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KfW-StudienkreditZinssatz steigt auf fast acht Prozent

KfW-Studienkredite will kaum noch jemand. Denn der staatseigene Marktführer verlangt mittlerweile enorm hohe Zinsen. Doch auch andere Förderung kommt bei immer weniger Studierenden an.Barbara Gillmann 26.06.2023 - 14:23 Uhr Artikel anhören

Immer weniger Studierende nehmen einen KfW Studienkredit auf.

Foto: dpa

Berlin. Der Markt für Studienkredite bricht ein: 2022 sank die Zahl der Neuverträge auf einen Tiefstand von 24.000, noch 2014 waren es fast 60.000. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), die dem Handelsblatt vorliegt. Das CHE befasst sich mit der Entwicklung des deutschen Hochschulsystems und finanziert sich hauptsächlich durch die Bertelsmann-Stiftung und andere Kooperationspartner.

„Wir können hier gerade in Zeitlupe einem Markt beim Kollabieren zuschauen“, sagt Ulrich Müller, Mitglied der CHE-Geschäftsleitung. Hauptursache sei die mangelnde Attraktivität des Angebots der bundeseigenen Förderbank KfW. Sie dominiert den Markt seit Jahren.

Die Zahl der neuen KfW-Studienkredite war schon 2022 um mehr als ein Drittel auf gut 15.000 eingebrochen. Aktuell können Interessenten einen Studienkredit mit einem effektiven Jahreszinssatz von fast acht Prozent beantragen „Damit ist die Schmerzgrenze nun deutlich überschritten“, so Müller.

KfW-Studienkredit: Ein Auslaufmodell?

Auch aus der Studierendenschaft kommt Kritik. „Der Zinssatz beim KfW-Studienkredit ist nun doppelt so teuer wie Immobilienkredite. Das ist ein handfester sozialpolitischer Skandal und ein fatales Signal an die Studierenden“, sagte unlängst der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, Matthias Anbuhl, im Bundestag.

Das Studierendenwerk Frankfurt vermittelt den KfW-Kredit daher gar nicht mehr, denn mit acht Prozent sei er „kein Instrument mehr für eine auskömmliche Finanzierung ohne die Gefahr hoher Verschuldung“.

Damit stelle sich die Frage, wie lange der KfW-Studienkredit noch zukunftsfähig ist, so CHE-Experte Müller. Für viele Studierende sei der Kredit die letzte Rettung gewesen, nun könnten Studienabbrüche die Folge sein. Nach der jüngsten Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks mussten zuletzt 37 Prozent der Studierenden mit weniger als 800 Euro im Monat auskommen.

Die KfW verweist auf Nachfrage darauf, dass sie den Kredit aus eigenen Mitteln finanziere und dabei kostendeckend arbeiten müsse. Der Zins orientiere sich am allgemeinen Zinsniveau, das seit Beginn des Ukrainekriegs deutlich angestiegen ist. Außerdem sei der Kredit nur ein Finanzierungsbaustein und solle Kosten abdecken, die nach Bafög, Familie und Nebenjob blieben.

Die Einführung des Studienkredits der KfW im Jahr 2006 galt damals als großer Sprung nach vorn: Neben dem Bafög sollte der staatlich geförderte Kredit ein Studium für alle Interessenten möglich machen.

Nach Regierungsangaben wird gerade der KfW-Kredit, den man unabhängig vom Einkommen der Eltern und sonstigen Sicherheiten beantragen kann, überdurchschnittlich oft von „nicht traditionellen“ Studierenden in Anspruch genommen. Darunter sind Ältere, Menschen mit Kind, vorangegangener Berufsausbildung oder aus nicht akademischen Elternhäusern. Ihnen gelinge anschließend der Sprung in den Arbeitsmarkt besonders gut: Sie hätten eine überdurchschnittliche Erwerbstätigkeitsquote und erzielten höhere Einkommen als der Durchschnitt der Absolventen.

85 Prozent der Studierenden bekommen keine finanzielle Förderung

Laut CHE profitiert nur ein kleiner Teil der Studierenden von finanziellen Hilfen. Demnach nutzen 2,2 Prozent einen Kredit, zwei Prozent ein Stipendium und elf Prozent bekommen Bafög. „Rund 85 Prozent sind komplett abhängig von den Eltern, dem Partner oder einem Nebenjob“, so Müller.

Das wollte die Ampelkoalition eigentlich ändern und versprach im Koalitionsvertrag die „Öffnung des zinsfreien Bafög-Volldarlehens für alle Studierenden“. Vor allem die FDP hatte darauf gedrungen, das Bafög endlich unabhängiger von Elterneinkommen zu machen. Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) hält zwar offiziell an dem Vorhaben fest, Konkretes ist aber nicht in Sicht. 

Alternativ zur mittelfristigen Öffnung des Bafög müsste die Ministerin jedoch schnell auf eine Zinssenkung der KfW drängen, fordert das CHE. Zuletzt habe die CDU-Ministerin Anette Schavan 2008 nach starker öffentlicher Kritik dafür gesorgt, dass der damalige Zinssatz von sieben Prozent wieder gesenkt wurde.

Parallel dazu müsse das KfW-Angebot attraktiver werden, meint das CHE: fester statt variabler Zinssatz, Nutzung auch im Ausland und vor allem die Erhöhung der maximalen monatlichen Auszahlung von 650 auf 1000 Euro. Denn „versuchen Sie mal, mit 650 Euro in Hamburg oder München zu leben“, meint Müller. 

KfW-Studienkredit: Wer in der Pandemie zugeschlagen hat, zahlt nun viel mehr

Besonders kritisch sei der aktuell hohe Zins für die Studierenden, die sich in der Corona-Pandemie vom kurzzeitigen Null-Prozent-Angebot in einem KfW-Kredit locken ließen, kritisiert das CHE. In den Jahren 2020 bis 2022 hatte der Staat die Zinskosten in der Auszahlungsphase übernommen. Daraufhin war die Nachfrage um 120 Prozent gestiegen.

Die bundeseigene Förderbank ist führend bei der Vergabe von Studienkrediten.

Foto: dpa

„Wer sich auf das Lockvogelangebot eingelassen hat, wird sich jetzt die Augen reiben“, meint Müller, denn der neue Zinssatz gelte ja auch für alle knapp 178.000 Kunden und Kundinnen, die schon in der Rückzahlungsphase sind, sofern sie keinen Festzins vereinbart haben. Zugleich gibt es immer weniger Alternativangebote zur KfW, weil in den vergangenen Jahren mehrere Anbieter ihre Angebote eingestellt haben.

Immerhin ein Anbieter scheint sich zu etablieren: Das Start-up Lendorse konzentriert sich auf Studierende aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Zielgruppe werde von vielen anderen Anbietern von Beginn an ausgeschlossen, weil sie fürchteten, Schulden im Ausland nicht eintreiben zu können, so Müller. 

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Das ist auch politisch interessant, denn die rund 350.000 ausländischen Studierenden in Deutschland gelten als potenzielle Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt. Daher drängt etwa das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) darauf, dass die Bundesregierung Nicht-EU-Ausländern den Weg ins deutsche Studium ebnet und ihnen danach den Sprung in den Arbeitsmarkt erleichtert. Allerdings brechen sie ihr Studium häufiger ab als Einheimische. Ein Grund dafür sind nach Umfragen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) finanzielle Probleme. 

Erstpublikation: 20.06.2023, 13:12 Uhr.

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