigenes Haus - eigener Acker - Gold im Tressor - ein paar gute Aktien von produzierenden Firmen - wegen der Dividende! Solaranlage das wird schon reichen :-)

  • "Es geht um Schadensbegrenzung"

    Wenn es tatsächlich um Schadensbegrenzung ginge, müssten die Täuscher zur Rechenschaft gezogen werden.

    Werden sie aber nicht!

    Solange Leute für etwas zuständig sind, aber nicht verantwortlich, wird es keine Umkehr geben.

    Fragen Sie doch einmal nach, ob einer in der Regierung, einer der Abgeordneten sich verantwortlich fühlt. Wenn alle diese Typen sich also für nicht verantwortlich erklären, gehören sie aus ihren Ämtern entfernt und Diäten und Pension zurück gefordert.

  • Wieso glauben Sie, wird die unerreicht exakte deutsche Sprache systematisch ihrer Exaktheit beraubt?
    Na so wie die Sprache, so das Denken. Unpräzise Sprache mach tpräzises Denken unmöglich.
    Und wer will präzise denkende Vasallen?

  • Erst einmal: Es ist gut, dass Versicherer von Ihnen wieder auf Kostentransparenz und Renditeerwartung hingewiesen werden. Es sollte alle Anbieter solcher Vorsorgeprodukte betreffen, d. h., auch für Anbieter von Banksparplänen, Fondssparplänen, Wohnriester.. Nur so kann kann man denen auf die Finger klopfen und (in Zukunft) etwas geändert werden. Da bin ich ganz bei Ihnen.
    Aber: Auch bei "nur" 2,86% Verzinsung (aber noch ohne Einberechnung der Riester-Zulage und: Wo bekommt man das momentan denn noch ?) kann man doch nicht behaupten, dass sich "riestern" überhaupt nicht lohnt..was suggerieren Sie hier Ihren Lesern bzw. besonders den (jüngeren) Leuten, die bereits aus ihrer GESETZLICHEN Altersvorsorge in Zukunft einen Witz zu erwarten haben, denen aber mit dem jährl. staatlichen Rentenbescheid immer noch eine stattl. Renten-Summe vorgegaukelt wird? Wir steuern hier seit Jahren auf eine Renten-Katastrophe zu und Ihr Klientel sorgt dafür, dass keiner mehr privat vorsorgen möchte bzw. total verunsichert ist.. Auch bei nicht so guter Renditeerwartung ist eine lebenslang garantierte Zusatz-Rente immer noch besser, als wenn man gar nichts gemacht hätte. Zumal die Zulagen und deren Verzinsung ja noch gar nicht eingerechnet wurden. Kosten drücken ist eine Sache, aber woher soll denn eine "gute" Rendite (mögl. ohne Risiko!) momentan kommen? Den Anbietern wird die Anlage von der BaFin vorgeschrieben. Daran gibt es nicht zu rütteln.
    Fazit: Für den Verbraucher lohnt sich ein zumindest gut getestetes Riester-Produkt auf jeden Fall. Wer etwas anderes behauptet, entlädt sich seiner sozialen Verantwortung.

  • @Herr Michael Schulte,
    Sie liegen richtig. Es wurde wirklich Zeit, dass das mal wieder jemand sagt(Ich komme nicht aus der Finanz- oder Versicherungsberatungsbranche). Besonders schön und treffend finde ich den Vergleich mit der "Autozeitschrift" und dem "Automobil".
    Den Förderweg Riester gibt es ja schon länger (ca. 13 Jahre?). Wenn sie alle Artikel sammeln würden, die seit dem von "Experten", inclusive HB und Finanztest, geschrieben wurden, finden sie alles, vor allem aber: ständigen Wechsel der Meinung, getarnt als "Rechenergebnisse". Sie finden größtes Lob und größte Ablehnung, selten aber die Aussage, dass es sehr, (oder nur?), auf die persönliche Situation des Anlegers, Sparers ankommt. z.B.: Noch 10 oder weniger Jahre bis zur Rente oder noch 30; staatliche Förderung?; Kinderzahl; steuerliche Situation usw. usw.
    Wichtiger als neue allgemeine und damit wertlose Rundumschläge wäre es, neutrale "Finanzberater" zu fördern, bei deren Entwicklung zu helfen. Diese "neutralen" können einem Anleger, Sparer, helfen, die verschiedensten Möglichkeiten, sowohl bei Riester als auch bei anderen "Förder-", Spar- und Anlagewegen, zu vergleichen und an seine persönliche Situation anzupassen.

  • Vielleicht liegt es auch am Lobbyismus im Land und in der EU? :-)

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