Studie Unterschicht bei Bürgerprotesten kaum vertreten

Wenn in Deutschland gegen Verkehrsprojekte oder die Banken demonstriert wird, dann ist es vor allem das Bildungsbürgertum, das seine Stimme erhebt. Die Unterschicht hingegen ist bei den Protesten kaum vertreten.
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Vor allem Bildungsbürger protestieren gegen Großprojekte wie Stuttgart 21. Quelle: dapd

Vor allem Bildungsbürger protestieren gegen Großprojekte wie Stuttgart 21.

(Foto: dapd)

BerlinDie aktuellen Bürgerproteste beispielsweise gegen regionale Verkehrsprojekte oder die Bankenmacht werden vor allem von Menschen mit guter Bildung und ordentlichem Einkommen getragen. Dies geht aus der BP-Gesellschaftsstudie „Die neue Macht der Bürger - Was motiviert die Protestbewegung?" hervor, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Angehörige der neuen Unterschichten oder die sogenannten „kleinen Leute" seien dagegen bei den Protesten kaum vertreten, fanden Forscher des Göttinger Instituts für Demokratieforschung unter Leitung von Franz Walter heraus.

Die Sozialwissenschaftler waren im Jahr 2012 bundesweit unterwegs, beobachteten Demonstrationen, Mahnwachen und Versammlungen, interviewten einzelne Aktivisten vor Ort und organisierten Gruppendiskussionen. Auf der Suche nach den Beweggründen und Einstellungen der Aktiven forschten die Autoren der Studie unter anderem in Camps der kapitalismuskritischen Occupy-Bewegung, bei Gegnern von Infrastruktur-Vorhaben wie dem Bahnprojekt „Stuttgart 21", Gegnern oder Befürwortern bestimmter Schulformen sowie bei Initiativen gegen den Bau neuer Stromtrassen oder Windräder im Zuge der Energiewende.

Zu den zentralen Ergebnissen der Studie zählt, dass die deutsche Protestlandschaft von Männern dominiert wird: Gut 70 Prozent der befragten Aktiven waren männlich. Einzig die Initiativen im Bildungs- und Schulsektor sind demnach von Frauen geprägt - etwa drei von vier der Aktiven in diesen Bereichen waren weiblich.

Als „zentralen Typus" der aktuellen Bürgerproteste bezeichnen die Wissenschaftler die Ingenieure. Während in den Oppositionsbewegungen der 1970er typischerweise die angehenden Sozialwissenschaftler den Ton angeben hätten, seien es heute die eher technisch geprägten Berufe, heißt es in der Untersuchung. Besonders bei Protesten im Zusammenhang mit der Energiepolitik, Infrastruktur und Stadtentwicklung sind demnach zu großen Teilen Ingenieure, Techniker, Informatiker und Biologen anzutreffen.

Die Untersuchung ergab zudem, dass mehr als die Hälfte der Befragten keiner Kirche angehörte. Vor allem Katholiken seien bei den aktuellen Protestbewegungen auf Abstand geblieben. Evangelisch war ein gutes Drittel der Befragten, darunter viele Pastoren. Dennoch nehmen der Untersuchung zufolge etliche Protestgruppen die Organisationskraft der Kirchen in Anspruch - so tagten beispielsweise Occupy-Initiativen in kirchlichen Räumen.

Laut der Studie hielt kaum jemand der Befragten das politische System in Deutschland für eine "echte Demokratie". Vielmehr sei in den Protestbewegungen der Vorwurf verbreitet, hierzulande gebe es lediglich eine "Scheindemokratie". Komme die Sprache auf Parteien und Politik, löse dies einen Schwall von Hohn und Verachtung aus.

Allerdings gab es unter den befragten Aktiven auch keine genaue Vorstellung von der häufig genannten „richtigen" Demokratie, wie aus der Untersuchung weiter hervorgeht. Zwar würden oft Volksentscheide, Basisdemokratie oder Direktwahlen „stichwortartig genannt, aber leidenschaftslos vorgetragen". Auch der Wunsch nach einem charismatischen Politiker sei deutlich zu vernehmen. Früher habe es solche Leute „mit Rückgrat" ja noch gegeben, hieß es demnach bei einem Teil der Befragten. Genannt wurden in diesem Zusammenhang die früheren SPD-Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, aber auch der Ex-CSU-Chef Franz Josef Strauß.

  • afp
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11 Kommentare zu "Studie: Unterschicht bei Bürgerprotesten kaum vertreten"

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  • Auch die "Unterschicht" fordert schon lange - bisher ohne greifbares Ergebnis - Strukturreformen in unserem Staat:

    Strukturreform mit Abschaffung der veralteten und inzwischen überflüssigen Beamtenstellen (Post / Bahn / Telekom / Verwaltung / etc.) analog der Industrie, wo dies ständige Praxis ist! / Rentenreform für Alle, damit die Kostgänger der Steuerzahler (Beamte) endlich mal für ihr Alter selbst vorsorgen müssen / Privatisierung aller Dienstleistungen, da diese keine “Hoheitlichen Aufgaben“ darstellen (Verbeamtung ist dort widersinnig) : Lehrer / Finanzverwalter / Arbeitsverwalter (im übrigen werden 90 Prozent der Jobs heute privat vermittelt, also dringend Planstellen streichen und Strukturreform durchführen ! )

    Reform der Staatsstrukturen: Neustrukturierung der Bundesländer von SECHZEHN auf VIER: Nord / Süd / Ost / West. Das spart allein schon über 100 Milliarden EURO jährlich…

    Statt über 600 Lobbyisten dzt. im Bundestag durchzufüttern, die eben keine Reformen durchführen, sondern diese nur zerreden, Reduzierung auf das notwendige Minimum (60 bis 100 Lobbyisten reichen da völlig aus).

    Kleine Betrachtung am Rande: die über 4 Millionen Bundes- und Landesbeamten und öffentlich Bediensteten kosten uns jährlich (!!!) ca. 160 Milliarden EURO ! Dazu kommen noch die verwaltungstechnisch parallelgeschalteten EU- Beamten, über die Mr. Cameron aus England sich neulich mit den Worten beschwert hat: über 200 von denen verdienen mehr als er selbst als Regierungschef !


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  • @ Numismatiker
    mit Verlaub, das ist ein billige Argumentation.
    Einerseits wird kaum ein "Unterschichtler" das HB lesen.
    Anderseits stünde "Mittel-/Oberschichtler" eine gewisse Fürsorgepflicht gegenüber den "Unterschichtlern" gut zu Gesicht.
    Haben sie schon einmal erlebt wie ein "Dr. Dummkopf" in wohfeilen Worten den größten Stuss erzählt und Jeder an seinen Lippn klebt während der "Facharbeiter Schlaukopf" weniger gewand ein echte Innovation für "sein" Unternehmen versucht darzustellen und kaum einer der "Intelligenzler" ist befähigt der Kern zu erfassen?

  • Die Kern-Wählerschicht der Alt-Parteien wird mit "staatlicher-Rundum-Fürsorge" ruhig gestellt. HARTZ4 = Kein GEZ, keine Heizkosten, keine Mietkosten zu bezahlen. Wer sich fügt oder stillhält wird mit Geld belohnt.

    Aber Mittelschicht und Mittelstand, die werden ausgequetscht, hat keinen politischen Boden mehr, der sie vertritt. Wir sie die wahren Trottel und Sklaven.

    Die regierungstreue Theater-"System-Presse" ist zur Verteilung der täglichen Schei..e verantwortlich und natürlich auch das zwangs-bezahlte GEZ-TV lebt prächtig vom Verteilen und der Erzeugung von Propaganda, Müll und Verdummung. Will sagen ohne GEZ-TV fällt das Polit-Theater in Deutschland zusammen wie ein Suflet ... und dazu wird es endlich Zeit. Die Koma-Droge GEZ-TV muss weg. Die "generierte Scheinwirklichkeit mit Scheindebatten" muss ein Ende haben. Eine dicke "mediale Kruste" die sich reich macht mit GEZ-Geldern und endlos Verblödungs-Filme, Scheindebatten, Koch-Shows mit gezahltem Publikum, media-Firmen von Will, Jauch und co usw. befeuert uns jeden Tag mit Müll und Manipulation. Unwürdig. GEZ abstellen.

    Petitionen unterschreiben, dauert 2x 1 Minute, schon Zehntausende Unterschriften. Weg mit GEZ und EU in Brüssel ! Beides bedingt einander.

    https://www.openpetition.de/petition/online/abschaffung-der-gez-keine-zwangsfinanzierung-von-medienkonzernen
    und
    https://www.openpetition.de/petition/online/eu-in-bruessel-aufloesen-zurueck-zur-kooperation-der-freien-ewg-staaten-europas

  • Was heisst hier "Kohl'sches Privatfernsehen" ? Es ist ja noch viel krasser: wir haben doch "Talkshows" in ARD und ZDF, wo mit geschulten ModeratorInnen (meist verhinderten ShowmasterInnen) die "Unterschicht" gezielt eingelullt wird....die wahren Probleme werden häufig durch rhetorische Ablenkungsmanöver bzw. Unterbrechungstaktik zerredet und dann sind die alle zufrieden und meinen, jetzt ist ja endlich mal ein Lösungsansatz da....

  • Na also, die "Unterschicht" passt doch perfekt zur DDR 2.0 unter der Führung von IM-Erika: die einen malochen und die anderen lassen sich durchfüttern.....alles schon mal erlebt.


  • Und die oben erwähnte Protestbildungssschicht sucht verzweifelt im Handelsblatt nach einer kritischen eigenen Wirtschaftsanalyse, die nicht nur durch politische Fingerzeige ihre gewolle Ausprägung findet.

  • Nachtrag: Das war doch der Grund, warum Kanzler Kohl das Privatfernsehen so gepusht hat.

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