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T-Systems-Chef Adel Al-Saleh „Die Bundesregierung ist bei digitalem Gesundheitswesen auf einem guten Weg“

Adel Al-Saleh ist überzeugt, dass Digitalisierung das Leben der Patienten einfacher machen wird. Im Interview erklärt er, was jetzt zu tun ist.
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„Die Bundesregierung denkt den digitalen Wandel vom Patienten her, das ist absolut richtig.“ Quelle: dpa
Adel Al-Saleh

„Die Bundesregierung denkt den digitalen Wandel vom Patienten her, das ist absolut richtig.“

(Foto: dpa)

BerlinAdel Al-Saleh ist seit Januar 2018 Chef von T-Systems. Die Telekom-Tochter hat den Bereich Digital Health zu einer Priorität erklärt und ist am Aufbau des verschlüsselten Gesundheitsdatennetzes in Deutschland beteiligt. Al-Saleh sieht große Chancen durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens – für Unternehmen und für Patienten.

Herr Al-Saleh, in vielen Ländern ist der digitale Wandel im Gesundheitsbereich angekommen. Wo stehen wir in Deutschland?
Es gibt einigen Raum für Verbesserungen. Ob Arztpraxen, Apotheken oder Krankenkassen – vieles läuft im deutschen Gesundheitswesen noch analog ab. Wir haben jetzt nicht nur die Möglichkeit, zu anderen Ländern in Europa und in der Welt aufzuschließen. Wenn wir uns anstrengen, können wir sie auch überholen.

Ist das realistisch?
Mittlerweile ist die Bundesregierung auf einem guten Weg. Sie denkt den digitalen Wandel vom Patienten her, das ist absolut richtig. Es gibt aber noch viel zu tun, etwa die Einführung des E-Rezepts und der elektronischen Patientenakte. Wir müssen mit hoher Geschwindigkeit weitermachen.

Woher kommt der Rückstand?
Der Gesundheitsmarkt in Deutschland ist sehr fragmentiert, bei den Leistungserbringern ebenso wie bei den Kostenträgern. Der Rückstand wurde dadurch verschärft, dass die Gesetzgebung zu Gesundheitsdaten lange zögerlich war. Cloud-Dienste beispielsweise erlaubt das deutsche Gesundheitswesen erst seit Kurzem. Außerdem sind in Deutschland die Ansprüche beim Datenschutz viel größer als zum Beispiel in Großbritannien oder den skandinavischen Ländern. Dieser kulturelle Faktor bei der Nutzung von digitalen Technologien existiert sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten.

Es ist doch verständlich, dass die Menschen sensible Informationen zu ihrer Gesundheit schützen wollen.
Natürlich. Deshalb ist das Netz für Gesundheitsdaten hochgradig verschlüsselt. Die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI) gilt als weltweit bestgeschützte öffentliche Infrastruktur für ein Gesundheitswesen. Der Bund stuft das Gesundheitsdatennetz als kritische Infrastruktur ein, es hat also denselben Stellenwert wie Flugverkehr oder Energieversorgung.

Dennoch können Sicherheitslücken nicht ausgeschlossen werden.
Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben. Aber am Schutz der Gesundheitsdaten wird jeden Tag gearbeitet, um das System noch besser abzuschirmen. Wenn Papierunterlagen zu meiner Gesundheit in der Arztpraxis liegen, kann das Schloss einfach aufgebrochen werden. In digitaler Form ist der Zugang zu den Daten gleich mehrfach verschlüsselt und abgesichert. Das gilt auch für einen künftigen mobilen Zugriff etwa über Smartphones. Viele Menschen wickeln heute schon ihre Bankgeschäfte über Apps ab, weil sie der Verschlüsselung vertrauen. Ich bin überzeugt: Das wird bei den Gesundheitsdaten in Zukunft ebenfalls so sein.

Noch sind viele Anwendungen in Deutschland Zukunftsmusik. Der Aufbau des Gesundheitsdatennetzes ist im Verzug.
Keine Frage, der Aufbau der Telematikinfrastruktur muss mehr Fahrt aufnehmen. Wir hören im Markt, dass der Verkauf der Technik insgesamt noch hinter den Erwartungen liegt. Die Sorge vor Komplexität und Datenschutz bremst. Hier müssen Industrie, Selbstverwaltung und Politik weiter Überzeugungsarbeit leisten. Aus unserer Sicht lässt sich die neue Frist für Arztpraxen zum Anschluss an das Datennetz bis Ende Juni aber einhalten.

Was ändert sich für die Patienten, wenn Digital Health zunehmend in die Versorgung Einzug hält?
Die Digitalisierung wird das Leben der Patienten einfacher machen. Zum Beispiel beim elektronischen Rezept, wenn sie nicht mehr mit einem Stück Papier zur Apotheke gehen müssen. Auch von einem besseren Datenaustausch zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern werden am Ende die Patienten profitieren. Die Telemedizin ermöglicht es Menschen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit, sich behandeln zu lassen, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen. Langfristig werden die Daten schließlich helfen, bessere Therapien und Arzneimittel zu entwickeln. Das wird die Gesundheit der Menschen verbessern und ihre Lebensdauer verlängern.

Werden Algorithmen irgendwann an die Stelle von Ärzten treten?
Ich komme aus einer Arztfamilie. Nicht zuletzt deswegen glaube ich, dass man den Arzt nie wird ersetzen können. Die Erfahrung und das Wissen bei der Behandlung von Patienten, aber auch der emotionale Bezug sind unverzichtbar. Allerdings kann die ärztliche Behandlung durch die digitalen Werkzeuge besser und effizienter werden. Warum sollten Mediziner lange recherchieren, wenn bessere Informationen dank Künstlicher Intelligenz schnell verfügbar sind? Warum sollte ein Chirurg während einer Operation nicht von einem erfahreneren Kollegen, der vielleicht am anderen Ende der Welt sitzt, in Echtzeit Unterstützung bekommen?

Herr Al-Saleh, vielen Dank für das Interview.

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