Talkshow-Sonderausgabe Panoptikum der Wulff-Kritik bei Günther Jauch

Von der Salamitaktik bis zum Mücken-Popo: Emotional und fahrig wurde am Freitagabend in einer Sonder-Talkshow zum Rücktritt noch einmal über den neuen Ex-Bundespräsidenten diskutiert.
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Sonderausgabe: Günther Jauchs Talkshow befasste sich mit dem Rücktritt Christian Wulffs. Quelle: dpa

Sonderausgabe: Günther Jauchs Talkshow befasste sich mit dem Rücktritt Christian Wulffs.

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BerlinDass Christian Wulff in den letzten Wochen und Monaten zu selten Thema war, lässt sich den Medien wirklich nicht vorwerfen. Am Freitagabend in der ARD aber ging es anlässlich des Rücktritts noch einmal ganz besonders hoch her: Zwischen den selbstverständlich Wulff-lastigen Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ wurden ein „Brennpunkt“ und eine Sonderausgabe von Günther Jauchs Talkshow zum selben Thema gerückt.

Jauchs Sendung begann recht spektakulär: Bei der gewohnten Vorstellung der Gästerunde zeigte die Kamera unter anderem einen leeren Sessel. Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim war zum Sendebeginn noch gar nicht eingetroffen, schließlich zählt zu den weiteren aktuellen Themen ein Fluglotsenstreik. Erst nach einer halben Stunde meldete sich von Arnim dann - tatsächlich recht überraschend - erstmals zu Wort.

Ansonsten hielten sich Überraschungen in Grenzen, auch wenn mit dem Großburgwedeler Dirk Rossmann ein bislang eher selten in Talkshow-Erscheinung getretener Freund aus der Wirtschaft die Rolle des bedingten Wulff-Verteidigers eloquent ausfüllte. Sicher seien die Urlaubseinladungen reicher Freunde, denen Wulff gefolgt war, "problematisch", doch an der Darstellung der "so genannten Kreditaffäre" in den Medien übte der Drogeriemarktketten-Chef vehement Kritik.

Diesem Vorwurf begegnete Nikolaus Blome ebenso entschieden. Der stellvertretende Chefredakteur der „Bild“-Zeitung verwies auf die "grob irreführende" Auskünfte, die das nunmehrige Ex-Staatsoberhaupt dem niedersächsischen Landtag über seinen Kredit gegeben habe - und gab damit ein wesentliches Thema vor: einmal noch die bekanntesten Vorwürfe gegen Wulff Revue passieren zu lassen.

Ganz besonders Claudia Roth stieg darauf ein. Die „Salamitaktik, die Geschichte mit dem Handy“ zählte sie unter vielem anderen atemlos auf. „Dass ich nicht empfunden habe, dass er weiß, warum er zurückgetreten ist“, das war ihr Problem mit Wulffs Rücktrittserklärung vom Vormittag. Wie gewohnt ersetzte die Grünen-Vorsitzende Wortmächtigkeit durch leicht überkandidelte Betroffenheit sowie lustige Handbewegungen.

Für den unmittelbaren „human touch“ hatte die Jauch-Redaktion jedoch Günther Beckstein ausfindig gemacht. Der ehemalige, 2008 ebenfalls quasi zurückgetretene Ministerpräsident Bayerns sollte Jauch erklären, wie es denn so sei „im ersten Moment, wenn man kein Auto mehr und keine Bodyguards hat“. Er tat das auch ausführlich.

Gelegentlich bildeten sich interessanten Fronten. Als der einstige Bundesinnenminister Gerhart Baum, immerhin FDP-Mitglied, auch noch den uralten Wulff-Vorwurf der Farb- und Standpunktlosigkeit („Man hat mit ihm ja eigentlich nie etwas verbunden“) hervorholte, schwang sich „Bild“-Mann Blome zum Verteidiger des Niedersachsen auf („Er war nicht einmal ein schlechter Bundespräsident“). Dabei deutete er an, noch am Donnerstag bei einem „Hintergrundgespräch“ mit Wulff „zu einem ganz anderen“, europapolitischen Thema gewesen sei. Leider hakte Jauch an dieser spannenden Stelle nicht ein, sondern blieb bei zusehends absurd anmutenden vorbereiteten Fragen („Wenn Wulff so sicher war, "dass er aus der Nummer herauskommt, hätte er dann nicht durchhalten müssen?“).

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6 Kommentare zu "Talkshow-Sonderausgabe: Panoptikum der Wulff-Kritik bei Günther Jauch"

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  • Genau so ist es!
    Einfach ekelerregend, dieser Typ aus der Jauche.
    Meinungsfreiheit ist zu Meinungsmanipulation motiert!!!!

  • In der Angelegenheit Koehler wie auch Wulff habe ich die beklemmende Feststellung machen müssen, welche Macht die Medien haben und mit welcher Wucht sie diese auch nutzen.Sind sich die Medien eigentlich darüber klar, wie sehr auch sie dem Amt des BP gechadet haben, mit ihrer Hatz?

  • Von perfiden Medienkonzeren gekaufte und gleichgeschaltete Journalisten treten unter der Maske der politischen Korrektheit als Gutmenschen mit Moral auf - degenerierte Poliker und Journalisten spielen sich den Ball der Meinungsführerschaft in den Medien zu und Ignorieren den Bürger wo und wie es eben geht!

  • @Weltenbummlerin
    Ich freue mich sehr, dass Sie das auch so sehen. Man muss sich nur das Betroffenheits-Gesicht dieses Herrn ansehen. Er moderiert nicht nur, wie man es von ihm erwarten muss. Er ergreift auch regelmäßig Partei wenn es die linke Position zu verteidigen gilt. Dann wird gnadenlos unterbrochen. Man ist schließlich überzeugter 68er.

  • Dieser peinliche Mensch produziert Talkshows für geistige Schrebergärtner, einfach zum Abschalten!

  • Unsere Medien in Europa sind ausser Kontrolle geraten. Die Jounalisten fühlen sich ganz besonders der Demokratie und Meinungsfreiheit verbunden. Tatsächlich arbeiten sie aber in Medienkonzernen, die bei der Jagd nach Umsatzsteigerung und Einschaltqouten alles skandalisieren und dabei auch noch die Üffentlichkeit manipulieren. In Griechenland werden die Deutschen von den Medien als Schuldige für deren Sparmaßnahmen und als Nazis hingestellt. In Deutschland werden die Faulen Griechen von den Medien angeprangert. Wegen 258,- Euro Hotelkosten und angeblichen Insider-Informationen über den Porschedeal wird über die Medien ein Bundespräsident zum Rücktritt gezwungen. Merkt der Bürger eigentlich noch, was da vor sich geht, beim alltäglich Mediensturm der auf ihn hereinprasselt?

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