Talkrunde bei Günther Jauch „Herr Jauch, da muss ich reingrätschen“

Bei Günther Jauch tobte der Kampf ums Betreuungsgeld. Wobei die versammelte Jungpolitikerschar erstaunlich sachlich miteinander gestritten hat. Ein aufgeregter Wissenschaftler las dem Nachwuchs allerdings die Leviten.
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In der Talkrunde von Moderator Günther Jauch wurde dieses Mal rund um das Thema Betreuungsgeld diskutiert. Quelle: dpa

In der Talkrunde von Moderator Günther Jauch wurde dieses Mal rund um das Thema Betreuungsgeld diskutiert.

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Jeder der Gäste in Günther Jauchs ARD-Sendung zum Thema "Kinderzimmer statt Kita - die Betreuungslüge der Koalition?" hatte mindestens ein Kind, manche auch mehrere. Das stellte der Moderator zu Beginn gleich klar. Dann ging es um familienpolitische Weichenstellungen für 2013: einerseits den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, andererseits das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld für solche Eltern, die ihre Kleinkinder lieber zu Hause betreuen. Wer sich mit dem Themenfeld noch nicht intensiv beschäftigt hatte, wurde zumindest über die Haltungen von Unionsparteien und SPD ganz gut informiert.

Das Betreuungsgeld sei "kein Gegen-, sondern ein Ergänzungsmodell" zum Kita-Ausbau, beteuerte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt immer wieder gern. Die "enorme Arbeit" der Erziehung "muss dem Staat auch etwas wert sein", und Eltern müssten "Wahlfreiheit" haben, ob sie ihre Kinder zu Hause betreuen oder in Kitas betreuen lassen. 

Die SPD-Familienpolitikerin Manuela Schwesig und Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern, brachte ihre Gegenargumente mindestens so höflich ("Da muss ich reingrätschen. Sorry, Herr Jauch") wie der CSU-Mann vor: Das Betreuungsgeld solle Eltern von der Suche nach Kitaplätzen abhalten; und dass Hartz IV-Empfänger die Prämie nicht bekommen sollen, sei eine "Sauerei". 

Zur Seite sprang ihr der Wissenschaftler in Jauchs Talkrunde. Stefan Sell, Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Fachhochschule Koblenz, argumentierte scharf und erregte sich auch mal eruptiv ("Ich bekomm wirklich die Krise!"). Er nannte den Betreuungsgeld-Plan eine "sozialpolitische Schweinerei", kannte negative Erfahrungen aus Schweden, Norwegen und auch Thüringen und skizzierte so plakativ, wie es Talkshows belebt, mögliche Szenarien: Wenn Eltern erst das Betreuungsgeld winkt, könnten gutverdienende Zahnarzt-Ehepaare ukrainische Aupair-Mädchen anheuern. Wenn erst der Kitaplatz-Rechtsanspruch besteht, könnten Kommunen aus Furcht vor Klagewellen zu "Billigstlösungen" greifen, um Kitaplätze anzubieten, daher sei "Kindeswohlgefährdung" zu befürchten. 

Ein Duell der alten Volksparteien
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37 Kommentare zu "Talkrunde bei Günther Jauch: „Herr Jauch, da muss ich reingrätschen“"

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  • Ich finde es sehr merkwürdig, dass ein Staat, der stehenden Fußes pleite ist, auf die Idee kommt, den Bürger dann zu belohnen, wenn er eine kostspielige staatliche Leistung nicht in Anspruch nimmt! Wenn der Staat fahrlässigerweise Rahmenbedingungen zuläßt, die das beliebte deutsche Uraltmodell der 1-Ernährer-Familie obsolet werden läßt, muß er kostspielige Kitas schaffen. Übrigens - wie wäre es mit der vernünftigen Reihenfolge: erst Erzieher ausbilden, dann die Container aufstellen?

  • Von Bundesregierung geplantes Betreuungsgeld für solche Eltern, die ihre Kleinkinder lieber zu Hause betreuen.
    +++++++++++++++++++++++++++++++++++++

    Hilfe…
    Hilfe…
    Hilfeeeeeeeee…

    Dann gnade uns Gott, wenn diese Vollpfosten das durchziehen!

    Dann wird es nicht viele Jahre dauern und wir haben auf unseren Straßen die Kopftuchinvasion. Dann werden uns schon 6 jährige mit Kopftuch in unserem Straßenbild beglücken…


    Politiker schaffen Deutschland ab!


    … der Gottesstaat NAHT!

  • kuac
    Also Kinder für die Rente. Aha, also nicht, weil Kinder was Schönes sind
    Früher hieß das mal Kinder für den Führer.
    Wo also ist der Unterschied?

  • @margrit117888
    Ihr Urteil ist sehr pauschal. Kinder werden nicht durch den Staat betreut, sondern durch individuelle BetreuerInnen. Diese können zu jeder denkbaren legalen politischen Parteien gehören.
    Wozu kriegt man dann noch Kinder? Vielleicht damit Ihre Rente bezahlt werden können.

  • @ASche
    Haben Sie schon Ihr Parteiprogram gelesen? Die AUF Partei wirbt für mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt wie etwa beim Kündigungsschutz oder den Tarifbedingungen. Da, dann die Löhne sehr gering wären, fordert die AUF Partei eine Lohnsubvention durch den Steuerzahler. Das kling wie ein Chimera zwischen der FDP und der Links Partei. Nicht praktikabel!!

  • Richtig. Und radikalfeministische Alt-68-erinnen Ihre kranken Schulmädchenträume, mit der sie unentwegt Normalbürger gängeln.

  • malvin
    Also schön nach dem Motto "Kinder kriegen und ab in die KITA, in die Staatsbetreuung"
    Zu was bekommt man dann noch Kinder?

  • Die von Ihnen genannten Linksparteien (CDU, FDP, SPD, GRÜNE, LINKE, PIRATEN) werde ich alle nicht wählen, sondern die Partei AUF. Die tun was für Familien und wollen einen Staat, der auf christlichen Werten bruht.

  • Wenn Sie schon die Bibel zitieren, die sicher ein Buch mit weisen Erfahrungen ist, sollten sie auch darauf hinweisen, dass die Frau nicht Untertan solcher Männer sein kann, die degeneriert zu gierigen Geiern oder verkommenen Hunden ohne Ziel und Moral geworden sind, wie man sie in jeder "guten Gesellschaft" heutzutage massenhaft antrifft.

  • Jeder Besitzer eines Kindes ( Eltern kann man im Zeitalter der Homo Ehen nicht eindeutig zuordnen) erhält ein simples Kindergeld, das nach Einkommen des Besitzers gestaffelt ist. Z.B. bei Einkommen bis 1500 euro, bis 3000 euro, bis 4500 euro brutto, danach gibt es kein Kindergeld mehr. Was im einzelnen der Besitzer mit dem Geld tut, ist in seiner Verantwortung, da uns die Politiker manchmal sagen, dass wir mündige Erwachsene seien.

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