Studie zu Parteimitgliedern Parteien wachsen so stark wie seit der Wende nicht – außer CDU und CSU

Der Schulz-Hype und die Bundestagswahl haben die Menschen 2017 wieder in die Parteien gelockt. Aber Grund zum Jubel besteht kaum.
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Die Christdemokraten um die stellvertretende Parteivorsitzende Julia Klöckner verloren 1,4 Prozent ihrer Mitglieder. Quelle: dpa
Klausurtagung der CDU in Rheinland-Pfalz

Die Christdemokraten um die stellvertretende Parteivorsitzende Julia Klöckner verloren 1,4 Prozent ihrer Mitglieder.

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DüsseldorfDas hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben: Deutschlands Parteien wachsen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Parteimitglieder um knapp 22.000 – ein Zuwachs von 1,8 Prozent im Vergleich zu 2016. Das geht aus einer Studie des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer hervor.

Der letzte Zuwachs war 2013, damals betrug er 0,4 Prozent. Die FDP profitiert nun mit einem Plus von 17 Prozent am stärksten. CDU und CSU verloren jeweils einen Prozent. Sie sind die einzigen Parteien ohne Zuwachs. Die Christdemokraten wiesen zuletzt im Jahr 1999 mehr Beitritte als Austritte auf.

Die Grünen und die Linke verzeichneten 2017 einen Zuwachs von 5,6 und 5,8 Prozent. Die AfD legte um 10,4 Prozent zu, aber deutlich weniger stark als noch 2016. Im Jahr nach dem für die deutsche Bürokratie kaum zu bewältigenden Flüchtlingszustrom und Angela Merkels Bekenntnis zur Aufnahme der Menschen in Not war die Zahl der AfD-Mitglieder von 16.400 auf 25.000 geklettert.

Am geringsten fiel der Anstieg der Parteimitgliedschaften bei der SPD aus. Erstmals seit der Deutschen Einheit legte die Partei im vergangenen Jahr wieder zu – um 2,4 Prozent auf mehr als 443.000 Mitglieder. 1990 hätte die SPD fast noch einmal die 1-Million-Mitglieder-Marke aus den späten 70er-Jahren geknackt. 28 Jahre später sind die Sozialdemokraten von dieser Schwelle weit entfernt.

Die Partei hat ihre Mitgliederzahl seit 1990 um 57,5 Prozent gesteigert. Quelle: dpa
Die Grünen

Die Partei hat ihre Mitgliederzahl seit 1990 um 57,5 Prozent gesteigert.

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Der Anstieg der SPD-Eintritte könnte von kurzer Dauer sein. „Der sogenannte ‚Schulz-Hype‘ nach der Nominierung von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten führte in den ersten Monaten des Jahres zu einer Welle von Neueintritten: Von Anfang Januar bis Ende März verzeichnete die SPD über 15.000 Neumitglieder“, heißt es in der Niedermayer-Studie „Parteimitglieder in Deutschland: Version 2018“.

Die Gründe für das Wachstum der meisten Parteien lägen „in kurzfristigen Entwicklungen, die zu einer Mobilisierung der Bürger geführt haben“, erklärte Niedermayer. Er verwies auf Phänomene wie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, die Bundestagswahl in Deutschland und den anfänglichen Hype um SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Von einer Trendwende könne man nicht sprechen.

Auf lange Sicht bleibt der Mitgliederschwund in der deutschen Parteienlandschaft groß. Am stärksten hat es laut der Studie die Linke getroffen, die – trotz des Zuwachses durch die Vereinigung von PDS und WASG – Ende 2017 78 Prozent weniger Mitglieder hat als die PDS 1990. Der Partei des Demokratischen Sozialismus gehörten damals 281.000 Menschen an.

Die FDP hat seit der Wende 62,5 Prozent ihrer Mitglieder verloren, die SPD 53 Prozent, die CDU 46 Prozent und die CSU 24 Prozent. Die Grünen hingegen steigerten ihre Mitgliedschaft seit 1990 um 57,5 Prozent, die AfD seit ihrer Gründung 2013 um insgesamt 56 Prozent.

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