Terroranschlag in Düsseldorf vereitelt „Wie weit ist das weg von Deiner Arbeit?“ „600 Meter“

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Alexander Möthe: Der Terror ist nicht neu hier

Wenn ich in den vergangenen Tagen von meiner Arbeit beim Handelsblatt zu Fuß zurück zur Heimat im Düsseldorfer Norden gegangen bin, habe ich mir an der Heinrich-Heine-Allee höchstens über eins Gedanken gemacht: das Wetter. Die Altstadt und die angrenzenden Einkaufsstraßen, die Königsallee, die Flinger Straße, die Schadowstraße, es sind einige der belebtesten Straßen Deutschlands. Wie so oft in Menschenmengen: Der Einzelne blendet das Gefahrenpotenzial völlig aus, das Urvertrauen, dass in einem Gedränge niemand die eigene Unversehrtheit bedroht, ist eines der grundsätzlichsten im menschlichen Zusammenleben.

Gerade in vertrauten Umgebungen entwickelt man ein Gespür vor Veränderungen, für Gefahr. Dass die Altstadt ein potenzielles Ziel für terroristische Anschläge ist, darüber muss sich, wenn man ehrlich ist, jeder im Klaren gewesen sein. Verkehrsknotenpunkt, Zentausende Menschen am Wochenende, zu manchen Gelegenheiten eine Million Besucher. Es wird getrunken, es wird gefeiert, Menschen finden und verlieren sich jeden Abend. Wenn man die Sorglosigkeit einer Gesellschaft angreifen möchte, dann hier.

Da ist es umso absurder, dass die konkreten Bedrohungen, die man um die Altstadt herum empfindet, ganz andere sind. Gewaltexzesse am Burgplatz, wo regelmäßig Messer gezückt werden und Flaschen fliegen. Massenschlägereien, Raubüberfälle und Taschendiebstähle. Sexuelle Belästigung, durch einzelne oder durch Gruppen, wie in der Silvesternacht. Unlängst wurde ein Passant bei einer Schießerei unter Rockern von einem Querschläger verletzt, mitten auf der Mallorca-Meile der Altstadt, der Bolker Straße.

Vor einigen Jahren wurde nur wenige Häuser neben meiner Wohnung eine Islamistenzelle ausgehoben. Die Bedrohung ist für diese Stadt nicht neu. Im Jahr 2000 explodierte am S-Bahnhof Wehrhahn eine Nagelbombe, eine Tat, die bis heute ungeklärt ist, aber offenbar antisemitischen Hintergrund hatte. Der Terror ist nicht neu hier. Und ich bezweifle, dass die Düsseldorfer sich jetzt weniger sicher als vorher fühlen. Viele Einheimische meiden die Bolkerstraße ohnehin, weil dort schon längst alles unkontrollierbar geworden ist. Dort, wo die Sorglosigkeit regiert, werden auch heute und morgen wieder Tausende trinken, feiern, tanzen. Um das zu tun, was sie so häufig tun: die Realität so weit wie möglich wegzuschieben.
Alexander Möthe

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59 Kommentare zu "Terroranschlag in Düsseldorf vereitelt: „Wie weit ist das weg von Deiner Arbeit?“ „600 Meter“"

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  • Selbst der Präsident des Bundesverfassungsschutzes hat vor Kurzem eingeräumt, dass "die Mitarbeiter seines Hauses" die Einschleusung, das "Mitschwimmen" von IS-Leuten, vor einigen Monaten falsch einschätzen.

  • Das war sachlich, hier kann sie nicht bleiben denken sie, Herr Zensor, an die vielen Bombenleger.

  • Richtig, es gibt viele Beispiele für Geduld dieser Art.

  • Wir werden sie überall finden. Geflochtener Hanf ist geduldig.

  • Merkel sammelte Geld für Waffen und Material für den bewaffneten Kampf der Frelimo-Rebellen im Kampf gegen US-Imperialismus, südafrikanische Apartheidspolitik und Rassismus im südlichen Afrika. Auch der ANC und die ZANU Simbabwes sowie die Marxistenrebellen Angolas waren Verbündete in diesem Krieg gegen Imperialismus und westliche Dominanz in Afrika.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ja Herr Mayer, so ist es:

    - Wer die schuldigen an der Misere sind wissen mittlerweile alle im Land. -

    Aber was sagen die Schuldigen: "Die AfD bietet keine Lösungen an."
    Dabei ist es doch ganz einfach: Zuerst Austausch des Personals bei den Schuldigen, das hilft der Partei und dem Land.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @Herr Paul Kersey zu "... Terrorquote wie in Israel haben (die auch ein erzkonservativer Netanjahu nicht verhindern kann), ..."

    Danke, dass Sie mal darauf hinweisen, dass immer mehr Repression die Situation für ALLE Seiten nur immer schlimmer macht!!

    Höchste Zeit, sich etwas Besseres einfallen zu lassen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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