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Studie Niedrigzinsen: Der Staat gewinnt, die Sparer verlieren

Der deutsche Staat hat einer Studie zufolge im Vergleich der Euro-Länder am meisten von den Dauertiefzinsen profitiert. Privathaushalte verloren dagegen Geld.
11.11.2019 Update: 11.11.2019 - 17:51 Uhr 1 Kommentar
Besonders groß seien die positiven Auswirkungen für hochverschuldete Firmen in Südeuropa gewesen. Quelle: dpa
EZB

Besonders groß seien die positiven Auswirkungen für hochverschuldete Firmen in Südeuropa gewesen.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Spanier haben am meisten profitiert, die Italiener weitaus weniger und die Deutschen immer noch ein bisschen - dagegen haben Belgier und Franzosen verloren: Das ist die Bilanz von Allianz Research zu den viel geschmähten Niedrigzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Dabei haben die Forscher alle Änderungen der Zinszahlungen in zehn Jahren seit dem Basisjahr 2008 zusammengerechnet und ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesetzt. Sie haben sich angeschaut, was sich für Unternehmen, Haushalte und Regierungen verändert hat, und zwar auf der Anlage- wie auf der Kreditseite.

Diese Art von Rechnung, die die Allianz zum zweiten Mal präsentiert sagt mehr aus, als nur die Verluste der Sparer zu berechnen. Der Zeitraum seit 2008 wurde gewählt, weil damals die Finanzkrise den Start zu sinkenden Zinsen gab.

Das Ergebnis: Spanien hat auf diese Weise 181 Milliarden Euro oder 16,5 Prozent des BIP gewonnen. Portugal und die Niederlande gehörten ebenfalls zu den großen Gewinnern. In Italien lag das Plus deutlich bescheidener mit 5,9 Prozent, in Deutschland noch niedriger mit 3,9 Prozent oder 114 Milliarden.

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    Die Finnen dagegen hatten einen Verlust von 6,4 Prozent, Belgier und Franzosen von jeweils rund drei Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung.

    Wie das Ergebnis ausfällt, hängt von den jeweiligen Strukturen ab. Italien bietet ein besonderes Beispiel: Der Staat ist hoch verschuldet, aber die Haushalte haben mehr als doppelt so viel auf dem Konto oder im Depot wie Schulden - „bei weitem die höchste Relation“ in der Eurozone, heißt es.

    Das führt dazu, dass die italienischen Haushalte unterm Strich doch noch mehr Zinsen bekommen als zahlen, obwohl die Sparer dort einen starken Rückgang ihrer Einkünfte erlebt haben. In den Niederlanden dagegen haben die Haushalte fast doppelt so viele Schulden wie flüssige Anlagen. Deswegen haben sie mit knapp 13 Prozent des BIP sehr gut vom Zinsschwund profitiert.

    Wenig überraschend: Die Unternehmen, außer den Banken, haben überall profitiert - am meisten aber in Spanien, Italien und Portugal. Dabei haben die spanischen Firmen ihre Schuldenlast in zehn Jahren um 20 Prozent gesenkt, in den beiden anderen Ländern blieb sie etwa gleich.

    Im Gegenzug haben die spanischen Banken relativ stark gelitten. Die italienischen Geldhäuser haben dagegen davon profitiert, dass sie viele heimische Staatsanleihen halten, die immer noch positive Zinsen bringen. Die Finanzaufseher freilich sehen diese enge Verbindung von Staat und Banken unter Risikogesichtspunkten nicht gerne.

    Schulden stark zugenommen

    Die Regierungen, könnte man denken, haben auch auch alle von den niedrigen Zinsen profitiert. Aber das ist nicht der Fall, denn in einigen Staaten haben die Schulden stark zugenommen. In Spanien haben sie sich verdreifacht, in Portugal und Finnland verdoppelt.

    In Deutschland haben sie dagegen deutlich abgenommen. So ergibt sich für Spanien ein „Verlust“ von 138 Milliarden bei den kumulierten Zinsen für Staatsschulden, in Deutschland dagegen ein „Gewinn“, also eine Ersparnis, von 184 Milliarden. Der italienische Staat hat nach dieser Berechnung immer noch 66 Milliarden „verdient“.

    Spätestens das Beispiel „Staatschulden“ zeigt, dass die Kalkulation der Allianz nicht immer leicht zu interpretieren ist. Denn die kumulierten Abweichungen der Zinsausgaben von denen des Basisjahrs 2008 ergeben sich ja nicht nur durch Zinsänderungen, sondern auch durch Veränderung des Volumens.

    Spanien hat rechnerisch verloren, aber in gewisser Weise ja auch profitiert, weil das Land sich so einen viel höheren Schuldenstand leisten kann. Hätte es die Schulden nicht erhöht, läge es in der Berechnung viel günstiger. Die Deutschen dagegen haben auch deswegen so viel Zinsen eingespart, weil sie ihre Schulden abgebaut haben.

    Man kann es aber auch hier anders herum sehen: Deutschland hat besonders profitiert, weil es dank der hier besonders niedrigen Zinsen seinen Schuldenstand so schnell abbauen konnte.

    Auch in anderen Bereichen, vor allem bei den Haushalten, hängt die Wirkung der Niedrigzinsen stark vom Verhalten der Betroffenen ab, wie die Autoren der Studie selbst betonen.

    Je nach Perspektive lassen sich also möglicherweise unterschiedliche Schlussfolgerungen ziehen, wie diese Verhaltensweisen zu bewerten sind. Aber die aggregierten Daten bieten in jedem Fall eine gute Grundlage dazu.

    Mehr: Die Parallelen zwischen Japan und Europa sind nicht zu übersehen. Der Blick nach Asien zeigt: Auch in dieser Situation gibt es erfolgversprechende Anlagestrategien.

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    1 Kommentar zu "Studie: Niedrigzinsen: Der Staat gewinnt, die Sparer verlieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Um es auf den Punkt zu bringen, der Sparer ist der Dumme. Die öffentlichen Kassen profitieren von steigenden Einnahmen aus der Grunderwerbssteuer, weil die Sparer die Flucht in Betongold antreten.
      Am Ende steigt die Zahl der Menschen, die spätestens im Alter auf durch Inflation wertmäßig geminderte Rücklagen zurückgreifen können, mit denen gerade einmal die jährlichen Stromkosten bezahlt werden können.
      Dann beginnt der Run auf die Sozialämter. Es werden mindestens 25 Millionen Menschen sein, die im Alter staatliche Unterstützung brauchen.

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