Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Studienfinanzierung Studenten ohne Job sollen Hartz-IV-Darlehen bekommen

Hunderttausenden Studenten brechen die Nebentätigkeiten weg. Helfen soll ein Darlehen. Das Studentenwerk fordert stattdessen ein Ausnahme-Bafög.
07.04.2020 - 08:11 Uhr Kommentieren
Corona: Studenten ohne Job sollen Hartz-IV-Darlehen bekommen  Quelle: obs
Studentenjob im Einzelhandel

Für viele Studierende brechen nun die Einnahmen weg.

(Foto: obs)

Berlin Mehr als zwei Drittel aller Studenten arbeiten nebenher – davon wiederum 60 Prozent, um ihr Studium mitzufinanzieren. Das zeigt die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Weil Restaurants, Gaststätten und Läden geschlossen sind und auch andere Unternehmen vielfach in massiven Schwierigkeiten stecken, brechen den Studenten die Einnahmequellen weg. 

Das Bundesbildungsministerium weist daher darauf hin, dass auch Studenten nun Arbeitslosengeld II, also Hartz IV, beantragen können, nach der Härtefallregelung in Paragraf 27 Absatz 3 SGB II.

Bislang war dafür Voraussetzung, dass sie sich vom Studium beurlauben lassen. In der aktuellen Pandemie-Situation „ist eine Anspruchsberechtigung auch ohne Beurlaubung aus der sogenannten Härtefallregelung abzuleiten“, teilt das Bundesbildungsministerium auf eine kleine Anfrage der Linken mit. Die Sache hat allerdings einen Haken: Es handelt sich nicht um Zuschüsse, sondern um Darlehen. 

Das reicht nicht, meint der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks,  Achim Meyer auf der Heyde: „Eine Regelung nach SGB II, also Hartz IV,  würde die Studierenden gegenüber anderen Gruppen wie Soloselbständige oder Künstler schlechter stellen, da diese ja Zuschüsse erhalten“, sagte er dem Handelsblatt. 

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Sollte also das SGB II genutzt werden, müsse es durch eine Novelle geändert werden:  Darlehen müssten in Zuschüsse umgewandelt, und aus dem Härtefall müsse der Regelfall werden. Auch die Beurlaubungsregel müsse formell wegfallen, denn  diese „ist natürlich unsinnig, wenn die Hochschulen trotz Corona-Beschränkungen versuchen, einen Lehr- und Prüfungsbetrieb zu organisieren“, so Meyer auf der Heyde. 

    Ausgleich über Bafög gefordert

    Allerdings haben Studenten in der Regel kaum Bezug zu den für Hartz IV zuständigen Jobcentern. Zudem sei gerade jetzt fraglich, ob diese angesichts der vielen neuen Unterstützungsmöglichkeiten „auch noch zusätzlich Anfragen von Studenten überhaupt stemmen können“, mutmaßt Meyer auf der Heyde. 

    Das Studentenwerk schlägt daher alternativ eine „Übergangsregelung für sechs Monate im Bafög“ vor. „Damit könnte Studierenden, die nachweisen, dass sie ihren zur Studienfinanzierung unabdingbaren Job infolge Corona verloren haben und auch keinen anderen Job finden, für mehrere Monate ein Ausgleich über das Bafög gewährt werden – als Mischung aus Zuschuss und Darlehen“, schlägt der Leiter des deutschen Dachverbands der Studierendenwerke vor. „Die Studenten könnten ihr Studium fortsetzen, und man könnte die bestehende Infrastruktur dafür nutzen.“ Dazu führe das Studentenwerk derzeit Gespräche mit dem Ministerium. 

    Eine zusätzliche Unterstützung für Studenten fordert auch der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, André Alt: „Wir können die große Masse nicht sich selbst überlassen, sie müssen schließlich weiter wohnen und essen“, sagte er im Handelsblatt-Interview. Es wäre daher gut, „wenn die Bundesregierung eine Art Arbeitslosengeld oder eine Grundsicherung für Studierende einführt“.

    Einen „Schutzschirm“ für Studenten forderte der grüne Bildungspolitiker Kai Gehring bereits vor zwei Wochen in einem Brief an das Bildungs- und das Arbeitsministerium. Doch er wurde vertröstet – auf die Woche nach dem 20. April. „Studierende drohen pandemiebedingt finanziell aus ihrer Bildungslaufbahn zu fliegen. Auch der Bund ist gefordert, damit niemand wegen Corona Bildungsnachteile erleidet oder die Finanzierung des Lebensunterhalts wackelt“, sagte Gehring dem Handelsblatt. 

    Überbrückungsdarlehen, wie sie das Bildungsministerium anpreise, „können nicht der Weisheit letzter Schluss sein“. Um die sozialen Folgen für unverschuldet in Not geratene Studierende abzumildern, „wäre es sinnvoller, die Grundsicherung vorübergehend für Studierende zu öffnen, ohne dass sie sich exmatrikulieren und die Unterstützungsleistungen zurückzahlen müssen“. Zudem sollte das laufende Semester nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet werden, fordern der Grüne.  

    Bearbeitung von Bafög-Anträgen dauert

    Auf den ersten Blick fein raus sind  Studenten, die Bafög beziehen. Doch das kommt nur einer relativ kleinen Gruppe zugute: Zuletzt war der Anteil der Bafög-Empfänger an allen 2,85 Millionen Studenten auf unter 20 Prozent gesunken. Durch die 2019 in Kraft getretene Erhöhung dürfe die Quote zwar wieder steigen, jedoch nur leicht. 2018 erhielten noch 518.000 Studierende die staatliche Förderung – im Jahr 2012, in dem der langjährige Höchststand erreicht wurde, waren es noch 671.000.

    Studenten, deren Eltern nun in der Krise arbeitslos werden oder in Kurzarbeit gehen,  können natürlich eine entsprechende Erhöhung des Bafögs beantragen oder unter den veränderten Einkommensverhältnissen einen Erstantrag stellen. Die Bearbeitung dauerte bisher sehr lange, oft mehrere Monate. Es gibt zwar inzwischen Online-Anträge, sie sind aber so kompliziert, dass diese bislang nicht mal ein Prozent der Antragsteller nutzt. 

    Eine große Gruppe ist zudem grundsätzlich gar nicht Bafög-berechtigt, sagt Meyer auf der Heyde – völlig unabhängig vom Einkommen der Eltern. Dazu zähen etwa internationale Studierende, Studierende im Zweitstudium oder Studierende jenseits der Bafög-Altersgrenzen: Bachelor-Studenten dürfen zu Studienbeginn nicht älter als 30, Master-Studenten nicht älter als 35 Jahre als sein. 

    Zudem machen rund 70 Prozent der Studenten ihren Abschluss erst im zweiten Semester nach Regelstudienzeit. „Eltern werden den Unterhalt mit dem Ende der Regelstudienzeit nicht kappen, dürfen sie auch nicht, beim BAföG dagegen erfolgt ein Cut, Studierende müssen sich auch deshalb oft über Erwerbsarbeit finanzieren“, so Generalsekretär Meyer auf der Heyde.

    Mehr: Die Vor- und Nachteile des bedingungslosen Grundeinkommens.

    Startseite
    Mehr zu: Studienfinanzierung - Studenten ohne Job sollen Hartz-IV-Darlehen bekommen
    0 Kommentare zu "Studienfinanzierung : Studenten ohne Job sollen Hartz-IV-Darlehen bekommen "

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%