Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Terrorismus Vom Knast in den Dschihad

Seite 2 von 2:
Die Terroristen im Gefängnis sind vernetzt

Prozessauftakt gegen mutmaßliche 16-jährige IS-Angreiferin

Die Verlockung im Gefängnisalltag ist groß, denn die Islamisten bieten eine Art Ersatz-Familie. Sie bezeichnen sich als „Brüder und Schwestern“, sie bieten Schutz vor anderen Häftlingen und sie sind gut organisiert.

„Al Asraa“ – heißt das Netzwerk, das Anwälte an angeklagte Dschihadisten vermittelt, Spenden sammelt und Briefe an die „Brüder und Schwestern“ in den Gefängnissen schickt. Laut Homepage hat „Al Asraa“ Kontakt zu 42 Gefangenen. Unter ihnen Arid U., der zwei US-Polizisten am Frankfurter Flughafen tötete und Marco G., der einen Bombenanschlag am Bahnhof in Bonn plante.

Es gehe ihnen vor allem darum, persönlichen Kontakt zu islamischen Gefangenen zu organisieren und „muslimischen Gefangenen und ihren Familien beizustehen“, schreiben die Betreiber auf ihrer Facebook-Seite. „Man darf aber davon ausgehen, das es den islamischen Gefangenenhilfen auch um die Verbreitung ihrer Ideologie in den Gefängnissen geht“, sagt ein Häftlingsvertreter.

Den Sicherheitsbehörden ist das Netzwerk bekannt, sie setzen auf Prävention und Überwachung. Fingerabdruckscanner, Observation einzelner Prediger und Deradikalisierung der bekannten IS-Häftlinge. „Die Dschihadisten sind in den Gefängnissen nicht sehr beliebt, sie sind eher Außenseiter“, sagt Marcus Strunk, Sprecher des Justizministeriums in Nordrhein-Westfalen. Es sei nicht richtig, dass die islamistischen Prediger in deutschen Gefängnissen große Reden halten und massenhaft neue Leute rekrutieren würden, so Strunk. Er sieht das Problem eher in Belgien und Frankreich.

Harry Sarfos Traum vom gerechten Gottesstaat zerplatzt bereits nach wenigen Wochen im Terror-Camp. Steinigungen, Enthauptungen, Erschießungen, abgeschlagene Hände – davon hatte Sepac aus der JVA Bremen nie etwas erzählt. Nach einer Hinrichtung von sechs Gefangenen flieht Sarfo. Eine mögliche Beteiligung an der Tat warf zuletzt neue Fragen auf.

Zurück in Deutschland wird Sarfo noch am Flughafen in Bremen verhaftet und im Sommer 2015 wegen „Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ zu drei Jahren Haft verurteilt. Heute lebt Sarfo nur 60 Kilometer entfernt von seiner alten Zelle in Bremen – in der JVA Oldenburg endet Sarfos Reise in den Dschihad.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Terrorismus - Vom Knast in den Dschihad