Stuttgart 21 Planer blicken panisch in die Röhre

So sicher und fest entschlossen wie der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus und Bahn-Chef Rüdiger Grube sind die Planer des umstrittenen Großprojekts Stuttgart 21 längst nicht. Geheime Akten zeigen, dass das umstrittene Riesenprojekt der Bahn außer Kontrolle ist.
8 Kommentare
Problemfall Tunnelarbeiten: Für Deutschlands umstrittenstes Bauprojekt Stuttgart 21 könnten die chaotischen Planungen noch ein immenser Kostentreiber werden. Quelle: ap

Problemfall Tunnelarbeiten: Für Deutschlands umstrittenstes Bauprojekt Stuttgart 21 könnten die chaotischen Planungen noch ein immenser Kostentreiber werden.

(Foto: ap)

DÜSSELDORF. Stuttgart 21 wird immer mehr zum Desaster. Interne, vertrauliche Dokumente und aktuelle Projektanalysen von Deutschlands umstrittenstem Bauprojekt, die dem Magazin "Stern" vorliegen, sprechen von Chaos und Panik. Demnach blickt die Bahn noch ungewiss in die Röhre.

Vor allem die Fehlplanung der Tunnel sind ein weiteres Argument der Stuttgart 21-Gegner. Und auch die Planer selbst schlagen Alarm, wie der stern berichtet. Man sehe das "Gesamtprojekt auf einem kritischen Weg". In Briefen an die Projektbau AG der Deutschen Bahn beklagen Planer "das Risikopotenzial" weil für die vorgesehenen Tunnelarbeiten "rohbaurelevante Angaben" fehlen.

Insgesamt sind für S21 Tunnelröhren von mehr als 60 Kilometer Länge in Stuttgart geplant. Da der Untergrund in der baden-württembergischen Landesshauptstadt sehr tückisch ist, werden die Tunnel von den üblichen "Regelprofilen" abweichen: Sie werden kleiner und enger, sie haben einen reduzierten Radius von nur 4,05 Metern - zu schmal für die übliche bahntechnische Ausrüstung.

In einem Protokoll vom Juli heißt es laut stern: "Aktuell fehlen systemrelevante Entscheidungen im Hinblick auf Oberleitungsanlagen und Signaltechnik." Und: "Derzeit keine Zulassung für System Stromschiene bei Geschwindigkeit 160 km/h."

Ein weiteres großes Problem: In Stuttgart wird mit dem modernen europäischen Signalsystem, dem European Train Control System (ETCS) für Hochgeschwindigkeitszüge geplant. Der Vorteil: Man braucht keine klobigen Masten, in den Gleisen liegen kleine Kästchen, sogenannte Balisen. Über Funk werden die Loks gesteuert. Allerdings, so berichtet der stern: In Deutschland gibt es keinen Zug, der mit dem ETCS-System fährt.

In Stuttgart wird ein Verkehrsknoten geplant, der auch in Zukunft für die meisten Züge unerreichbar sein wird. Die Aufrüstung der Züge mit ETCS ist extrem teuer, sie kostet pro Lok rund 300 000 Euro. S-Bahnen, Nahverkehrs- und Regionalzüge, die S 21 anfahren sollen, werden damit in den kommenden Jahrzehnten laut dem Magazin kaum ausgestattet werden. Konsequenz: Die Tunnel werden mit den üblichen Signalsystem nachgerüstet werden müssen - was Geld und Zeit kosten wird.

Ständig ist nach den stern-Recherchen in den Projektanalysen die Rede von "Handlungsbedarf", "Mehrkosten", "erhöhten Kosten", "Kostenrisiken". So ist aus den Dokumenten ersichtlich, dass die offiziellen Kosten von S 21 in Höhe von 4, 088 Milliarden nach oben korrigiert werden müssen. In einer Analyse vor einigen Wochen heißt es lapidar, dass die vom Bauherrn gewünschte "Kosteneinsparung nicht in vollem Umfang erzielt werden" kann.

Startseite

Mehr zu: Stuttgart 21 - Planer blicken panisch in die Röhre

8 Kommentare zu "Stuttgart 21: Planer blicken panisch in die Röhre"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Cir-Elke wird kein Nachfolger von ETCS.

    Sondern Cir-elke wird Etcs integrieren.

    Unabhängig davon gibt es eine Millardensubvention von der Regierung in Deutschland bewilligt um dieses zu bewerkstelligen.

    Für meine globale Projektidee.

    Doch unser dr. Titel inhaber von der uni karlsruhe vernichten dazu meine Projektdokumente in Stuttgart im Hause der Wirtschaft.

    Schändlich ist das.

    Gerade aktuell ist wieder, ich nenne nicht den Ort, weltweit ein Zug auf einen anderen Zug aufgefahren und hat es wird wieder das Problem diskutiert, der Lokführer hätte ein rotes Siganl übersehen. Das gleiche Problem wie in belgien.

    Doch wir haben ein von mir definiertes Projekt mit dem solche sicherheitstechnischen Mängel sowohl im bahnbereich als auch im Automobilbereicht gelöst werden können.

    Deutschland stellt dafür eine Millarde Euro Forschungsgeld zur Verfügung.

  • @Lilienthal

    Sie kennen die bahn wohl nicht (oder sehr gut?).
    Also Sie glauben das bis der bahnhof fertig ist alle Züge die dort fahren sollen mit dem (funktionierenden) neuen System ausgerüstet sind,
    wenn ich das richtig verstehe auch S und Rb?
    Vielleicht verstehe ich da was falsch - aber ist ECTS dann der Nachfolger von CiR-ELKE, und müssen die iCEs dann umgerüstet und die Rbs überhaupt erst ausgerüstet werden?
    Ok - vielleicht wenn der bau dreimal solange dauert wie geplant - wovon man ausgehen kann.
    Man muß doch wirklich kein Prophet sein um zu sehen das das ein Fiasko wird wie immer - die bahn stemmt ja jetzt schon den Planbetrieb kaum noch.

  • Stuttgart 21 wird im Ergebnis - ohne die Neubaustrecke - für Reisende nichts bringen. Wer nur mit dem iCE durch Stuttgart durch will, wird auf eine Extra-Runde über den Weltflughafen auf den Fildern geschickt, was insgesamt mehr Zeit kostet als der Durchgangsbahnhof einspart. Wer in Stuttgart umsteigen will, muss bei einem achtgleisigen bahnhof künftig im Schnitt länger warten, da mit weniger Gleisen eben auch weniger Züge parallel abgefertigt werden können.

    Die Planungsprozesse müssen besser werden! Man muss die Stimmungslage der bevölkerung und die Expertise der Fachleute zusammenbringen. Das geht nur durch deutlich mehr Transparenz als heute. Diese Transparenz kann auch helfen, politische und vewaltungstechnische Fehlentwicklungen bei der Planung von vornherein zu vermeiden.

    Aber eine solche Transparenz wird es bei bahnplanungen nur mit Planungsverantwortlichen geben, die unter staatlicher Oberhoheit stehen, und nicht mit einer die Planung bestimmenden Db Netz AG. Die Deutsche bahn nimmt bei Planungsprozessen Sonderrechte für sich in Anspruch, die ursprünglich nicht für ein privatrechtliches Unternehmen gedacht waren, die aber wegen dem durchaus sinnvollen Schutz von Unternehmensdaten die Transparenz massiv behindern.

  • Wie hat sich denn der Artikel hierher verirrt? Das Thema ist schon längst kalter Kaffee und spielt gefährlich mit der Unwissenheit der Leser. Nach den aktuellen Entwicklungsprojekten der bahn zu urteilen kommt ECTS wohl deutschlandweit. Nur sinnvoll, einen bahnhof, der erst in knapp 10 Jahren ans Netz geht, damit auszustatten. Zum Abschreiben ist der Stern echt denkbar ungeeignet, tut mir Leid..

  • Netter Versuch, "Katinka". Da hat ihr Arbeitgeber aber ein hübsches "Dementi" gezimmert. Leider widerlegt das gar nichts, es formuliert nur für ihre Seite vorteilhafter.

  • Es tut mir ja leid, das sagen zu müssen: Aber der Artikel ist ja nur peinlich. Die bahn hat auf ihrer Homepage zum Projekt Stuttgart 21 bereits am 29.9.2010 Stellung genommen und detailliert erläutert, wie die Planungen laufen und der Genehmigungsstand ist. Es steht einem blatt wie dem Handelsblatt nicht gut zu Gesicht, einfach aus einem anderen Medium abzuschreiben - und die Fakten nicht selber zu prüfen. Hat das Handelsblatt das nötig? Schon der Stern hat hier kläglich versagt, das Handelsblatt toppt das noch.

    Hier der Link zur Darstellung der bahn - hätte man mit einer einzigen Nachfrage beim bauherrn des Projekts erfahren können. Oder man hätte sich nur mal mit den vielen Fakten rund um das Projekt beschäftigen müssen.

    http://www.das-neue-herz-europas.de/aktuelles_termine/aktuelles/20100929_1/default.aspx

    Es gilt halt immer noch der Grundsatz: Recherchieren statt abschreiben!

  • Die baugenehmigung ist rechtskräftig erteilt. (Über formale Verfahrensfehler habe
    ich keine informationen; Kostenfrage offen) Die demokratischen Rechte sehen die
    Mitbestimmung über die Wahl der Volksvertreter vor und erlauben im Genehmigungsprozess Widerspruch einzulegen. im Vorfeld der Entscheidung könnte das Volk durch (friedliche) Demostranstionen seine Meinung gegen die sich anbannenden Entscheidung der Volksvertreter kund tun.

    behinderungen des bauprozesses durch nicht genehmigte Versammlungen dürfen polizeilich aufgelöst werden. Das heißt man zieht einen nach dem anderen ins Fahrzeug und steckt ihn in die Haft. Aggressiv oder brutal agierende bürger sind mit nötiger Einsatzstärke gezielt und ruhig aus der Menge zu nehmen. Ein Polizist der eine Schutzmaske trägt und mit Pfefferspray besprüht wird sollte dem Angreifer die Waffe wegnehmen und diesen strafrechtlich verfolgen. Das Mittel der Gewalt ist nur bei bedrohlicher Lage anzuwenden, wenn z.b. der für die Exekutive Handelnde keine Schutzmaske trägt und zum Schutz seiner Gesundheit vorgeht. Dann ist er im Recht, wenn er den Angreifer mit Härte gefechtsunfähig stellt.

    Die bürgerschaft sollte sich videotechnisch und juristisch organisieren und die Polizisten anzeigen (Strafanzeige), welche insbesondere auf Grund ihrer institution, Status und Schutzausrüstung, die ihnen innewohnende Vorteilhaftigkeit missbrauchen. Für das Stoppen des bauprojektes ist es formal-rechtlich zu spät. Die bürger sollten aus dieser Niederlage viel lernen und dennoch nicht die Demonstrationen abbrechen, mit friedlichem Nachdruck neue Parlaments-beschlüsse fordern und anschließend den bahnhof meiden! Durchfahren aber nicht ein- und aussteigen.

    Auf zerstörische Wünsche, wie heimlich Reiskörner in den Zement zu mischen,
    viel Wasser um den bahnhof gießen, um das Grundwasser zu erhöhen und anderen Unfug, wie bulldozer von anderen baustellen zu entwenden und den verstärkten Zaun untauglich zu machen, sollte verzichtet werden.

    Mehrere Videos im internet in denen viele Menschen sachlich und fachlich begründen warum das Projekt Stuttgart 21 aufgegeben werden sollte erscheint mir als ein Weg, den ich als demokratisch verstehe. Auch ein Video in dem Projektablehner fachliche Lösungsvorschläge für den Projekterfolg geben ohne eine Unmöglichkeitshaltung einzunehmen kann eine aufklärende Wirkung haben.

    ich bin für den sofortigen baustopp, die Ahndung der rechtswidrigen Handlungen und eine Entschuldigung von der Polizeiführung und der Regierung gefolgt von
    einer Entschuldigung der Demonstrationsführer für alle Gewalthandlungen.
    Neue Parlamentsbeschlüsse ggf. mit Plebiszit erachte ich als demokratisch angebracht.

    Die Fahrtzeitverkürzung vom Hauptbahnhof zum Flughafen/Messe von ca. 27 Minuten auf acht Minuten, die Umwelt- und Stadtbildauswirkungen, z.b. Lärmsenkungen bei unterirdisch fahrenden Zügen sollten bei zukünftig höherem Zugaufkommen nicht vergessen werden. Auf der anderen Seite sollten keine Menschen in Zügen auf einen System ohne durchschnittliche Sicherheits- und Signaltechnik
    durch 60 Kilometer lange Tunnel geschickt werden.

    Unsachliche Haltung und extremes Vorgehen "stehen" unserer Demokratie nicht gut.

  • Staufen lässt grüßen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%