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Studie zu Stiftungsfinanzen Stiftungen legen ihr Geld zu vorsichtig an

Stiftungen tun Gutes für die Gesellschaft – aber es fällt ihnen zunehmend schwer, ausreichend Erträge für ihre Projekte zu ziehen.
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In Deutschland beträgt das Stiftungsvermögen geschätzte 100 Milliarden Euro. Quelle: dpa
Stiftungsarbeit

In Deutschland beträgt das Stiftungsvermögen geschätzte 100 Milliarden Euro.

(Foto: dpa)

BerlinDeutsche Stiftungen legen ihr Geld überaus vorsichtig an. Damit entgehen ihnen in der andauernden Niedrigzinsphase nicht nur höhere Renditen. Für viele Stiftungen wird es immer schwieriger, ihren Kapitalstock zu erhalten und ausreichend Erträge für ihre Projekte zu erwirtschaften.

Eine Studie der European School of Management and Technology (ESMT) in Berlin zeigt jetzt, dass bei einem geschätzten Stiftungsvermögen von 100 Milliarden Euro in Deutschland zusätzlich mindestens zwei Milliarden Euro jährlich für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung stehen könnten, wenn das Stiftungskapital etwas breiter und risikobereiter angelegt werden würde. Das zeigt ein Vergleich mit US-amerikanischen Universitätsstiftungen.

„Es geht nicht um wilde Zockerei“, sagt Jörg Rocholl, Präsident der ESMT und Mitverfasser der Studie. Es sei aber notwendig, das Stiftungsvermögen anders anzulegen.

Stiftungen verzichten auf Milliardenbeträge. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
ESMT-Chef Jörg Rocholl

Stiftungen verzichten auf Milliardenbeträge.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Dazu gehörten ein breiteres Anlageportfolio und der Verzicht auf selbst auferlegte Restriktionen in der Anlagepolitik. Derzeit liegt der größte Teil des Vermögens der rund 22.000 Stiftungen in Deutschland in Fonds oder auf Festgeldkonten.

Realer Vermögenserhalt

Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden durch das Stiftungsrecht vorgegeben. Dieses enthält keine expliziten Regelungen zum Anlagestil, gibt aber zwei Ziele vor: den realen Vermögenserhalt und ausreichende Erträge, um dem gemeinnützigen Stiftungszweck gerecht zu werden.

Doch schon der Vermögenserhalt ist problematisch. In einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen (BVDS) glauben immer mehr Stiftungen, noch nicht einmal die Inflationsrate erwirtschaften zu können.

 „Wir müssen an das Postulat des ungeschmälerten Kapitalstocks heran“, mahnte Joachim Faber, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Es sei dringend geboten, dass die Stiftungsaufsicht eine kapitalmarktbedingte Absenkung des Stiftungsvermögens erlaube.

Faber, der den Deutschen ein „einzigartiges Verhältnis zu Vermögensanlagen“ attestiert, hält diese Frage für essenziell: Stiftungen begäben sich unter Umständen in massive Diskussionen mit der Aufsicht, wenn der Kapitalstock sinke, sagte er.

Dabei sei an einer gewissen Volatilität nichts auszusetzen. Wichtig sei, eine angemessene Anlagestrategie bei langfristigem Kapitalerhalt sicherzustellen.

Zu wenig aus dem Geld gemacht

 Einengend sind auch die Vorgaben mancher Stiftungssatzung, findet Rocholl. Einige Stiftungen seien an Strategien gebunden, die in der aktuellen Marktphase kaum noch Erträge erwirtschaften könnten. Dagegen hätten viele kleine Stiftungen überhaupt keine Anlagerichtlinien. Damit wissen die Stiftungsvorstände oft gar nicht, was genau sie tun dürfen.

Mehr Klarheit und mehr Freiräume erhofft sich der ESMT-Präsident von einer Reform des Stiftungsrechts, die vom BVDS vorgeschlagen und im Koalitionsvertrag vereinbart wurde. Sie sieht unter anderem eine bundeseinheitliche Aufsichtspraxis vor.

Wichtig sei auch, „dass Stiftungen ihre Satzung an die jetzigen finanziellen Gegebenheiten anpassen dürfen“, sagt Felix Oldenburg, BVDS-Generalsekretär. Ziel sollte außerdem sein, dass Stiftungen nicht nur Vermögen halten, sondern zukünftig auch mehr Vermögen neuer Stiftender anziehen. Man habe über Jahre zu wenig aus dem Geld gemacht, das die Stifter bereitgestellt hätten. Er halte es für eine Pflichtverletzung, wenn nicht endlich gehandelt würde.

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