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Studierende Warum dauert es so ewig, bis das BAföG ausgezahlt wird?

Bis die Studienförderung BAföG ausgezahlt wird, braucht es manchmal mehrere Monate. Warum dauert die Überweisung des BAföG so lange? Wir fragen in Hamburg nach.
  • Svana Kühn
06.12.2017 - 09:18 Uhr Kommentieren
Einer von fünf erhält BAföG. Quelle: dpa
Erstsemester an der Uni

Einer von fünf erhält BAföG.

(Foto: dpa)

Dieser Artikel ist am 06. Dezember 2017 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Die gute Nachricht kommt Mitte September: eine Zusage für Sozialökonomie an der Universität Hamburg. Sebastian kann sein Glück kaum fassen. Der Studienplatz in Hamburg war seine erste Wahl.

Wann wird das Bafög endlich ausgezahlt?

Doch zu Sebastians Vorfreude gesellen sich bald Sorgen. Obwohl die Studiengebühren in Hamburg schon vor einiger Zeit abgeschafft wurden, kostet ein Studium natürlich immer noch Geld. Miete, Essen, Strom, der Semesterbeitrag – all das muss bezahlt werden.

Sebastians Eltern verdienen aber nicht genug, um das Studium ihres Sohnes zu finanzieren. Deswegen stellt Sebastian kurz nach der Zusage für den Studienplatz einen Antrag auf Ausbildungsförderung, auch BAföG genannt.

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    Wird der bewilligt, bekommt Sebastian Geld vom Staat, der damit unterstützen möchte, dass Studenten wie Sebastian trotzdem eine Uni besuchen. Sebastian muss später nur die Hälfte des Geldes zurückbezahlen.

    Das klingt erst einmal gut. Aber bis das Geld auf seinem Konto landet, muss Sebastian sich erst einmal gedulden. Lange gedulden. Und so geht es mehr als einer halben Million jungen Menschen in Deutschland.

    Das Warten aus Bafög kann mehrere Wochen dauern

    18 Prozent der rund 2,8 Millionen Studenten in Deutschland beziehen Bafög, berichtet das Statistische Bundesamt. Neben den 584.000 Studenten sind es auch 239.000 Schüler, die vom Staat einen Zuschuss zur Ausbildung bekommen.

    Wer Bafög beantragt, muss sich oft auf eine Wartezeit von mehreren Wochen oder im schlimmsten Fall sogar Monaten gefasst machen. Doch woran liegt das?

    Schuld daran sind nur selten langsame und träge Mitarbeiter. Die Anträge seien oft unvollständig, sagt das Bafög-Amt Hamburg. Müssen Unterlagen nachgefordert werden, beanspruche das oft viel Zeit.

    Dass zu wenig Mitarbeiter für zu viele Anträge zuständig sind, kommt noch erschwerend hinzu. Etwa 7.200 Erstanträge wie den von Sebastian haben die 100 Mitarbeiter des Hamburger Bafög-Amtes im Wintersemester 2017/2018 bereits bearbeitet.

    Aber auf ihren Schreibtischen landen auch noch Folgeanträge, denn wer bereits Bafög bekommt, muss nach spätestens einem Jahr erneut einen Antrag stellen. Die müssen die Mitarbeiter ebenfalls prüfen.

    „Die Zeit von der Antragsstellung bis zur Auszahlung hängt davon ab, wie schnell die Unterlagen im Einzelfall vervollständigt werden können“, sagt Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Hamburger Studierendenwerkes, das für das Bafög-Amt zuständig ist. „Die durchschnittliche Bearbeitungszeit in Hamburg liegt zurzeit bei etwa sechs Wochen.“ Um lange Wartezeiten zu vermeiden, solle man seinen Antrag möglichst frühzeitig einreichen.

    Unvollständige Bafög-Anträge sorgen für eine lange Wartezeit – und wer hilft?

    Es ist Oktober, Vorlesungsbeginn. Auf dem Konto ist noch kein Geld vom Amt angekommen. Sebastian wird unruhig. Langsam wird das Geld knapp.

    Auf Nachfrage im Bafög-Amt sagt ihm eine Mitarbeiterin, dass er die erste Zahlung im schlechtesten Fall erst Anfang Januar erhalten werde. Glücklicherweise hat Sebastian vor Studienbeginn einige Zeit gearbeitet und sich ein kleines finanzielles Polster zusammengespart.

    Doch die Reserven sind schnell aufgebraucht und Sebastian muss Verwandte und Freunde um Geld bitten. „Das ist für mich sehr unangenehm“, sagt er.

    Für einen Nebenjob hat Sebastian auch kaum Zeit: Jede Woche sitzt er allein 20 Stunden in Vorlesungen. Dazu kommen Tutorien, Lerngruppen und viel Zeit am Schreibtisch sowie in der Bibliothek, um Vorlesungen vor- oder nachzubereiten, Hausarbeiten zu schreiben und zu lernen.

    In einer Umfrage unter Studenten hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung herausgefunden, dass Studenten durchschnittlich 33 Stunden in der Woche für ihr Studium aufwenden. Je nach Studienfach kann die Zeit aber zwischen etwa 23 Stunden bei Soziologie-Studenten und fast 45 Stunden bei angehenden Tierärzten variieren.

    Zeit für einen kleinen Nebenjob sollte also drin sein. Wer aber versucht, voll neben dem Studium zu arbeiten, um die Zeit zwischen dem Stellen des Bafög-Antrags und der Überweisung auf das Konto zu überbrücken, wird schnell an seine Grenzen geraten.

    Wie überbrückt man ohne Unterstützung der Familie die Bafög-Wartezeit?

    Was tun, wenn das Bafög-Amt nicht zahlt und niemand aushelfen kann? Studenten, die die Wartezeit nicht mit familiärer Unterstützung überbrücken können, sollten sich an das BAföG-Amt wenden.

    Das prüft, ob ein Überbrückungsgeld gezahlt werden kann oder eine andere Finanzierungshilfe in Frage kommt. Je nach Situation kann auch Arbeitslosengeld beantragt werden. Möglichkeiten, von denen Sebastian nicht wusste.

    Doch fast drei Monate nach Studienbeginn kann Sebastian endlich aufatmen: Die erste Bafög-Zahlung ist auf seinem Konto angekommen. Ein ganzer Batzen Geld – und das pünktlich zu Weihnachten. Endlich kann er seine Schulden begleichen.

    Mehr: Teilzeitstudium: Es mangelt an Angeboten – und am Geld

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