Tarifrunden 2013 Das Ende der Bescheidenheit

Ausgerechnet im Wahljahr laufen viele Lohn- und Gehaltstarife aus. Die Gewerkschaften gehen in die Vollen und fordern kräftige Aufschläge für 12,5 Millionen Beschäftigte. Die Politik ist ihnen dabei keine große Hilfe.
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Nicht die Sinne vernebeln lassen

DüsseldorfDas Beschnuppern beginnt am Donnerstagmorgen in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Berlin. Dann wird Verdi-Chef Frank Bsirske seinem Gegenüber Jens Bullerjahn erstmals offiziell die Forderungen der Gewerkschaft für die rund 800.000 Arbeitnehmer der Länder präsentieren: 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, 100 Euro mehr für die Auszubildenden, eine verbindliche Eingruppierung der angestellten Lehrer, die je nach Bundesland unterschiedlich bezahlt werden.

Was passiert, wenn die Länder nicht mitspielen, hat Bsirske schon durchklingen lassen: „Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie bereit sind, notfalls für ihre Forderungen zu streiken.

Der Arbeitskampf im öffentlichen Dienst ist nur der Anfang – zahlreiche große Tarifrunden stehen in diesem Jahr noch an: Die Forderungen von rund 12,5 Millionen Beschäftigten kommen 2013 auf den Tisch.

Nach erfolgreichen Abschlüssen in 2012 – als Verträge für rund 8,9 Millionen Beschäftigte abgeschlossen wurden – drängen die Gewerkschaften auch in diesem Jahr auf kräftige Zuschläge. Die Forderungen liegen zwischen 5 und 6,6 Prozent, teilt das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit.

Verhandelt wird unter anderem für große Branchen wie das Bauhauptgewerbe. Hier hat die IG Bau eine Forderung von 6,6 Prozent aufgestellt. Auch in der Metall- und Elektroindustrie, im Einzelhandel, im Kfz-Gewerbe und in der Leih- und Zeitarbeit stehen Tarifrunden an.

„Einige Runden werden schwierig werden: Ich erwarte Warnstreiks im öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektroindustrie“, sagt Reinhard Bispinck, Leiter WSI-Tarifarchiv, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Die IG Metall gibt sich schon mal kampfbereit: „Wir müssen dazu beitragen, dass die Konjunkturlokomotive Deutschland weiter unter Dampf steht“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann am Dienstag in Filderstadt. Deshalb sei eine Kaufkrafterhöhung für die 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche angesagt.

„Das vergangene Jahr ist die Mindest-Messlatte“
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13 Kommentare zu "Tarifrunden 2013: Das Ende der Bescheidenheit"

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  • Wir sollten alle Betriebe verstaatlichen und das Brutto-Inlandsprodukt per Gebühren erwirtschaften wie bei ARD+ZDF
    denen geht es gut auch ohne Streik!!

  • Mache mal folgenden Vergleich: Herr Winterkorn halt letztes Jahr 18Mio verdient oder besser gesagt bekommen. Dieses Jahr sollen es laut ersten Berichten 20Mio werden! Das ist eine Steigerung von etwas mehr als 10%. Mal abgesehen davon, dass das ein mittlerweile an Pervision grenzendes Vielfaches eines Durchschnittsangestellten bei Volkswagen ist wäre es doch nur fair, wenn man diese 10% als Maßstab für die Tarifverhandlungen bei VW nehmen würde oder?

  • Den Blutsauger-Staat freuts auf jeden Fall. Stichwort "Kalte Progression"

  • Wenn Arbeitnehmer "abkassieren" und dt. Unternehmen deswegen insolvent anmelden müssen oder ins Ausland gehen, haben weder Deutschlands Arbeitnehmer noch Zypern etwas davon.

  • Eine höhere Steuerstufe ist doch "sozial gerecht". Wer mehr verdient, wird in Deutschland "starke Schultern" betitelt und die müssen "progressiv" mehr zahlen.

  • Was ist denn ein "berechtigter Anteil am Gewinn"?

    Und wer nach dem Geld der Unternehmen giert, kann doch selbst einer werden. Zum Geld verdienen gehört auch Verantwortung tragen und mit dem eigenen Ersparnissen ins Risiko gehen.

  • An das laugte Getöse des Herrn Bsirske glaube ich nicht ganz. So war es immer und dann knickt er ein.
    So war das bei ihm immer. Dann werden es dann vielleicht 3% und wenn man Pech hat, rutscht man in eine höhere Steuerstufe und hat gar nichts

  • Die parasitäre Eurorettung um jeden Preis (siehe Zypern) spricht jedem soliden Wirtschaften Hohn. Warum sollen Arbeitnehmer verzichten, wenn die Früchte der Arbeit der Deutschen doch eh sinnlos bis zum letzten Cent verschleudert werden.

    Jetzt heißt es also abkassieren, und soviel wie möglich. Die Sparmoral ist von gestern und wird sowieso brutalstmöglich vom Staat bestraft.

    Erheiternd finde ich deshalb vor allem die Argumente der Länder gegen höhere Löhne, man müsste ja die Schulden abbauen.


  • Danke für Ihren netten, und richtigen
    Kommentar!!! Bleiben Sie bei Ihrer Ansicht!!!
    Außerdem:
    Bei diesem dunkelgrauen Himmel über
    Deutschland macht das Golfen wohl auch
    keinen Spaß mehr.
    Deutschland scheint schon dem
    Weltuntergang zum Opfer gefallen zu sein.

  • Die Regierung betreibt Inflationspolitik und es ist von den Gewerkschaften nur allzu richtig, jetzt ein ordentliches Lohnplus einzfordern.

    Wenn dadurch die Lohn-Preis-Spirale in Gang kommt, ist das ausnahmsweise mal nicht Schuld der Gewerkschaften, sondern die Schuld der Euro-Drucker in Frankfurt und Brüssel.

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