Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Tatort Krankenhaus Streit um angebliche tausendfache Tötung von Patienten

Seite 2 von 2:
Warum Experten zweifeln
In diesen Jobs werden Sie am häufigsten krank
Krankmeldungen
1 von 34

Anträge bleiben unbearbeitet, Baustellen werden nicht fertig, und der Kioskbesitzer um die Ecke hat auch schon wieder wegen Grippe geschlossen: Krankenstände kosten die deutsche Wirtschaft jedes Jahr Milliarden. In ihrem Gesundheitsreport sammelt die BKK-Krankenkasse jährlich Informationen zum Krankheitsgeschehen in Deutschland. Einige Branchen waren 2015 besonders stark betroffen – und Frauen zumeist häufiger als Männer. Die durchschnittlichen Krankheitstage des vergangenen Jahres von Angestellten unterschiedlicher Branchen im Überblick.

(Foto: dpa)
Verlage und Medien
2 von 34

Durchschnittliche Krankentage männlicher Angestellter pro Jahr: 8,2

Durchschnittliche Krankentage weiblicher Angestellter pro Jahr: 10,8

(Foto: dpa)
Informationsdienstleistungen und Datenverarbeitung
3 von 34

Männer: 8,6

Frauen: 12,9

(Foto: dpa)
Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen
4 von 34

Männer: 9,7

Frauen: 12,0

(Foto: dpa)
Kredit- und Versicherungsgewerbe
5 von 34

Männer: 10,5

Frauen: 14,0

(Foto: dpa)
Land- und Forstwirtschaft
6 von 34

Männer: 11,9

Frauen: 14,2

(Foto: dpa)
Erziehung und Unterricht
7 von 34

Männer: 9,7

Frauen: 15,0

(Foto: dpa)

Auch Experten zweifeln die 21.000 Todesfälle an. „Die Zahl, die in den Vordergrund gestellt worden ist, kann man aus meiner persönlichen Einschätzung der Lage heraus nicht für belastbar halten“, sagt Karl Lauterbach, der Gesundheitsexperte von der SPD. Er hält auch die Studie für ungeeignet: „Es kommen sehr viele unterschiedliche Dinge zusammen. Ob man schon einmal etwas getan hat, oder etwas gehört hat: Das reicht nicht aus, um eine sehr, sehr wichtige Zahl zu erhärten.“

Kurioserweise relativiert sogar Baum selbst bei der Buchvorstellung die Zahl. Man dürfe aus seiner Schätzung nicht auf 21.000 bisher unentdeckte Mord- oder Totschlagsdelikte schließen. Seine Studie sei nicht repräsentativ und zudem seien die Fragen so vorsichtig formuliert worden, dass er es nicht ausschließen könne, dass manche Befragten ihr Handeln während des Sterbeprozesses eines Patienten besonders kritisch beurteilt hätten.

Wichtig ist das Buch trotzdem, urteilt Lauterbach: „Es ist ein Debattenbuch, es ist kein wissenschaftliches Buch, welches eine These beweist.“ Er kenne die Einzelfälle sehr gut und halte es für unwahrscheinlich, dass die Zahl tatsächlich so hoch sei. „Das relativiert aber nur die Zahl und nicht das Phänomen“, sagt Lauterbach. „Die Ursachen sind sehr unterschiedlich. Aber den ökonomischen Druck, den es mittlerweile in den Kliniken in der Pflege gibt, kann man durchaus als problematisch ansehen.“

Denn die These von Beine lautet, dass je mehr Profit, Apparate und Pharmazeutika im Mittelpunkt des Gesundheitssystems stehe, desto größer werde die Gefahr für Patiententötungen. Die Einzeltäter litten zwar nicht unter dem ökonomischen Druck, sondern beispielsweise unter Allmachtsphantasien. Doch der Druck sorge dafür, dass solche Todesserien über einen längeren Zeitraum unbemerkt bleiben könnten. Gestresste oder unzufriedene Pfleger und Ärzte würden eher Alarmsignale bei Kollegen übersehen.

Die Situation in der Pflege müsse deshalb verbessert werden, fordert Beine. Beispielweise durch eine bessere Ausbildung, indem Pfleger und Ärzte bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützt werden, durch ein Whistleblowing-System zur Meldung von Auffälligkeiten und den Abbau der bürokratischen Aufgaben.

Seit 25 Jahren beschäftige er sich mit dem Thema Gewalt in der Pflege, zwei Studien hat er dazu verfasst. 1998 und 2011. Aber wie Beine in Berlin feststellt: „Jemand, der gehört werden will, muss die Stimme anheben.“ Mit seinem Buch hat er das getan.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Tatort Krankenhaus - Streit um angebliche tausendfache Tötung von Patienten

0 Kommentare zu "Tatort Krankenhaus: Streit um angebliche tausendfache Tötung von Patienten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%