Tengelmann-Edeka-Fusion Monopolkommission bleibt bei heftiger Gabriel-Kritik

Sein Vorgänger trat aus Protest zurück – und auch der neue Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, kritisiert die Erlaubnis des Wirtschaftsministers für die Fusion von Kaiser’s Tengelmann und Edeka. Gibt Gabriel nach?
Kritiker der Fusionspläne fürchten, die Marktmacht der neuen Supermarktkette könne zu groß sein und Lieferanten schädigen. Quelle: dpa
Megafusion

Kritiker der Fusionspläne fürchten, die Marktmacht der neuen Supermarktkette könne zu groß sein und Lieferanten schädigen.

(Foto: dpa)

BerlinDer neue Chef der Monopolkommission, Achim Wambach, hat seinem Vorgänger im Streit um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann durch Edeka den Rücken gestärkt. Wambach erneuerte die Kritik an der Ministererlaubnis für den Deal durch Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). „Vollbeschäftigung ist ein Ziel der Wirtschaftspolitik. Dies ist aber nicht gleichzusetzen mit dem Erhalt von Arbeitsplätzen bei einem bestimmten Unternehmen“, sagte der Ökonom der „Welt am Sonntag“. Im vorliegenden Fall gehe es nicht um strukturelle Arbeitslosigkeit. Die Kommission habe sich daher einstimmig gegen die Ministererlaubnis ausgesprochen.

Gabriel hatte entgegen der Empfehlung des Beratergremiums der Übernahme eine Sondergenehmigung erteilt und damit ein Verbot des Bundeskartellamts ausgehebelt. Monopolkommissions-Chef Daniel Zimmer trat aus Protest zurück. Wambach, zuvor schon Mitglied der Kommission und ab 1. April Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), wurde zu Zimmers Nachfolger ernannt.

Die Kritiker befürchten, der Wettbewerb im Lebensmittelhandel könnte mit der Fusion der beiden Ketten weiter eingeschränkt werden. Gabriel hatte betont, aus seiner Sicht sei der Schutz von Arbeitsplätzen wichtiger als die Bedenken des Kartellamts. Mit einer Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf versucht der Kölner Handelskonzern Rewe, die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka noch zu verhindern.

Das Ende eines deutschen Wirtschaftswunders
Wo alles begann
1 von 14

1880 tritt Josef Kaiser in das elterliche Kolonialwarengeschäft in Viersen ein. Gekauft und verkauft wird, was für den Lebensunterhalt notwendig ist: Salz, Zucker, Mehl und Grieß. Kaffee wird nur von gut betuchten Kunden gekauft, die ihn zu Hause selbst rösten.

Frisch gerösteter Kaffee
2 von 14

1882 bietet Josef Kaiser seinen Kunden den ersten selbst gerösteten Kaffee an. Die Vorteile: Das Aroma ist besser und er ist in unterschiedlichen Mischungen und Qualitäten erhältlich. Geröstet wird der erste Kaffee in einer Röstpfanne auf einem gusseisernen Herd im eigenen Geschäft. Schon bald reicht das nicht mehr aus. Die Industrialisierung bringt Wohlstand. Der Kaffeekonsum in Deutschland steigt.

Geschwindigkeitspionier
3 von 14

Josef Kaiser baut ein Filialnetz auf. 1889 besitzt Kaiser´s bereits 253 Niederlassungen. Schwerpunkt: das aufstrebende Ruhrgebiet, das Rheinland sowie Südwestdeutschland. Um die Belieferung aller Filialen zu gewährleisten, setzt Kaiser´s als eines der ersten deutschen Unternehmen „schnelle“ Lastautos ein. Deren Spitzengeschwindigkeit beträgt zwölf Stundenkilometer. Eine Kutsche braucht doppelt so lange.

Der Patron
4 von 14

1899 wird Josef Kaiser Hauptgesellschafter und Geschäftsführer der Kaiser´s Kaffee-Geschäft GmbH. Ab sofort bestimmt er die zukünftige Entwicklung seines eigenen Unternehmens. Die Marschrichtung ist klar: weiteres Wachstum. 1910 ist Kaiser´s das größte Kaffeegeschäft Deutschlands und besitzt 1.250 Filialen – mehr als seine beiden größten Konkurrenten Buchthals Kaffeemagazin, Dortmund (500 Filialen) und Emil Tengelmann, Mühlheim/R. (400 Filialen) zusammen.

Die lachende Kaffeekanne
5 von 14

Josef Kaiser hat die Idee eine Kaffeekanne als Firmenlogo einzusetzen. Paul Böhm modifiziert sie 1904 zur lachenden Kaffeekanne. Sie wird zum Markenzeichen aller Kaiser´s Filialen. 1914 entwickelt Prof. Peter Behrens (Mitglied des deutschen Werkbundes) die heutige Form der lachenden Kaffeekanne.

Belegschaft der Schokoladenfabrik und Bäckerei in Viersen
6 von 14

1912 stehen 3.810 Mitarbeiter bei Kaiser´s in Lohn und Brot. Für die macht Josef Kaiser viel: Es existieren eine Betriebs- und Unterstützungskrankenkasse, sowie eine Altersvorsorge- und Geschäftssparkasse. 1910 gründet Kaiser´s die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen.

Erster Weltkrieg
7 von 14

Im Krieg verliert das Unternehmen rund 200 Filialen. Andere werden stark zerstört.

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Tengelmann-Edeka-Fusion - Monopolkommission bleibt bei heftiger Gabriel-Kritik

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%