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Talk bei Maybritt Illner Vom „Fetisch“ der Schwarzen Null

Es war eine seltsame Sendung, die Maybrit Illners Diskussion über eine mögliche Wirtschaftskrise bot. Die streitbaren Gäste überraschten dabei auf eine andere Art als Moderatorin und Zuschauern lieb gewesen sein kann.
17.10.2014 Update: 17.10.2014 - 08:35 Uhr 22 Kommentare
Streithähne zahm: Moderatorin Maybritt Illner (links) mühte sich vergebens, Feuer in die Diskussion ihrer Gäste – hier Volker Kauder und Susanne Schmidt – zu bringen. Quelle: Screenshot

Streithähne zahm: Moderatorin Maybritt Illner (links) mühte sich vergebens, Feuer in die Diskussion ihrer Gäste – hier Volker Kauder und Susanne Schmidt – zu bringen.

(Foto: Screenshot)

Berlin Falls es ein rein schriftliches Gesprächsprotokoll von Maybrit Illners Talkshow mit dem Titel „Der Traum vom Wirtschaftswunder – bitteres Erwachen für Deutschland?“ gibt, müssten Leser den Eindruck haben, dass es ganz schön hoch hergegangen ist.

Es fielen Äußerungen wie: Der einzelne könne angesichts der zurückgenommenen Wachstumsprognose nicht viel mehr tun, „als schon mal zwei neue Löcher in den Gürtel bohren“. Ja, die Bürger hätten „das Gefühl, sie sind auf der Geisterbahn“. Allein durch die minimalen Zinsen verlören deutsche Sparer „40 Milliarden Euro an Kaufkraft pro Jahr“, und die Europäische Zentralbank (EZB) sowie „jener Italiener mit dem schönen Namen Draghi“ betrieben „Politik für die Länder des Südens“, „für marode Staaten und marode Banken“.

Hierzulande sei die der schuldenfreie Haushalt, die Schwarze Null, für die vor allem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble – manchmal mit euphorisiertem Lächeln überlebensgroß im Studiohintergrund eingeblendet – kämpft, „zu einem Fetisch geworden“. So isoliert, wie wir daher zurzeit „in der ganzen Welt“ dastehen, ist „Deutschland gerade als Geisterfahrer unterwegs“?

Wer die Show gesehen hat, weiß, dass es nicht hoch hergegangen ist. Alle zitierten Äußerungen kamen von der munter zupackenden Moderatorin Illner selbst, die ihre Gästerunde zum Streit anstacheln wollte. Das gelang jedoch nicht. Vielmehr trat eine ganz große Koalition sämtlichen Geisterbahn-Geisterfahrer-Ängsten entgegen.

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    Die allgemeine Besonnenheit konnte durchaus überraschen. Schließlich hat Illner gestählte Talkshow-Streiter eingeladen, die es souverän beherrschen, mindestens eine Minute mit stahlhartem Blick in konstanter Lautstärke weiterzureden, während andere Gäste und die Moderatorin ebenfalls reden.

    Diese Qualität demonstrierten Hans Werner Sinn vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, die Linken-Parteivorsitzende Katja Kipping und Industrieverbands-Präsident Ulrich Grillo auch am Donnerstagabend. Bloß richtig streiten mochten sie nicht miteinander.

    Es sei eben wie beim Fußball, sagte Grillo: „Gestern Weltmeister, heute kämpfen wir um die Qualifikation für die Europameisterschaft". Daran, dass Deutschland sich nicht qualifizieren könnte, glaubte im Studio offenkundig niemand.

    Euro-Pessimismus light
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    22 Kommentare zu "Talk bei Maybritt Illner: Vom „Fetisch“ der Schwarzen Null"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Was nützt denn uns eine "schwarze Null", wenn gleichzeitig die EZB nahezu wertlose Schrottpapiere für 1 Billion Euro aufkauft?
      Deutschland ist schließlich daran mit mindestens 27% beteiligt.

    • Illner schaue ich mir schon lange nicht mehr an. Seit ihrer Heirat des ehem VV kommt mir ihr Verhalten nur noch heuchlerisch vor.
      Die Zurückhaltung Sinns in den letzten Monaten ist auffällig und dürfte politischem Druck geschuldet sein. Auch er hängt schließlich am Tropf öffentlicher Aufträge.
      Das eigentliche Debakel um Währungsstabilität begann mit der Wiedervereinigung. Pöhl, einer der fähigsten Bundesbankpräsidenten, hatte sich erlaubt, Kohl zu kritisieren. Kohl rächte sich in gewohnter Manier durch unbotmäßige Einflussnahme in die Arbeit der BB, was zum Rücktritt Pöhls führte. Diese unglückselige Gängelung der BB durch die Politik besteht mE heute noch, ist aber seit Bestehen der EZB von untergeordneter Bedeutung. Bei der EZB scheinen deutsche Interessen kaum eine Rolle zu spielen und da versagt eigentlich nicht nur die Kanzlerin, sondern auch der Außen- und der Finanzminister! Draghi kauft als erstes italienische Ramschpapiere auf, das sagt doch schon alles.

    • Mich wundert, dass man einen H. Sinn immer noch in solche Sendungen lässt. Der lebt doch eh in seiner eigenen Welt, wo Paketfahrer für einen Stundelohn von 3,50 € bis zum 80. Lebensjahr arbeiten müssen.

      Als Spin-Doctor hat er sich spätestens da völlig lächerlich gemacht, als er mit seiner "Energiewende ins Nichts" eine Stunde den Bau von x-hundert Pumpspeicherkraftwerken als völlig unmöglich gegeißelt hat, da ihm offenbar niemand gesagt hatte, dass derartige Projekte weder geplant noch beabsichtigt noch von irgend einem Menschen in Deutschland als Möglichkeit ins Auge gefasst worden sind.

    • Enttäuscht hat mich Sinn, da war nichts mehr von streibar, wie man ihn sonst kennt. Von wem wurde der Mann denn so sediert?
      Und Frau Schmidt? Sie hat eigentlich nichts beigetragen.
      Und das Grillo natürlich das TTIP-Abkommen schnellstens möchte, hat mich nicht überrascht
      Alles in allem eine doch eher flache Sendung

    • @ Herr Neuer Neumann

      >> Deutschland gehört offenbar zu den wenigen handerlesenen Staaten, die ihre wirtschaftlichen Erfolge nicht durch monetäre Staatschulden lösen wollen, sondern durch Leistung. <<

      Selten einen größeren Unsinn gelesen. Deutschland hat über 2,2 Billionen € Schulden ===> fast 80 % des BIP's.

      60 % sind laut Maastrichtkriterien zuläßig. Und Sie verbreiten Dampfblasen, Deutschland will offenbar seine Schulden durch Leistung abbauen ..?

      Wie....???????????

      >> Das empfinden natürlich einige Leute, die weder ihr eigenes Land besonders mögen, noch ihre eigene Situation darin, noch überhaupt so etwas für sie Ekelhaftes wie die "Marktwirtschaft" als: propagandistische Floskel. >>

      Das ist wohl ein billiger Versuch, die menschliche Vernunft und den gesunden Menschenverstand in eine prekäre Ecke zu stellen. Erbärmlich, H. Neumann !

      >> Aber das ist ja ganz offensichtlich so, dass es in Deutschland wirtschaftlich besser läuft als in Staaten, die im Schuldensumpf versinken <<

      Selten so einen Unsinn über das verschuldete Deutschland gelesen. Stellen Sie mal Ihren Vergleich mit Norwegen, der Schweiz....oder sogar Russland an ( die haben eine Staatsverschuldung von 3,8 % ), dann geht Ihnen evtl. ein Lichtlein auf.

      >> Und, um auf Ihre Frage einzugehen, die "Kranken" um einen herum werden ganz bestimmt nicht gesünder, wenn man selbst auch krank wird. <<

      Durch die Kranken herum WERDEN SIE ABER NUR KRANK ( Ansteckung ).

      Sie können nur gesund bleiben, wenn Sie sich von diesen Kranken lösen, distanzieren, letztendlich abschotten !

      Eine andere Möglichkeit gibt es nicht ( siehe Ebola, Quarantäne ist wichtig ).

      Sie haben hier eine Menge Nonsens verfasst, Verehrter !

    • Was für wahnsinniger Unsinn, Herr Queri.
      Deutschland gehört offenbar zu den wenigen handerlesenen Staaten, die ihre wirtschaftlichen Erfolge nicht durch monetäre Staatschulden lösen wollen, sondern durch Leistung.
      Das empfinden natürlich einige Leute, die weder ihr eigenes Land besonders mögen, noch ihre eigene Situation darin, noch überhaupt so etwas für sie Ekelhaftes wie die "Marktwirtschaft" als: propagandistische Floskel.

      Aber das ist ja ganz offensichtlich so, dass es in Deutschland wirtschaftlich besser läuft als in Staaten, die im Schuldensumpf versinken.

      Und, um auf Ihre Frage einzugehen, die "Kranken" um einen herum werden ganz bestimmt nicht gesünder, wenn man selbst auch krank wird.
      Die Logik wird selbst der letzte Begriffsverdreher nicht aus den Angeln heben - es sei, denn er erklärt einfach das Gesunde für krank, das ist natürlich auch eine Lösung.

    • Zukunft? Zukunft:


      Wenn man die impliziten Staatsschulden durch das gesetzlichen Renten-, Pflege- und Krankenversicherung in die Staatsverschuldung mit hinein rechnet, sind wir in Deutschland von einer "schwarzen Null" so weit entfernt, dass die gesamte Diskussion wie blanker Hohn wirkt.

      Linken wird es natürlich immer gelingen, durch entsprechende Begriffsverdrehungen Schulden als Investitionen in die Zukunft zu verschönern, aber das ganze, was wir hier verhandeln, ist nichts anderes, als eine Kultur der Enteignung, die wir so weit getrieben haben, dass wir sie programmatisch auf die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder ausgedehnt haben.

      Und wenn die Rechnung nicht aufgeht, verändern wir eben eben noch schnell die Geldpolitik und zerstören das Geldwesen.

    • @ Herr Gerrit Judith


      >> die Situation doch objektiv gar nicht so miserabel ist <<

      Ihrem Beitrag zu entnehmen, befinden Sie sich auf einer Insel der Glückseligkeit.

      Rundherum brennt die Erde ( Südländer, Ostblock, Ostdeutschland ), und Sie wollen nichts merken ?

      Oder glauben Sie, durch all die Kranken herum wird man gesünder ?

      Ihr Kommentar ist eine propagandistische Floskel !



    • "Andererseits, den Eindruck, dass ein breites Spektrum wirklich unterschiedlicher Meinungen vertreten war, machte die seltsame Sendung nicht."

      In den Medien, das HB eingeschlossen, scheint es ganz offensichtlich einen "Fetisch" dafür zu geben, die Konjunktur und allg. wirtschaftliche Lage in Deutschland schlecht zu reden, schlechter als sie ist. Warum wollen wir unbedingt unterschiedliche Meinungen zur Wirtschaftslage, also Subjektives, wenn die Situation doch objektiv gar nicht so miserabel ist, wie versucht wird uns glauben zu machen?

    • Natürlich hat Otto-Normal-Grieche nichts von den Mrd. EUR-Transfers, genauso in den anderen Pleite-ClubMed-Staaten. Allerdings gibt es nach wie vor ein großes Eliten-Problem in diesen Ländern, Korruption und Vetternwirtschaft sind die Stichworte.

      Unseren Politikern muss man vorwerfen, dass sie nur allzu naiv den deutschen Bürger an diese strukturell kaputten Gesellschaften verkauft hat.

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