Tarifbeschäftigte Reallöhne steigen – aber langsamer als zuletzt

Wegen der niedrigen Inflation steigen die Reallöhne der Tarifbeschäftigten weiter. Den größten Zuschlag erhielten die Mitarbeiter in der Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft. Bei den Banken fiel das Plus eher klein aus.
Update: 05.01.2017 - 12:45 Uhr 15 Kommentare

Steigende Inflation in Deutschland – ein Grund zur Sorge?

Steigende Inflation in Deutschland – ein Grund zur Sorge?

BerlinDie Menschen in Deutschland werden trotz der mickrigen Sparzinsen in der Summe immer vermögender. Nach vorläufigen Berechnungen der DZ Bank dürften die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um knapp 230 Milliarden Euro auf gut 5,7 Billionen Euro gestiegen sein. Zugleich legten die Tariflöhne und -gehälter im vergangenen Jahr deutlich zu – die andauernd niedrige Inflationsrate ließ den Tarifbeschäftigten damit deutlich mehr Geld im Portemonnaie.

Die Reallöhne der etwa 19 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit einem Tarifvertrag sind 2016 allerdings langsamer gestiegen als in den Vorjahren. Ihre Löhne und Gehälter legten um durchschnittlich 2,4 Prozent zu, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung des Tarifarchivs des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Nach Abzug der Inflation – die im vergangenen Jahr bei 0,5 Prozent lag – bleibt davon ein reales Plus von 1,9 Prozent übrig. 2015 waren die Reallöhne noch um 2,4 Prozent und 2014 um 2,2 Prozent gestiegen.

„Damit ist es den Gewerkschaften erneut gelungen, Tarifsteigerungen durchzusetzen, die deutlich oberhalb der laufenden Preissteigerungsrate lagen und die Beschäftigten auch am Produktivitätsfortschritt teilhaben ließen“, sagte WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck der Mitteilung zufolge.

Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 10,8 Millionen Beschäftigte ab. Den größten Zuschlag erhielten die Mitarbeiter im Bereich Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft mit nominal 3,5 Prozent, gefolgt vom Handel mit 2,9 Prozent sowie dem Baugewerbe und den Privaten Dienstleistungen mit jeweils 2,7 Prozent. Bei den Banken und im Versicherungsgewerbe fiel das Plus mit 1,5 Prozent dagegen vergleichsweise gering aus.

Die Tarifrunde 2017 läuft bereits. Verhandelt wird schon in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, demnächst im öffentlichen Dienst der Länder. Ende Februar laufen die Verträge in der Eisen- und Stahlindustrie sowie der ostdeutschen Energiewirtschaft aus. Danach folgen Versicherungsgewerbe, Einzelhandel sowie Groß- und Außenhandel und Kfz-Gewerbe.


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Die Forderungen bewegen sich zwischen 4,5 und sechs Prozent, erklärte das Tarifarchiv. Für 2017 rechnet Bispinck mit einer Fortsetzung des moderaten Konjunkturaufschwungs.

Der Anstieg bei den Geldvermögen lag mit 4,1 Prozent nur leicht unter dem des Vorjahres (plus 4,8 Prozent). Dies erklärten die Volkswirte des genossenschaftlichen Spitzeninstituts in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Studie zum Großteil mit Wertzuwächsen bei Aktien und Fonds. Die „Jahresend-Rally im Dezember“ habe „für ordentliche Kursgewinne und damit für die wenigen Lichtblicke des Anlagejahres 2016“ gesorgt.

Neben Kursgewinnen habe vor allem „der anhaltende Sparfleiß der Bürger“ für den Aufbau des Geldvermögens gesorgt. Die Ökonomen des Frankfurter Instituts gehen davon aus, dass die Sparquote im abgelaufenen Jahr erneut leicht von 9,7 Prozent auf 9,8 Prozent gestiegen ist - heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen werden 9,80 Euro auf die hohe Kante gelegt.

„Offenbar lassen sich die privaten Haushalte in Deutschland nicht durch das Extrem-Niedrigzins-Niveau entmutigen“, heißt es in der Studie. Begünstigt wurde die Sparneigung zusätzlich von der positiven Einkommensentwicklung: Nach DZ-Bank-Einschätzung dürften die nominal verfügbaren Einkommen 2016 binnen Jahresfrist um gut 2,5 Prozent gestiegen sein - ohne größere Kaufkraftverluste durch Inflation.

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15 Kommentare zu "Tarifbeschäftigte: Reallöhne steigen – aber langsamer als in den Vorjahren"

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  • Selbstverständlich sind wir auf einem falschen Weg… Aber welcher Weg ist der richtige? Und für wen ist welcher Weg der richtige? Es kommt immer auf die Perspektive an. Diejenigen die die Welt regieren (die „Elite“), die im Hintergrund ihre Strippen ziehen, die sind davon überzeugt, dass sie den richtigen Weg gehen. Und sie tun alles, damit sich für sie nichts daran ändert.

    Als das Zinssystem eingeführt worden war, haben viele noch nicht ahnen können was für Ausmaße das ganze eines Tages annehmen würde. In Verbindung mit dem Kapitalismus ist diese Kombination für die meisten Menschen auf dieser Welt schlicht menschenverachtend.

    „Brechen der Zinsknechtschaft“ – Einer wollte es angehen, man hat ihm leider nicht die Gelegenheit dazu gegeben.

    Und wie sagte schon Henry Ford einst: „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – noch vor morgen früh.“

    Diejenigen die an der Macht sind, wollen auch möglichst lange weiter an der macht bleiben. Und damit das so bleibt, muss man den Großteil der Bevölkerung „beschäftigen“. Sei es mit Arbeit, Werbung, Unterhaltung, etc. Das Gros der Bevölkerung darf nicht auf den Gedanken kommen, zu viele Dinge kritisch zu hinterfragen. Eine Revolte könnte sich auftun.

    Eine freie Presse gibt es gar nicht und sie ist auch nicht gewollt. Denn wenn die Journalisten tatsächlich frei wären, würden sie sehr unangenehme Dinge ans Tageslicht bringen. Und das wiederum kann dann sehr unangenehme Folgen für die „Elite“ haben. Deshalb werden auch die Medien wie ein Hund an der Leine gehalten.

    Und weil alles miteinander so schön verzahnt ist, befindet sich die Menschheit im Hamsterrad. Die meisten haben kein Interesse an Politik, Wirtschaft und Co. Es ist ihnen schlicht zu lästig sich mit dem Thema zu beschäftigen. Solange bis es sie selber mal erwischt… Desinteresse, Angst und Hoffnungslosigkeit sorgen dafür, dass sich an der Gesamtsituation nichts ändern wird, leider...

  • @Harald: schon mal auf den Gedanken gekommen, dass Sie eine tendenziöse Berichterstattung erwarten und die bloss nicht bekommen?

  • @Harald

    Das wäre sogar die ureigenste Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen Medien, die man ja per TV-Steuer in Form einer Zwangsabgabe finanzieren muss, nur leider finde ich, werden die Gelder eher zur politischen Verdummung der Zwangszahler eingesetzt.

    Die Wahheit lässt sich allerdings nur eine Zeit lang unterdrücken, weil sie irgendwann auch mit Macht im Wohnzimmer des Bürgers aufschägt.

  • @ Rainer

    Wäre es aber nicht gerade dann Aufgabe der „freien“ Medien, die Menschen richtig zu informieren? Warum passiert es nicht? Warum werden weiterhin die Zusammenhänge verschleiert und oft tendenzios einseitig berichtet?
    Es ist doch klar, das damit die Medien ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf endgültig ruinieren.
    Nichts wird von den Medien in Frage gestellt, egal ob die Leiharbeit, die Millionen von Menschen der dauerhaften Armut preisgibt, ebensowenig wie das Verbrechen gegenüber den jungen erwerbslosen Südeuropäern, die für hohe deutsche Sparqouten petspektivlos ver- und überschuldet sind. Gleiches gilt für Millionen Menschen hier im Land. Warum wird es gesellschaftlich weiter so hingenommen, warum wird es in der öffentlichen Berichterstattung weiter so toleriert? Warum lassen sich Journalisten politisch und ideologisch dafür vereinnahmen?
    Diese Berufsgruppen können doch nicht alle rückgrat- und charakterlos sein?
    Gleiches gilt für die Politk und die Unternehmenslenker. Die müssen doch selbstkritisch erkennen, dass wir auf einem falschen Weg sind?

  • @Harald

    Ich persönlich schätze mal, daß ungefähr 80 bis 90% der Bevölkerung sowohl wirtschaftlich und politisch ziemlich uninformiert ist, mangels Interesse, mangels Zeit und aus Gewohnheit immer dieselben Parteien wählt, ganz unabhängig davon, wie bürger- und interessenfeindlich diese Parteien auch regieren. Themen wie die Eurorettung sind -absichtlich?- auch sehr komplex, der Durchschnittsbürger versteht nicht, was die EZB macht, sich im ESM abspielt oder was Target ist. Letzlich bekommt das Volk - mit Ausnahme derer, die eine gegensätzliche Meinung zu den dominierenden Themen dieser Zeit haben- damit auch genau das, was sie verdienen.

    Sicher kann man der Politik sehr vieles vorwerfen, aber die Politik ist eigentlich nur ein Spiegelbild dieser Gesellschaft.

  • @ Rainer

    Ich frage mich, wann sich endlich Widerstand von Seiten der Verarschten formiert und die sich organisieren und nicht mehr länger mitspielen.
    Gerade jetzt, wo die demografische Entwicklung auf ihrer Seite steht.
    Sie haben uns seit Jahren ausgenommen, warum sollen wir uns jetzt sozial verhalten?
    Wir holen uns das zurück, was sie uns durch ihre Gier und ihren Geiz zuvor genommen haben, das ist mehr als richtig und gerecht.
    Mit 1,5 Billionen Euro an Bankenrettungspaketen, damit haben die Arbeitgeberverbände kein Problem. Aber ihre Mitarbeiter anständig und ohne die Leiharbeitszuhälter einzustellen und fair zu bezahlen, dafür reicht es dann nicht mehr. Leute lasst euch nicht mehr länger verarschen, bitte wehrt euch endlich. Ihr seid denen egal, man braucht euch nur als billiges Personal, dass wenn es zu alt und leistungsschwach wird, freigesetzt wird. Da gibts dann einen warmen Händedruck und man wünscht viel Erfolg für die weitere Zukunft. Wir dürfen uns nicht mehr länger als Opfer der Globalisierung und der Umstände wahrnehmen, das reden sie uns nämlich tagtäglich ein.
    Mit ihrer angeblich fehlenden Wettbewerbsfähigkeit, wenn die Lohnstückkosten steigen.
    Es ist euer Leben, dass ihr für diese Ausbeuter opfert, für deren Profite und deren Schickimicki Leben. Auch schickt man dann nach 35 Jahren, wenn ihr ausgedient habt und verbraucht seid in die Arbeitslosigkeit und in Hartz IV und die Grundsicherung. Euer weiteres Schicksal ist denen egal, deren Leben geht weiter, aber eures ist zerstört.
    Schaut sie euch doch an, die Politiker und Unternehmer, die immer genau wissen, was man uns zumuten kann.

  • DGB-Gewerkschaften könnt ihr vergessen.
    Genauso wie Verdi.

    http://www.dgb.de/themen/++co++552f0bba-b7cf-11e6-8f44-525400e5a74a

  • @Herr Trautmann

    Hier bitte:

    http://www.wirtschaftundgesellschaft.de/2011/12/eurokrise-die-lohne-mussen-rauf/

    Deutschland hat mit dem schröderschen Lohndumping (Agenda 2010) seinen "Beitrag" zur Krise geleistet. Ich frage mich nur, wieso die Lohngedumpten hierzulande nun auch für die Krisenkosten aufkommen sollen, wenn sie nicht nur zu den Ärmsten der Eurozone gehören, sndern gleichzeitig laut EZB-Studie auch die geringste Wohneigentumsquote aufweisen.

    Aber ich hab aufgegeben, alles verstehen zu wollen.

  • Wenn wir AN an die Leiharbeitszuhälter nicht mehr unsere Arbeitskraft verkaufen, ist deren Geschäftsmodell auf unsere Kosten beendet.

  • Und natürlich bitte unsere Volksvertreter nicht vergessen, die sich seit 2002 ihre Diäten um 27 % und ihre steuerfreie Pauschale um über 20% erhöht haben.
    Auch darüber findet sich nichts in der aktuellen öffentlichen Diskussion.

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