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Talkrunde "Anne Will" „Kanzler kann zu Guttenberg nicht mehr werden“

Bei Anne Will versammelten sich am Sonntagabend Ankläger und Verteidiger des affärengeplagten Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg. Schwere Geschütze wurden aufgefahren - haltbar war davon aber das Wenigste.
  • Johannes Bockenheimer
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Düsseldorf Schwere Zeiten für den Adel: In den arabischen Ländern rüttelt das Volk am Thron der Monarchen, in Deutschland wackelt der Posten von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Motivationen sind freilich gänzlich andere: Während sich in Bahrain oder Jordanien der Zorn über jahrzehntelange Willkürherrschaft Bahnen bricht, arbeitetet sich der deutsche Wutbürger an der Doktorarbeit des umfragenverwöhnten CSU-Politikers ab. Der Baron soll abgeschrieben haben, beschuldigen ihn seine Kritiker.

„Doktor Guttenberg - alles nur geklaut?“ fragte Anne Will am Sonntagabend daher ihre Gäste. Die Runde geriet zur Anklagebank für den ambitionierten Politiker: Einer der Gäste, Regisseur Dieter Wedel vermutete eingangs ein „Inquisitions-Gericht“ am Werke und machte gar einen „Pogrom“ gegen Minister Guttenberg aus.

Zu Wills Rechten hatten sich derweil der Chefankläger des Tribunals positioniert: SPD-Politiker Karl Lauterbach. Guttenberg habe „bewusst getäuscht“ und es grenze an Realitätsverlust, wenn der Verteidigungsminister das angesichts der erdrückenden Beweise noch leugne, sagte der Mann, der beinahe mehr Doktortitel hat, als Guttenberg Vornamen. Assistiert wurde Lauterbach von Stern-Journalist Hans-Ulrich Jörges: Guttenbergs Dissertation sei nichts anderes als ein großes Plagiat, „das kann man jetzt schon sagen“, so der Journalist.

Nachdem derart große Geschütze aufgefahren wurden, hätte Guttenberg starken Zuspruch bitter nötig gehabt. Doch daraus wurde nichts. Seine Verteidigung war mit Parteikollegin Monika Hohlmeier äußerst schwach aufgestellt. Die Ex-Kultusministerin hatte vor sechs Jahren selbst den Hut nehmen müssen, nach Vorwürfen, sie habe von gefälschten Aufnahmeanträgen und Stimmenkauf in der CSU-Affäre gewusst.

Kein Wunder also, dass Hohlmeier Milde walten ließ. Guttenberg habe zwar Fehler gemacht, sagte Hohlmeier, doch die Größenordnung halte sie für unverhältnismäßig. „Ich habe den Eindruck, es geht überhaupt nicht um die Arbeit“, sagte sie, den Grund für den Aufruhr ortete sie an ganz anderer Stelle: „Er ist der Opposition ein Dorn im Auge.“ Von diffusen Beschuldigungen der Opposition abgesehen, gelang es der Politikerin jedoch nicht, ihren CSU-Kollegen zu entlasten.

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