Sturmgewehr G36 Heckler & Koch zieht gegen Bundeswehr vor Gericht

Die Debatte um das Sturmgewehr G36 geht in die nächste Runde: Der Hersteller Heckler & Koch zieht gegen die Bundeswehr vor Gericht. Ursula von der Leyen hatte jüngst angeordnet, alle Exemplare auszumustern.
Update: 04.07.2015 - 14:52 Uhr Kommentieren
Heckler & Koch, Hersteller des Sturmgewehrs G36, will etwaige Mängel der Waffe juristisch klären zu lassen. Quelle: dpa
Sturmgewehr G36

Heckler & Koch, Hersteller des Sturmgewehrs G36, will etwaige Mängel der Waffe juristisch klären zu lassen.

(Foto: dpa)

Oberndorf/BerlinIn der Affäre um das Sturmgewehr G36 geht der Hersteller Heckler & Koch gegen die Bundeswehr vor Gericht, um etwaige Mängel der Waffe juristisch klären zu lassen. Das Bundeswehr-Beschaffungsamt hatte am 10. Juni Gewährleistungsforderungen gegen das Unternehmen erhoben und mit ungenügender Treffsicherheit begründet. Dagegen habe man nun beim Landgericht Koblenz eine sogenannte negative Feststellungsklage eingereicht, teilte Heckler & Koch im baden-württembergischen Oberndorf mit. „Ziel ist es, gerichtlich verbindlich feststellen zu lassen, dass die behaupteten Sachmängel nicht bestehen.“

Ein Sprecher des Verteidigungsressorts sagte am Samstag, das Ministerium habe die Ankündigung zur Kenntnis genommen. Eine weitere Stellungnahme gab er nicht ab.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte im April angekündigt, dass das G36 in seiner aktuellen Bauart keine Zukunft bei der Bundeswehr hat. Ein Untersuchungsbericht hatte der Standardwaffe mangelnde Präzision bei hohen Temperaturen und im heißgeschossenen Zustand bescheinigt. Die Bundeswehr hat seit den 90er Jahren knapp 180.000 Exemplare von Heckler & Koch gekauft, das trotz der seit Jahren erhobenen Vorwürfe in der Truppe sehr beliebt ist.

Das sind die Alternativen zum G36
Sturmgewehr G36
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Das G36 hat bei der Bundeswehr keine Zukunft mehr. Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen klargestellt. Eine Untersuchung im Auftrag der Ministerin hatte ergeben, dass die Treffgenauigkeit des G36 bei hohen Temperaturen und im heißgeschossenen Zustand massiv leidet. Die Bundeswehr hat seit den 90er-Jahren knapp 180.000 Exemplare des Sturmgewehrs beschafft.

Sturmgewehr G3
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Das G36 hatte das G3 abgelöst, das über Jahrzehnte Standardwaffe der Bundeswehr war. Auch dieses Modell stammte vom Hersteller Heckler & Koch. Bis heute zählt das G3 zu den weltweit verbreitesten Waffen.

Heckler & Koch in Oberndorf
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Auch der Nachfolger des G36 dürfte von dem Hersteller aus Baden-Württemberg kommen. Denkbar wären etwa die Modelle HK416 oder HK417.

SA80
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Großbritannien hat die SA80-Serie in den 80er-Jahren als Standardwaffen eingeführt. Produziert wurde sie zunächst von der Armee selbst, später von BAE Systems. Doch auch dieses Sturmgewehr erwies sich als untauglich für den Wüsteneinsatz. Pikant: Das britische Verteidigungsministerium hat Heckler & Koch mit der Modernisierung des SA80 beauftragt.

M-16
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Das aus den USA stammende M-16 zählt ebenfalls zu den weltweit meistgenutzen Sturmgewehren. Die Waffe wird von Colt's Manufacturing und in Lizenz auch in Belgien von FN Herstal gefertigt und gehört in vielen Nato-Staaten, aber auch in Asien und in Israel (Bild) zum Standard.

Steyr AUG
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Aus Österreich stammt das Steyr AUG, das seit den 80er-Jahren genutzt wird. Hersteller ist die Firma Steyr Mannlicher. Auch hier gibt es eine große Vielfalt an Modellen.

Kalaschnikow AK-74
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Wohl kaum eine Option für die Bundeswehr wäre ein Sturmgewehr aus russischer Produktion. Die Kalaschnikow AK-74 ist Nachfolger des legendären AK-47, gilt aber als veraltet.

Wie am vergangenen Wochenende bekanntgeworden war, hat von der Leyens Ministerium die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und verlangt Schadenersatz von Heckler & Koch. Einem Bericht der „Bild am Sonntag“ zufolge hatte die Staatsanwaltschaft Rottweil 2011 nach einer anonymen Anzeige schon einmal gegen Heckler & Koch wegen Betrugsverdachts ermittelt, das Verfahren aber wegen Verjährung eingestellt. Eine vom Ministerium eingesetzte Untersuchungskommission sei nun aber zu dem Ergebnis gelangt, dass die Frist noch nicht abgelaufen sei, weil auch nach 2005 noch Gewehre geliefert wurden.

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  • dpa
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