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Studie zur Rentenerwartung Junge Deutsche fürchten die Armut im Alter

Viele junge Menschen in Deutschland haben Angst, im Alter arm zu sein. Doch eine neue Studie zeigt: Eine große Mehrheit traut der Politik zu, dieses Problem zu lösen.
4 Kommentare
Gerade die Generation, die derzeit zwischen 17 und 27 Jahre alt sind, fürchten sich vor Altersarmut. Quelle: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH
Junge Menschen

Gerade die Generation, die derzeit zwischen 17 und 27 Jahre alt sind, fürchten sich vor Altersarmut.

(Foto: obs/Accor Hotellerie Deutschland GmbH)

Berlin Junge Leute wollen fürs Alter sparen – doch viele stoßen finanziell an ihre Grenzen. Laut der Studie „Jugend, Vorsorge und Finanzen“ sorgen nur noch 48 Prozent der jungen Deutschen vor, 2010 waren es noch sieben Prozentpunkte mehr. Mehr als zwei Drittel der Befragten gaben an, dass am Ende des Monats dafür nicht genug Geld übrig bleibt.

Für die repräsentative Untersuchung befragte das Forschungsinstitut Kantar Public 2.500 Frauen und Männer zwischen 17 und 27 Jahren: Wie sehen sie das Thema Altersvorsorge, was erwarten sie vom Rentensystem? Welche Rolle spielen sozialer Hintergrund, Geschlecht und Bildung, wenn es um Finanzen und Vorsorge geht? Herausgeber sind die Wissenschaftler Klaus Hurrelmann und Christian Traxler von der Berliner Hertie School of Governance, sowie Heribert Karch, Geschäftsführer des Versorgungswerks MetallRente der Metall- und Elektro-Industrie.

Demnach sparen mehr als die Hälfte der 17- bis 27-Jährigen regelmäßig, ein Drittel ab und zu. Dennoch gab gleichzeitig die Mehrheit der Befragten an, zum Zeitpunkt der Befragung gar kein Geld beiseitelegen zu können, weil sie ihre gesamten Finanzen für ihren Lebensunterhalt ausgeben. 68 Prozent von ihnen haben deswegen Angst, im Alter arm zu sein. Karch erklärt das so: „Niedrige Einkommen und befristete Arbeitsverhältnisse erschweren es jungen Leuten heute, regelmäßig für ihr Alter zu sparen und systematische Vorsorge zu betreiben.“

Frauen sind besonders gefährdet

Das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern kann im Alter zu einer größeren Gefahr werden. Während Frauen rund 22 Prozent weniger verdienen als Männer – damit liegt Deutschland EU-weit auf dem drittletzten Platz – verschlechtert sich ihre Situation im Alter noch weiter. Männer erhalten im Durchschnitt mehr als doppelt so hohe Rentenzahlungen.

Die Folgen: Frauen leben weitaus häufiger in Altersarmut. Das wirkt sich auch auf ihre Gesundheit aus. Die Studienautoren haben festgestellt, dass sie dadurch vermehrt unter depressiven Symptomen leiden. Schon im jungen Alter schauen Frauen weniger optimistisch auf ihre persönliche Zukunft als gleichaltrige Männer.

Trotzdem schneiden junge Frauen bei der privaten Vorsorge schlechter ab, nur 18 Prozent investieren in Aktien und Investmentfonds – im Gegensatz zu 35 Prozent der Männer. Hurrelmann meint: „Viele Frauen gehen Kompromisse ein, weil sie frühzeitig die Gründung einer Familie im Blick haben.“

Daraus ergäben sich Nachteile bei der Rente. Ein Hauptgrund für die geringere Rente sind Lücken in der Erwerbstätigkeit, in der Regel wegen der Kinderziehung. Für eine Unterbrechung der Karriere sind Männer schlichtweg weniger bereit: Nur vier von zehn jungen Männern gehen davon aus, in Lebensphasen mit kleinen Kindern in Teilzeit zu arbeiten – im Gegensatz zu drei Viertel der jungen Frauen.

Auch der soziale Hintergrund wirkt sich stark auf das Sparverhalten aus, so die Studie: Wer die eigene finanzielle Situation als „gut“ oder „sehr gut“ bezeichnen, spart regelmäßig. Bei denen, die sich in einer „schlechten“ oder „sehr schlechten“ finanziellen Lage befinden, sieht das anders aus: Nur 26 Prozent sparen regelmäßig, 39 Prozent gar nicht. „Vorhandene soziale Ungleichheiten werden somit verfestigt“, resümieren die Verfasser.

Auch der Bildungsstand, der erheblich von der sozialen Herkunft abhängt, entscheidet: So spart etwa ein Drittel derer, die über einen einfachen Bildungshintergrund verfügen, regelmäßig. Bei mittlerem Bildungshintergrund legt knapp die Hälfte etwas zur Seite, bei hohem bereits rund 60 Prozent.

Die Wissenschaftler stellten allen Teilnehmern der Studie drei Fachfragen, um ihre Finanzkenntnisse zu testen. Das Ergebnis: Je besser die finanzielle Bildung, desto nachhaltiger das Sparverhalten. Dabei sei auch die Selbsteinschätzung entscheidend für das Risikoverhalten: Männer hätten bei der Einschätzung des eigenen Wissens eine „verstärkte Tendenz zur Selbstüberschätzung“. Insgesamt bewerten die Herausgeber die finanzielle Bildung aber in allen Gruppen als ausbaufähig. So sei es die Aufgabe der Politik, „kompetente Informationen zu Finanzthemen und zur Altersvorsorge in Schule und Ausbildung sicherzustellen“.

Viele junge Menschen sind sich ihres Nachholbedarfs durchaus bewusst – und liefern entsprechende Vorschläge gleich mit: So wünschen sich etwa 92 Prozent der Befragten verständlichere Informationen zum Thema Altersvorsorge, 87 Prozent wollen in der Schule informiert werden, 93 Prozent fordern ein Onlineportal, das sämtliche Informationen über Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge vereint.

Neben der Bildung sieht MetallRente-Geschäftsführer Karch einen Teil der Lösung im Sozialpartnermodell. Das basiert auf tarifvertraglichen Vereinbarungen durch „Mechanismen wie Langzeitorientierung, kollektive Kapitalanlage und nachhaltige Einbindung der Beschäftigten“. So können in kurzer Zeit möglichst viele Menschen erreicht werden.

Doch das Modell findet nur in Unternehmen Anwendung, die entsprechenden Tarifverträgen unterliegen. Die Lösungsvorschläge fallen demnach entsprechend dünn aus, wenn es um strukturelle Ungleichheiten wie soziale Herkunft oder genderspezifische Altersarmut geht. Auch Migrationshintergründe thematisiert die Studie nur am Rande, Informationen zur Migrationsgeschichte der Eltern wurden beispielsweise nicht erfasst.

Die jungen Erwachsenen sehen die Politik in der Verantwortung: „Wenn der Staat es wirklich will, kann es auch in Zukunft eine gute Rente geben“, glauben 84 Prozent. Diese Einstellung besorgt die Studienautoren: „Der Vertrauensvorschuss der Angehörigen der heutigen jungen Generationen ist bald aufgebraucht. Sie fordern den Staat immer deutlicher auf, seine Aufgabe auszufüllen.“

Die Forscher fordern in erster Linie die Politik auf, die Ansichten der jungen Leute ernst zu nehmen: Falls sich die Rentenpolitik nicht auch an der jüngeren Generation ausrichte, drohe den heute jungen Leuten nicht nur klar die Altersarmut – „ihr Vertrauen in die Politik wird gefährdet“.

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4 Kommentare zu "Studie zur Rentenerwartung: Junge Deutsche fürchten die Armut im Alter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrte Frau Müller,

    auch wenn es niemand ausspricht, weiß es eigentlich jeder: Eine merkliche Aufbesserung der staatlichen BfA-Rente läßt sich durch sporadisches Ansparen kleiner Beträge nicht erreichen. Ohne regelmäßigen und schmerzhaften Verzicht auf Ausgaben ist dieses Ziel nicht erreichbar.

    Wenig hilfreich ist auch bloßes Geldsparen. Die Ertäge, die mit einem Sparbuch, Sparvertrag oder einer Lebensversicherung zu erzielen sind, sind schlicht einfach zu gering und reichen für eine angemessene Alterversorgung nicht aus. Um dieses Ziel zu erreichen, muß man in Sachwerte investieren. Die Stichworte heißen Wohnung oder Aktien kaufen.

    Weiter hat die Diskussion um Riester- und Rüruprenten gezeigt, dass Banken und Versicherungen ausschließlich ihre eigenen Gewinninteressen verfolgen und bei dem Aufbau eines Vermögens hinderlich sind. Andererseits sind dabei die meisten Mitbürger allein gelassen und auf sich slbst gestellt überfordert . Deshalb brauchen wir für den Aufbau eines kapitalgedeckten Zweiges der Rentenversicherung den Staat. Er könnte nach dem Modell des norwegischen Staatsfonds agieren, d.h.die Ersparnisse der Bürger einsammeln, in Aktien anlegen und später dann die kapitalgedeckten Renten auzahlen.

    Eigentlich eine einfache Grundidee. Aber ob sie im Gezänk der Parteien eine Chance hat, vermag ich nicht zu sagen.

  • Zu recht! Die nächste Generation wird ärmer sein als die jetzige. Hinter uns liegen 15 jahre Wirtschaftswachstum. Vor uns liegen 15 Jahre Rezession. Mindestens! Mein Rat an die Jugend: Geniesst die Zeit, seht euch die Welt an. Was zählt, ist der Augenblick. Holt euch das Geld dafür bei euren Eltern. Vorbereiten, auf das was kommt, kann man sich ohnehin nicht.

  • Weshalb denn jetzt sparen?
    Der letzte große, deutsche Politiker, der ALLE angehalten hatte "Maß zu halten" hieß
    Prof. Dr. Ludwig Erhard.
    Seit ca. 30 Jahren sagen die selbsternannten "Eliten", mehr Verbrauch, mehr Konsum, mehr
    happy days, usw. an.
    Auch ich habe mehrfach in meinen Leben mir sagen lassen müssen, SPAREN ist etwas für Dumme.
    Nunmehr erklärt sich vieles.
    Die Zahl der Studienabbrecher ist bei unseren Abgeordneten schon bemerkenswert hoch. Noch höher jedoch ist die Zahl derer, die noch nie als Arbeitnehmer in einer Industriefirma gearbeitet haben.

  • Ich bin jetzt 77 Jahre alt und beziehe meine normale Rente und die durch Abzüge während meiner Arbeitszeit erworbene Firmenrente eine ausreichende Rente. Vielleicht sollte man der Jugend auch mal sagen, daß man nicht "ständig" drei mal im Jahr in Urlaub fahren muß - und zwar in möglichst alle Kontinente. sondern das Geld auch mal nutzen für eine Einzahlung in Renten-Angebote oder Aktien für die spätere Ruhezeit.

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