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Stromleitungen in Niedersachsen

Überirdische Stromtrassen, die neu gebaut werden müssen, sorgen häufig für Ärger.

(Foto: dpa)

Suedlink Auf diesen Trassen wollen die Netzbetreiber ihre Leitungen verlegen

Die Stromautobahn Suedlink verbindet die Windräder im Norden mit der Industrie im Süden. Das Projekt wird nun konkret.
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BerlinRund 700 Kilometer von Norden nach Süden – und drohender Ärger: Die finalen Pläne der Netzbetreiber für die Stromautobahn Suedlink liegen vor. Tennet und TransnetBW präsentierten den voraussichtlichen Verlauf der Trasse von Schleswig-Holstein bis Bayern und Baden-Württemberg am Donnerstag in Berlin.

Suedlink soll Windstrom von der Küste in die Industriezentren in Süddeutschland bringen. Am Ende entscheidet allerdings die Bundesnetzagentur über den größtenteils unterirdischen Verlauf der Stromleitungen, um den Länder und Regionen heftig streiten.

Wo es langgeht

Suedlink soll vom südlichen Schleswig-Holstein westlich an Hannover und Göttingen vorbei über Nordhessen und Südthüringen bis Grafenrheinfeld in Unterfranken und zum Umspannwerk Großgartach bei Heilbronn führen.

Vor allem der Verlauf zwischen Hessen und Thüringen war umstritten. Die Thüringer Landesregierung hatte im Januar sogar Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht, damit der Alternativvorschlag zur Trassenführung auch durch Osthessen gleichrangig geprüft wird. Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke) teilte mit, man werde an der Klage festhalten. Hessens Regierung kündigte ihrerseits an, den neuen Vorschlag „intensiv“ zu prüfen.

Warum es dort langgeht

Die Netzbetreiber betonten, sie hätten sich bei der Auswahl an sachlichen Kriterien wie Wasser-, Natur- und Artenschutz oder auch Baugebieten orientiert, nicht an politischen Wünschen. Insgesamt wurden demnach 150 Kriterien in Betracht gezogen.

Menschen, Tiere und Pflanzen sollen möglichst wenig beeinträchtigt werden, etwa indem man nicht in Schutzgebieten oder Mooren buddelt. Aber auch Autobahnen und Schienen sollen vermieden werden – solche Verkehrswege zu kreuzen ist kompliziert und teuer.

Wie es weitergeht

Vom 28. Februar an legen die Unternehmen ihre Pläne der Bundesnetzagentur vor. Parallel wollen Tennet und TransnetBW die Bürger vor Ort über Hintergründe ihrer Streckenauswahl informieren. Es folgt eine Konsultation, während der die Bundesnetzagentur noch einmal Hinweise von Politik und Bürgern entgegennimmt.

Über einen ersten Abschnitt eines 1000 Meter breiten Korridors will die Behörde voraussichtlich Ende 2019 entscheiden, wie ein Sprecher sagte. Der konkrete, 30 Meter breite Korridor werde dann in einem Planfeststellungsverfahren bis 2021 festgelegt, 2025 soll Suedlink fertig sein und in Betrieb gehen.

Ob das klappt, ist nach Einschätzung der Unternehmen aber alles andere als sicher. Das sei das „Best-Case-Szenario“ ohne Verzögerungen etwa durch Gerichtsverfahren. Es wird also spannend, ob Bürgerinitiativen und Politik sich mit den Plänen abfinden – oder ob es viele Klagen und Proteste gibt.

Was genau passiert

Nach jetzigem Stand der Technik werden die Unternehmen acht Kabel, die 10 bis 15 Zentimeter dick sind, in etwa 1,80 Meter Tiefe vergraben, dafür braucht es einen Korridor, einen sogenannten Schutzstreifen, von etwa 30 Metern Breite. Während der Bauarbeiten muss der Korridor zum Baggern 40 bis 50 Meter breit sein. Hauptsächlich dürften die Kabel dann unter Feldern verlaufen, bei Heilbronn zum Beispiel aber auch durch Schächte der Südwestdeutschen Salzwerke.

Tennet und TransnetBW hoffen, rechtzeitig auf eine neue Technologie umsteigen zu können, mit der nur noch vier Kabel notwendig wären – dann wäre der Korridor nur noch halb so breit.

Was das kostet

Tennet und TransnetBW rechnen nach eigenen Angaben „konservativ“ mit zehn Milliarden Euro für Suedlink. Ursprünglich waren mal drei Milliarden geplant, denn eigentlich sollten die Trassen als Freileitungen mit Masten gebaut werden. Dann gab es Bürgerproteste, die Bundesregierung lenkte ein, die Leitungen werden nun größtenteils unterirdisch verlegt. Das hat seinen Preis.

Warum überhaupt

Notwendig sind „Stromautobahnen“ wie Suedlink und Suedostlink, weil Deutschland aus der Atomkraft und der Kohle aussteigt. Der Ökostromanteil von heute mehr als einem Drittel soll bis 2030 auf 65 Prozent steigen. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, muss der an Nord- und Ostsee erzeugte Windstrom dorthin fließen. Außerdem sollen die Supertrassen den Stromhandel mit Skandinavien und Osteuropa verstärken.

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  • dpa
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