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Studie Renteneintritt der Babyboomer könnte weniger dramatisch sein als befürchtet

Dass die geburtenstarken Jahrgänge bald in Rente gehen, muss nicht zwingend ein Grund zur Sorge sein. Denn der Effekt lässt sich ausgleichen, zeigt eine neue Studie.
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Babyboomer-Effekt am Arbeitsmarkt lässt sich ausgleichen Quelle: dapd
Arbeitnehmer

Der Mangel an Arbeitskräften könnte geringer ausfallen als befürchtet.

(Foto: dapd)

Berlin Die Babyboomer gehen bald in Rente, in den nächsten beiden Jahrzehnten werden in Deutschland mehr als 20 Millionen Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Schrumpft das Arbeitskräftepotenzial dann gewaltig, weil im selben Zeitraum nur etwa 14 Millionen Menschen das erwerbsfähige Alter erreichen? Gibt es dann noch weniger Fachkräfte, die heute schon knapp sind?

Es spreche einiges dafür, dass „viele dieser Szenarien in dieser dramatischen Form nicht eintreten werden“, sagte der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Norbert F. Schneider, am Donnerstag bei der Vorstellung der Studie „Alterung und Arbeitsmarkt“.

Der Grund für den Optimismus: Wie viel gearbeitet wird, hängt nicht allein von der Zahl der Erwerbstätigen ab, sondern auch von deren Verhalten. Und bei der Erwerbsbeteiligung und dem Arbeitsvolumen von Frauen und Älteren gibt es noch Luft nach oben.

Wurden 2004 in Deutschland 1,29 Milliarden Arbeitsstunden pro Woche geleistet, so waren es 2017 nach dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes schon 1,45 Milliarden Stunden. Bleiben die Erwerbstätigenquoten und die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche konstant, wird das geleistete Arbeitsvolumen bis 2030 allein wegen des Ausscheidens der Babyboomer auf 1,35 Milliarden Stunden sinken. Dabei ist eine jährliche Nettozuwanderung von 200.000 Personen schon eingerechnet.

Gelänge es dagegen, die Erwerbsbeteiligung westdeutscher Frauen auf das Niveau Ostdeutschlands zu heben, sänke das wöchentliche Arbeitsvolumen nur auf 1,38 Milliarden Stunden. Während die Erwerbsquote relativ ähnlich ist, arbeiten westdeutsche Frauen heute im Durchschnitt nur 30 Wochenstunden, ostdeutsche 35. Eine entsprechende Steigerung zu erreichen, sei allerdings „relativ ambitioniert“, gab Forschungsgruppenleiterin Elke Loichinger zu.

Bei der Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen liegt Deutschland in der EU mit einer Quote von 58 Prozent bereits auf dem zweiten Platz hinter Schweden mit 68 Prozent. Und auch die Zahl der durchschnittlich geleisteten Wochenstunden in dieser Altersgruppe hat sich seit 2004 von 11,2 auf 21,6 pro Kopf fast verdoppelt.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Sie kommen für 2030 auf ein wöchentliches Arbeitsvolumen von 1,41 Milliarden Stunden. Dabei gehen sie davon aus, dass 55- bis 74-Jährige mehr arbeiten als heute – eine Wochenstunde am oberen und unteren Rand der Altersgruppe, vier Wochenstunden bei den 60- bis 69-Jährigen. 60- bis 64-Jährige arbeiten heute im Schnitt 21,6 Wochenstunden, 65- bis 69-Jährige 4,4 Stunden.

Bedarf schwer kalkulierbar

Den größten Effekt hätte eine Kombination aus einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren. Hier bliebe das Arbeitsvolumen im Jahr 2030 mit 1,44 Milliarden geleisteten Wochenstunden trotz der Rentenwelle fast auf dem heutigen Niveau. Um dies zu erreichen, „müssen Gesellschaft und Politik aber auch handeln“, sagte BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener.

Das Institut fordert mehr Investitionen in lebenslange Bildung, eine bessere Betreuung für Kinder und pflegebedürftige Angehörige sowie Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und zur altersgerechten Arbeitsplatzgestaltung.

Die Einschätzung, dass eine erhöhte Erwerbsneigung die demografischen Effekte auf dem Arbeitsmarkt abmildern kann, teilt auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Insbesondere die Verlängerung der Lebensarbeitszeit erscheine als aussichtsreiche Maßnahme, sagt IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer. „Wir rechnen allerdings nicht damit, dass sich ein Rückgang des Arbeitsvolumens verhindern lässt.“ So sei etwa eher unwahrscheinlich, dass die starke Zuwanderung aus Osteuropa anhalte.

Fraglich ist, ob ein Arbeitsvolumen von rund 1,45 Milliarden geleisteten Wochenstunden im Jahr 2030 überhaupt noch von der Wirtschaft nachgefragt würde. Das hänge von vielen schwer zu kalkulierenden Faktoren ab, etwa der Entwicklung von Konjunktur und Produktivität oder den Umwälzungen durch die Digitalisierung, sagte BiB-Direktor Schneider.

Mehr: Hubertus Heil will für Arbeitnehmer mehr Flexibilität. Entsprechende Handlungsempfehlungen hat er formuliert.

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