Talkshow von Anne Will „Jetzt geht das Niveau wieder voll in den Keller!“

Mehr als nur die üblichen Verdächtigen bei Anne Will: Neben sehenswerten Rededuellen zwischen Martin Lindner und Sarah Wagenknecht verblüffte die Talkshow zum Thema Griechenland auch mit ein paar Erkenntnismomenten.
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Sahra Wagenknecht lieferte sich mit Martin Lindner von der FDP bei der Talkshow Anne Will ein Streitgespräch. Quelle: dpa

Sahra Wagenknecht lieferte sich mit Martin Lindner von der FDP bei der Talkshow Anne Will ein Streitgespräch.

(Foto: dpa)

Ja, war denn gestern schon Donnerstag? Statt wie gewohnt donnerstags bei Maybrit Illlner im ZDF wurde am Mittwochabend in Anne Wills ARD-Talkshow über die Griechenland-Krise diskutiert - mit kampferprobten Talkshow-Haudegen wie Martin Lindner (FDP) und Sahra Wagenknecht (Die Linke) sowie Illners Quasi-Stammgast Dirk Müller. Und auch die Idee, einen im Fernsehen unverbrauchten recht jungen Journalisten wie Michalis Pantelouris in solch eine Talkrunde voller üblicher Verdächtiger einzuladen, hätte man eher bei Illner erwartet. Bloß Hemdenhersteller Wolfgang Grupp verbreitete allerklassischstes Talkshow-Feeling.

Pantelouris, im Internet unter anderem als Betreiber des Medienblogs mit dem provokanten Titel print-wuergt.de bekannt, bekam zum Thema "Griechenland brennt, Deutschland zahlt - Euro-Rettung um jeden Preis?" das erste Wort. Der 37-jährige, dessen Schwester in Athen lebt, meinte, Deutschland würde schon "bei sehr viel weniger Sparprogramm wirklich brennen".

Im Anschluss begann die Runde der Talkshowveteranen, bestens bekannten Argumente zum Thema Griechenland auszutauschen. So kamen zur Sprache: Griechenlands Staatsquote (Lindner), dass es vor 14 Jahren ein Politikerfehler gewesen sei, Griechenlands damals gefälschte Bilanzen zu akzeptieren (Grupp), dass der Fehler des damaligen Reichskanzlers Brüning, in der Krise der frühen 1930er Jahre zu sparen, katastrophale Folgen gehabt hatte (Müller), dass die Kredite in Wahrheit bloß dazu dienten, die "angebliche Zahlungsfähigkeit" des Landes gegenüber seinen Gläubigern aufrechtzuerhalten (Wagenknecht), dass Griechenlands Problem auch darin bestünde, als Mitglied der Euro-Zone nicht währungspolitisch so handeln zu können, wie es nichteuropäische Staaten in ähnlicher Lage ja taten (Heiner Geißler).

Lauter derart unbestreitbare Argumente, dass der wie immer blendend gekleidete Wolfgang Grupp (der sich nicht allein wegen generell hoher Talkshowpräsenz für die Sendung qualifiziert hatte, sondern auch, weil der "größte Garnlieferant" seines Unternehmens Trigema ein griechisches Familienunternehmen sei), gerne allen Mit-Talkern "in allem, was Sie gesagt haben", recht geben wollte. Jedoch fielen die Vorschläge, was denn aktuell zu tun sei, erwartungsgemäß gegensätzlich aus.

Auswege bestünden etwa in einem radikalen Schuldenschnitt für Griechenland und der Vermeidung des "Kniefalls vor den sogenannten Finanzmärkten" (Wagenknecht), einem europäischen Marshallplan (Geißler), Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone (Dirk Müller) oder eben dem, was die amtierende Bundesregierung will (Lindner).

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74 Kommentare zu "Talkshow von Anne Will: „Jetzt geht das Niveau wieder voll in den Keller!“"

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  • @ deltaone
    Sie verwechseln hier Christian mit Martin Lindner.
    Bei Anne Will zu Gast war Martin Lindner.
    happy landings

  • Echte Vulgär-Ökonomie (sowas nannte Krugman zu Recht "Voodo-Economics): Die Drachme wäre ad hoc ein Bruchteil dessen Wert, was heute in Euro importiert wird in GRE. Und dann? Preiskontrollen für Energie und Nahrungsmittel? Die zentrale Verwaltungswirtschaft hat ja jedem, der sehen kann vor Augen geführt, wie "glänzend" sie funktioniert!
    Wartet! "Völker hört..."

  • @margrit117888:
    "Dann finden Sie es also in Ordnung, dass wir mal wieder Banken retten?"

    Natürlich nicht, die Bail Outs sind dumm und rechtswidrig. Man hätte Griechenland einen Default ermöglichen sollen, dazu Austritt aus dem Euro und ggf. weitere Überbrückungsfinanzierung per IWF.

    Ohne Einführung der Drachme ist Griechenland nicht überlebensfähig. Es sei denn, der Euro wird zur Drachme, aber vielleicht schaffen wir das auch noch.

    "Warum ist Merkel so gegen den Schuldenschnitt und den Austritt Griechenlands aus dem Euro? Weil sie dann nicht mehr über Griechenland bestimmen kann und sie will eben ganz Europa im Griff haben, eine eurp. Diktatur, das ist Ihr Ziel."

    Unsinn, Merkel wollte Griechenland ursprünglich gar nicht helfen, sie wurde aber von der Franzosen Troika (Sarko, DSK und Trichet) und Schäuble im Mai 2010 "eingenordet". Da hat Frankreich gedroht den Euro zu verlassen, wenn die EZB nicht Staatsanleihen kaufen darf und die Bail Outs nicht kommen.

    Merkel ist viel mehr Getriebene des Geschehens als es uns lieb sein kann. Und im übrigen kommt dieser Wahn nach dem "mehr Europa" ala Brüsseler EU-DSSR bestimmt nicht von den Ossis.

  • 5)Lindner... Würde gern etwas Nettes sagen, aber sonderlich qualifiziert ist er nicht. Seine beste Rede war noch die, als er Generalsekretär wurde. Sein Rücktritt wurde ja sogar von Grünen mit Krokodilstränen quittiert, eloquent ist er also.

  • 4)Grupp: Zumindest mal ein Unternehmer mit ehrbaren Eigenschaften, aber ohne Lösungskompetenz. Schuster, bleib bei deinen Leisten (Hemden).

  • 3) Geißler ist schon an der Grenze zur Senilität und gefällt sich auf seine alten Tage in der Rolle des Sozialromatikers, ist Mitglied von A... Sollte lieber wie Blüm Kinderbücher schreiben.

  • 2) Dirk Müller nutzt jedes Plenum, um die Auflage seines Buches weiter zu steigern, ein ökonomisch und individuell zweckorientiertes, aber eben interessengeleitetes Verhalten, was als solches auch gewürdigt werden sollte. Ich würde nie etwas gegen Börsenhändler sagen, aber die Motive sind doch wirklich offensichtlich. Leider sind auch die empfohlenen Verhaltensweisen dem durchschnittlichen Anleger völlig fremd. Viel Spaß, wenn der Normalverbraucher anfängt, sein Depot mit Puts abzusichern. Wer ist noch gleich termingeschäftsfähig?

  • Mir ist unerfindlich, warum das HB sich mit der Nachlese einer Talkshow beschäftigt. Ich schaue mir sowas aus Prinzip schon seit Jahren nicht mehr an.
    Zu einzelnen Beiträgen hier:
    1)Wagenknecht auf ein Niveau von Rosa Luxemburg zu stellen, ist eine echte Freudsche Fehlleistung. Wagenknecht ist zwar zu jung, um in der DDR Unheil verübt zu haben, aber die Kommunistische Plattform ist nun wirklich nichts erstrebenswertes. Kleine Erinnerung: Wer hat denn Weimar ruiniert? Die Genossen "von beiden Seiten der Front", KPD und NSDAP, geschlossen stimmten sie gegen jede demokratische Regierung. Friedrich Ebert erkannte früh, was der richtige Umgang mit diesen Feinden der Demokratie von links war, auch wen er sich dabei zweifelhafter Elemente bediente. Schade, das dies in Weimar nie einer mit den Rechten veranstaltete. Als Luxemburg begann zu protestieren, war sie allein gegen eine monarchistische Diktatur, und nicht wie Wagenknecht in einer Gesellschaft, in welcher ein allgemeines, gleiches, geheimes Wahlrecht mit Gewaltenteilung existiert, insofern schlägt der Vergleich völlig fehl.

  • Natürlich meine ich nur das Äussere, das Frau Wagenknecht zu kopieren versucht - die Frisur, der empörte Blick in Richtung Sozialismus und Gerechtigkeit und die schmalen zusammengekniffenen Lippen als Zeichen des Nachdrucks und des Vorwurfes. Eine Mimik, die immer Bände spricht. Sprühendes Charisma.

  • Also den Vergleich hat Rosa Luxemburg nun wirklich nicht verdient, die eine gebildete, feinsinnige, kultivierte, differenzierte Frau war, was man von der keifenden, ideologisch blinden und nur durch Ignoranz und Inkompetenz glänzenden Wagenknecht nun wirklich nicht behaupten kann, selbst im Vollsuff ist solch ein Vergleich unverzeihlich!

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