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Technologie Microsoft startet Initiative für Datenoffenheit

Der US-Konzern will das Teilen von Daten erleichtern – und damit auch sein Image aufbessern. Vieles ist vage, doch es gibt Lob aus Berlin.
21.04.2020 Update: 21.04.2020 - 17:17 Uhr Kommentieren
Der US-Konzern ruft eine Initiative für Datenoffenheit ins Leben. Quelle: Reuters
Microsoft-CEO Satya Nadella

Der US-Konzern ruft eine Initiative für Datenoffenheit ins Leben.

(Foto: Reuters)

Berlin Künstliche Intelligenz (KI) soll unsere Art zu leben und zu arbeiten verändern – tiefgreifender und nachhaltiger als das Coronavirus, das derzeit den Alltag auf den Kopf stellt. Selbstfahrende Autos oder autonom produzierende Fabriken: Den Anwendungsmöglichkeiten von KI-Systemen, sind laut Experten kaum Grenzen gesetzt. Theoretisch zumindest.

In der Praxis sieht es anders aus. Daten sind die Kraftnahrung für KI, doch die globalen Datenreservoirs sind extrem ungleich verteilt. Vor allem in China und den USA sammeln sich die Daten, die die Menschheit produziert.

Ausgerechnet der US-Konzern Microsoft, der den Standard für Büro-Software gesetzt hat und viele Daten verarbeitet, ruft nun eine Initiative für Datenoffenheit ins Leben. Zum Wohle aller, wie er sagt.

„Wenn Daten häufiger öffentlich zugänglich gemacht und geteilt werden, können Unternehmen von wertvollen Erkenntnissen profitieren, Fachwissen weitergeben und Daten nutzbringender für alle machen. Davon profitieren alle mehr, als wenn sie allein handeln“, schreibt Microsoft-Juristin Jennifer Yokoyama in einem Blogeintrag.

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    Die Ankündigung ist der Startschuss einer längerfristig angelegten Initiative. Microsoft kündigt an, in die „notwendigen Voraussetzungen für das Teilen von Daten“ zu investieren.

    Zudem will der Konzern bis zum Jahr 2022 insgesamt 20 neue „Datenpartnerschaften“ eingehen – mit Organisationen der Open-Data-Bewegung wie dem Open Data Institute (ODI) im Vereinigten Königreich und dem Governance Lab (GovLab) der New York University. Ziel sei es, „die Herausforderungen und Lösungen beim Teilen von Daten noch besser zu verstehen“.

    Was Microsoft als Dienst für die Allgemeinheit bewirbt, ist auch der Versuch, das Geschäftsmodell auszuweiten – und das eigene Image aufzubessern. Microsoft verdient sein Geld nicht mit datengetriebener Werbung wie Google und Facebook, sondern mit Softwaredienstleistungen. Deshalb fällt es dem Konzern leichter, Datenoffenheit zu propagieren. 

    Zwar verwaltet Microsoft als einer der weltweit führenden Cloud-Anbieter die Daten seiner Kunden, monetarisiert diese aber nicht. Daher passt es in die Strategie, sich als Partner für das sichere Teilen und Offenlegen von Daten für Regierungen und öffentliche Einrichtungen zu positionieren. Microsoft will sich als Treuhänder für den verlässlichen Austausch von Daten profilieren.

    Vieles, was Microsoft präsentiert, ist noch vage und PR-getrieben. Doch so viel lässt sich sagen: Der Konzern wendet sich einem der wichtigsten Themen der IT-Branche zu.

    Datenkluft als „ernsthafte Herausforderung“

    Die Datenökonomie entwickelt sich zu einem Oligopol. Nicht einmal 100 Unternehmen sammeln mehr als die Hälfte der durch Internet-Interaktionen gesammelten Daten. Microsoft spricht von einer „Datenkluft“: Wenige Firmen sind in der Lage, gigantische Datensammlungen auszuwerten und die Entwicklung von KI voranzutreiben, der große Rest hat das Nachsehen.

    „Die Datenkluft stellt eine ernsthafte Herausforderung für die Gesellschaft dar und könnte, wenn sie nicht angegangen wird, dazu führen, dass enorme Wirtschaftskraft in nur wenige Länder und Unternehmen fließt“, schreibt Yokoyama und zitiert eine Studie der Beratungsgesellschaft PWC, wonach 70 Prozent des Mehrwerts, der durch KI geschaffen wird, lediglich zwei Ländern zugutekommen wird: China und den USA.

    Die Angst, bei der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren, treibt auch die Bundesregierung um. Experten erwarten, dass Effizienzgewinne künftig vor allem durch überlegene Software erreicht werden – und nicht mehr durch mechanische Weiterentwicklungen, auf die deutsche Tüftler spezialisiert sind.

    Gerade für den Mittelstand ist das ein Problem, da viele Betriebe nicht über die Datenmengen verfügen, die für digitale Innovationen nötig sind. Die Befürchtung: Wenn es der deutschen Wirtschaft nicht gelingt, datengetriebene Geschäftsmodelle zu entwickeln, wird sie international den Anschluss verlieren.

    Chancen von Open Data

    Microsofts „Open-Data-Kampagne“ stößt nun in der deutschen Politik auf ein positives Echo. Der CDU-Digitalpolitiker Tankred Schipanski sprach von einer „willkommenen Ergänzung“ der geplanten Änderung des Wettbewerbsrechts. Der CDU-Politiker betonte allerdings, dass „freiwillige Initiativen“ wie die von Microsoft die Notwendigkeit mit einer zügigen Gesetzesänderung, „digitale Marktmacht zu verhindern“, nicht ersetze.

    Der SPD-Digitalexperte Jens Zimmermann begrüßte, dass auch Microsoft die Chancen von Open Data für die digitale Gesellschaft erkannt habe, zumal das Unternehmen bisher nicht unbedingt als Vorreiter aufgefallen sei. Zimmermann erinnerte in diesem Zusammenhang an das „Daten für alle“-Konzept seiner Partei.

    „Wichtigstes Ziel muss es sein, bestehende Datensilos aufzubrechen, Innovationen und Wettbewerb zu ermöglichen und neue Datenmonopole zu verhindern“, sagte der SPD-Politiker dem Handelsblatt. Hierbei komme Open Data eine „grundlegende Bedeutung“ zu.

    „Auch ist es wichtig, einen europäischen Rahmen zu schaffen, der den Schutz der personenbezogenen Daten garantiert und genau diesen Wettbewerb sicherstellt und Datenmonopole verhindert“, sagte Zimmermann weiter.

    Der Grünen-Politiker Dieter Janecek mahnte zur Vorsicht beim Microsoft-Vorstoß. Es sei zwar prinzipiell zu begrüßen, wenn sich globale IT-Konzerne wie Microsoft zum Prinzip Open Data bekennen und sich gegen die Konzentration von Datenmacht stellen.

    „Gleichzeitig ist Microsoft natürlich selbst ein Konzern mit dominierender Marktmacht in der digitalen Ökonomie“, sagte der Sprecher für Industriepolitik und digitale Wirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt. „Wir müssen also auch sehr genau hinschauen, wo auch deren Eigeninteresse bei der Kampagne liegt.“

    Wer Open Data sage, müsse außerdem auch Open Source sagen, denn beides trage zu mehr Transparenz und fairerem Wettbewerb bei. „Eine progressive Datenstrategie muss immer die Interessen der Bürgerinnen und Bürger, aber auch des Mittelstands und der Forschung in den Fokus nehmen und bereit sein, die Marktmacht der globalen IT-Konzerne zu beschneiden“, betonte Janecek.

    Skeptisch äußerte sich auch FDP-Fraktionsvize Frank Sitta. Open-Data-Initiativen seien zwar „grundsätzlich wünschenswert und bieten in der Tat auch die Chance, mehr Wettbewerb auf verschiedenen Ebenen herbeizuführen und neue Geschäftsmodelle und Innovationen anzustoßen“, sagte Sitta dem Handelsblatt. „Von politischer Seite gilt es jedoch kritisch zu prüfen, um welche Daten es genau gehen soll und was für eine Infrastruktur genau angedacht ist.“

    Sitta gab zu bedenken, dass es in der Datenpolitik in Zukunft immer wichtiger werde, „dass wir nicht abhängig von den Entscheidungen einzelner großer Konzerne sein sollten, wenn es um die Ausgestaltung der Nutzungs- und Bereitstellungsbedingungen von Daten geht“. Vor diesem Hintergrund werde einmal mehr „schmerzlich“ bewusst, dass die Bundesregierung jeder Initiative aus der Branche nur „hemdsärmelig“ begegnen könne. „Denn es mangelt bislang immer noch an einer echte Datenstrategie und am Fortschritt bei vielversprechenden Projekten wie Gaia-X.“

    Komfortable Position

    Microsoft ist befindet sich in einer komfortablen Position. Der Softwarekonzern gehört zu den Gewinnern der Coronakrise. Während viele Unternehmen ihre Betriebsabläufe kurzfristig umstellen mussten, griffen viele auf die Lösungen von Microsoft zurück.

    Die Nachfrage nach Clouddiensten oder dem Kommunikationstool Microsoft-Teams stieg deutlich an, wie CEO Satya Nadella bekanntgeben konnte. Dank des Betriebssystems Windows sowie seinem Büro-Paket Office hat die Firma einen Standard für viele Geschäftsanwendungen gesetzt. Jetzt kann das Unternehmen sein Geschäft ausdehnen.

    Der jüngste Vorstoß zum offenen Teilen von Daten baut auf älteren Initiativen von Microsoft. Vor zwei Jahren hatte Nadella das Projekt „Open Data Initiative“ mit dem deutschen IT-Unternehmen SAP und der US-Firma Adobe gestartet. Zunächst konzentrierte sich die Firma auf Unternehmenskunden. Jetzt nutzt Nadella den ähnlich klingenden Namen „Open Data Campaign“ um das Konzept auch auf öffentliche Anwendungsbereiche auszuweiten.

    Die Initiative dürfte auf im Kanzleramt auf Interesse stoßen, das derzeit eine Datenstrategie erarbeitet. Kanzleramtsminister Helge Braun hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder mit Experten beraten.

    Die Bundesregierung will sich sowohl vom Digitalkapitalismus der USA als auch Digitaldiktatur der Chinesen abgrenzen und einen ‚dritten Weg‘ ins Datenzeitalter einschlagen. SPD-Politiker Zimmermann sagt: „Europa muss einen eigene sichere und vertrauenswürdige Datenpolitik etablieren – auf der Basis europäischer Werte und Rechtsgrundlagen.“

    Mehr: Boom durch Homeoffice: Tech-Konzerne stoßen an Belastungsgrenze. Lesen Sie hier mehr.

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