Tarifstreit Bau-Arbeitgeber stimmen Schlichterspruch zu – Streiks sind abgewendet

Nach wochenlangem Tarifstreit haben auch die Arbeitgeber den Schlichterspruch angenommen. Die Beschäftigten erhalten nun rückwirkend mehr Geld.
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Die Baubranche kann sich vor Aufträgen kaum retten. Quelle: dpa
Sanierung einer Hausfassade

Die Baubranche kann sich vor Aufträgen kaum retten.

(Foto: dpa)

BerlinDie Arbeitgeber haben sich ihre Zustimmung nicht leicht gemacht, aber am Ende doch „Ja“ gesagt zum Schlichterspruch. „Die Alternative wäre vermutlich ein Arbeitskampf gewesen. Das wollte auch keiner“, sagte Frank Dupré, Vizepräsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) und Verhandlungsführer, am Donnerstag. Damit sind Streiks in der Boombranche Bau endgültig abgewendet.

Die Tarifverhandlungen für die rund 805.000 Beschäftigten waren erbittert geführt worden. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Außerdem sollte die Angleichung der Löhne in Ostdeutschland an das Westniveau vorangetrieben und flächendeckend ein 13. Monatsgehalt eingeführt werden, das bisher nur in einzelnen Bundesländern gezahlt wird.

Nachdem die Gewerkschaft nach fünf ergebnislosen Verhandlungstagen das Scheitern der Gespräche erklärt hatte, trat das Schlichtungsabkommen in Kraft. Das Ergebnis des Abkommens präsentierte Schlichter Wolfgang Clement, früherer Bundeswirtschaftsminister, dann am 12. Mai.

Während die IG BAU dem Schlichterspruch schon vor einigen Tagen zugestimmt hatte, nahmen sich der ZDB, der vor allem kleinere Betriebe und Mittelständler vertritt, und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) mehr Bedenkzeit.

Am Donnerstag akzeptierten dann auch die Arbeitgeber Clements Schlichterspruch: „Der im Rahmen der Schlichtung gefundene Kompromiss ist auch für uns alles andere als ein Wunschergebnis“, sagte Andreas Schmieg, Vizepräsident Sozialpolitik beim HDB. Immerhin gebe aber die lange Laufzeit den Unternehmen nun Planungssicherheit.

Die Tarifentgelte der Beschäftigten steigen nun rückwirkend ab dem 1. Mai um 5,7 Prozent in Westdeutschland und 6,6 Prozent im Osten. Dort gibt es im Mai nächsten Jahres noch einmal 0,8 Prozent oben drauf. Darüber hinaus vereinbarten die Tarifparteien Einmalzahlungen von insgesamt 1.100 Euro im Westen und 250 Euro im Osten.

Der bundesweit höchste Abschluss in diesem Jahr konnte erzielt werden

Ein 13. Monatsgehalt wird bundesweit ab 2020 eingeführt, allerdings in unterschiedlicher Höhe. Außerdem werden die Ausbildungsvergütungen angehoben, um den Bau für Berufsnachwuchs attraktiver zu machen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 26 Monaten.

Laut IG-BAU-Chef Robert Feiger bekomme ein Facharbeiter künftig 200 Euro mehr im Monat: „Das ist bundesweit der höchste Abschluss in diesem Jahr.“ Die Tarifparteien in der Metall- und Elektroindustrie hatten sich Anfang Februar auf einen Abschluss mit 27 Monaten Laufzeit geeinigt, der neben einer Tabellenerhöhung um 4,3 Prozent auch Einmal- und Sonderzahlungen vorsieht. 

Für die Beschäftigten von Bund und Kommunen hatten Arbeitgeber und Gewerkschaften Mitte April eine dreistufige Tariferhöhung von im Durchschnitt  7,3 Prozent bei 30 Monaten Laufzeit vereinbart.

Die Bau-Arbeitgeber hatten die gute Lage der Branche durchaus anerkannt. So hatte das Statistische Bundesamt diese Woche mitgeteilt, dass im Bauhauptgewerbe im März Aufträge im Volumen von rund 7,1 Milliarden Euro eingegangen sind. Das waren zwar 3,3 Prozent weniger als im März 2017, dennoch handelt es sich immer noch um den zweithöchsten Wert seit 1996. Für das laufende Jahr prognostiziert die Branche ein Umsatzplus um vier Prozent auf gut 117 Milliarden Euro.

Die Arbeitgeber hatten aber damit argumentiert, dass die Baupreise nicht so stark steigen wie die Verkaufspreise bei Immobilien. Außerdem sei die Branche sehr heterogen: Beim Bau von Ein- und Zwei-Familien-Häusern etwa – einer Domäne vor allem des Mittelstands – stagnierten die Umsätze zuletzt. Einer solch unterschiedlichen Lage müsse der Branchentarifvertrag gerecht werden.

Die Tarifbindung im Baugewerbe liegt deutlich höher als in der Gesamtwirtschaft. So fallen nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) 60 Prozent der Beschäftigten im Westen und 52 Prozent im Osten unter den Branchentarif. In der Gesamtwirtschaft liegt die Branchentarifbindung mit 49 Prozent in Westdeutschland und 34 Prozent in den Neuen Ländern deutlich niedriger.

Das Bauhauptgewerbe hat sich zuletzt als Jobmotor erwiesen. So ist die Zahl der Beschäftigten seit 2007 von rund 715.000 auf 805.000 gestiegen.

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