Svenja Schulze „Der öffentliche Sektor muss beim Recycling eine Vorreiterrolle übernehmen"

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will Vorbehalte gegen recyceltes Material abbauen. Denn bislang kommt es zu wenig zum Einsatz.
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Aus gebrauchtem Plastik lässt sich sortenreines Material herstellen – wenn die Verpackung nicht zu kompliziert konstruiert ist. Quelle: AFP
Leere Wasserflaschen

Aus gebrauchtem Plastik lässt sich sortenreines Material herstellen – wenn die Verpackung nicht zu kompliziert konstruiert ist.

(Foto: AFP)

Kohleausstieg, Klimaziele, Fahrverbote: Das waren die ersten Themen, die für die SPD-Ministerin seit Amtsübernahme Mitte März im Fokus standen. Jetzt geht die 49-Jährige das Thema Recycling an, damit künftig mehr Abfälle aufbereitet und neu verwendet werden. Erstes Ziel auf ihrer Sommerreise am Donnerstag: die Hubert Eing Kunststoffverwertung GmbH im Örtchen Gescher im Münsterland.

Frau Schulze, das Verpackungsgesetz schreibt vor, dass ab 2019 mehr Abfälle recycelt werden müssen. Was muss geschehen, damit das gewonnene Material dann nicht für die Produktion von Parkbänken verwendet wird?

Die Bundesumweltministerin widmet sich im Sommer verstärkt dem Thema Recycling. Quelle: dpa
Svenja Schulze

Die Bundesumweltministerin widmet sich im Sommer verstärkt dem Thema Recycling.

(Foto: dpa)

Ich möchte eine Qualitätsoffensive zum Thema Recyclate starten. Wir schaffen es in Deutschland mittlerweile, sehr hochwertige Recyclate herzustellen, die in vielen Bereichen einsetzbar wären. Tatsächlich bleibt ihr Einsatz aber weit hinter unseren Erwartungen zurück. Das muss sich ändern.

Aber wie?
Der öffentliche Sektor muss eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir können bei unseren eigenen Beschaffungen auf Bundesebene dafür sorgen, dass vermehrt Recyclate zum Einsatz kommen. Gleichzeitig möchte ich aber auch bei der Industrie dafür werben. Es gibt noch immer Vorbehalte. Da existiert in vielen Köpfen die Vorstellung, Recyclate seien keine sauberen, einwandfreien Produkte. Das stimmt natürlich nicht.

Die Technik ist längst viel weiter. Es gibt hochwertige, sortenreine Recyclate. Wichtig ist nach meiner Überzeugung, schon bei der Entwicklung die Weiterverwendung und das Recycling eines Produktes mit zu denken. Schon mit dem Verpackungsgesetz wirken wir darauf hin, dass Kunststoff möglichst recyclingfähig und zugleich mit möglichst geringem Materialeinsatz verwendet wird. So lässt sich sicherstellen, dass Produkte besser recycelbar werden. Wenn klar wird, dass es etwas kostet, wenn ein Produkt nicht gut recycelbar ist, entsteht Innovationsdruck.

Wollen Sie bei den Unternehmen dafür werben oder wollen Sie es anordnen?
Ich will dafür werben, Recyclate einzusetzen. Der Druck kommt durch das Verpackungsgesetz rein. Dort wird eine hohe Recyclingquote vorgegeben und die Lizenzentgelte der dualen Systeme müssen die Recyclingfähigkeit und den Recyclat-Einsatz berücksichtigen.

In welchen Branchen bietet sich ein vermehrter Einsatz von Recyclaten an?
Grundsätzlich kommen natürlich alle Branchen in Frage. Interessant ist ganz sicher die Bauindustrie, aber natürlich auch die Fahrzeugindustrie oder die Hersteller von Elektrogeräten. Ungefähr die Hälfte der in Deutschland verbrauchen Kunststoffe werden für die Herstellung von Verpackungen gebraucht. Da bietet es sich an, in diesem Sektor Kreisläufe zu schließen. Recht erfolgreich wird das zum Beispiel schon bei Getränkeflaschen praktiziert. Aber auch dort gilt für mich: Lieber die ganze Verpackung wiederverwenden als nur das Material.

Vielen Dank für das Interview.

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