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Bafög für alle?

„Der Einstieg in ein (fast) bedingungsloses Grundeinkommen.“

Studium Ist elternunabhängiges Bafög gerecht? Das denken unsere Instagram-Fans

Bafög bekommen, egal was die Eltern verdienen: Dieser Vorschlag hat auf unserem Instagram-Kanal zu großen Diskussionen geführt. Fakten zu einer Debatte.
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Berlin Studenten finanzieren ihr Studium auf unterschiedlichste Weise: Mit 86 Prozent ist die finanzielle Unterstützung der Eltern die bedeutendste Einnahmequelle, gefolgt vom eigenen Verdienst mit 61 Prozent. Für nur 25 Prozent der Studierenden sichert Bafög den Großteil des Lebensunterhalts. Diese Statistik sorgte auf dem Instagram-Kanal des Handelsblatts für große Diskussionen.  

Vor allem der Vorschlag des Nutzers @michael.17.08 erhitzte die Gemüter: Er kommentierte, dass elternunabhängiges Bafög die einzige faire und gerechte Lösung wäre. Doch ist das wirklich so?

Ob und wie viel Bafög ein Student ausgezahlt bekommt, ist abhängig vom Einkommen der Eltern. Nur in Ausnahmefällen gibt es elternunabhängiges BAföG. Einen Anspruch darauf haben unter anderem Studenten, die ihre Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg erworben haben oder vor Beginn des Studiums mindestens fünf Jahre erwerbstätig waren. Für alle anderen gilt: Das Einkommen der Eltern spielt eine entscheidende Rolle.

Zustimmung für ein elternunabhängiges BAföG gab es von User @carlos200897: „Das wäre das Beste für alle Studenten! Im gleichen Atemzug sollten aber auch die Anzahl der Studentenwohnheime insbesondere in Städten wie Köln, München, etc. deutlich erhöht werden.“

Und auch User @red_giant12 findet: „Das wäre angemessen. Der Verwaltungsapparat ist eine Zumutung und Gerechtigkeit ist auch trotz der aktuellen Regelung nicht gewährt. Beispiel: Die Schulden der Eltern und entsprechende Zahlungen werden nicht einbezogen.“  

Bekommt ein Student kein Bafög, liegt das in den meisten Fällen daran, dass das Einkommen der Eltern zu hoch ist. Das ist besonders für Studenten aus der unteren Mittelschicht ein Problem, denn viele Eltern verdienen für das Bafög zu viel, können ihre Kinder aber dennoch nicht oder nur geringfügig finanziell unterstützen.

So gab es laut der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks im Sommersemester 2016 insgesamt 123.000 Studierende, die keinen Anspruch auf Bafög hatten und weniger als 500 Euro monatliche Unterstützung von ihren Eltern bekamen. Im Schnitt waren es 319 Euro.

Allerdings gibt es in der Community auch viel Widerspruch. So findet User @maps_for_everyone, dass das elternunabhängige Bafög für alle keine Lösung sei: „Absolut nicht. Damit würden wir den Sinn unseres Sozialsystems selbst aushebeln. Im Sozialsystem ist das Ziel jedem auf kleinstmöglicher Ebene zu helfen. Erst wenn es keine andere Möglichkeit gibt, hilft der Staat.“ Er fordert eine Anhebung der Einkommensgrenze.

User @hunsrueckentdecken fügt hinzu: „Warum sollte man das tun? Schon jetzt ist es so, dass deutlich mehr Kinder von Akademikern als von Nichtakademikern studieren. Mit elternunabhängigem Bafög würde man diesen Trend verstärken!“

Immerhin beginnen statistisch gesehen 79 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien ein Hochschulstudium. Bei den Nicht-Akademiker Familien schaffen es hingegen nur 27 von 100 Kindern an eine Universität. Das geht aus Ergebnissen einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zur Hochschulbeteiligung in Deutschland hervor. 

Doch auch nach Beginn des Studiums endet die soziale Selektion nicht. Nach dem Bildungstrichter des Stifterverbandes gelang es insgesamt 45 von 100 Kindern aus Akademiker-Haushalten zum Master und 10 zur Promotion. Bei den Nichtakademikerkindern waren es hingegen acht und lediglich ein einziger schaffte es bis hin zur Promotion.

Was sagt die Politik zu der Idee eines elternunabhängigem Bafög? „Die SPD konzentriert sich in der Großen Koalition auf die Verbesserung des bestehenden Bafög. Dafür müssen insbesondere Freibeträge und Bedarfssätze kräftig erhöht werden. Und wir müssen gestiegenen Wohnkosten für Studenten mit einer Kombination aus höherer Wohnpauschale und mehr Wohnheimplätzen begegnen“, teilte der Beauftragte des SPD-Parteivorstandes für Bildungspolitik Oliver Kaczmarek schriftlich mit.

Henrik Broeckelmann von der Pressestelle der CDU erklärt: „Angesichts knapper öffentlicher Budgets wäre aus unserer Sicht ein elternunabhängiges Bafög nicht gerecht. Denn in diesem Fall bliebe weniger für jene übrig, die die Förderung wirklich brauchen. Stattdessen setzt Bildungsministerin Anja Karliczek in den Eckpunkten für die geplante Bafög-Reform auf höhere Fördersätze und Einkommensfreibeträge. So entlasten wir gezielt die Familien in der Mitte der Gesellschaft, insbesondere, wenn sie bisher knapp über der Anspruchsgrenze liegen.“

So hat die Große Koalition ab Herbst 2019 einige Bafög-Änderungen angekündigt: höhere Förderungssätze (von 735 auf 811 Euro), Einkommens- und Vermögensfreibeträge sowie eine höhere Pauschale für Wohnkosten (von 250 auf 325 Euro). 

„Und was ist mit Kindern, deren Eltern ihnen das Studium nicht finanzieren wollen?“, gibt Userin @melinamoersdorf zu bedenken. User @wredepierre fügt hinzu: „Es gibt auch Kinder, die kein gutes Verhältnis zu ihren Eltern haben, wo die Eltern vielleicht unterstützen könnten, das aber nicht wollen. Diese sind aktuell benachteiligt.“ Im Grunde hilft hier nur eine Klage gegen die eigenen Eltern.

Volker Abt, Pressesprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erklärte schriftlich, elternunabhängiges Bafög würde die aktuellen Kosten der Förderung „erheblich übersteigen“. Außerdem sei ein solches Modell „der Einstieg in ein (fast) bedingungsloses Grundeinkommen. Es würde den Grundkonsens über die Eigenverantwortung der Familien in Frage und das Unterhaltsrecht auf den Kopf stellen.“ Darüber hinaus hält Abt es für „sozialpolitisch fragwürdig, bislang Nicht-Bedürftige zu staatlichen Transferempfängern zu machen.“

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