Thilo Sarrazin „Alles, was ich geschrieben habe, ist schlimmer geworden“

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Kein Land kann die Probleme eines anderen Landes lösen
„Ein Gebot des Anstandes und der Menschlichkeit“
Janina Kugel, Siemens-Personalvorstand:
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Engagiert sich auch Siemens für die Flüchtlinge?
Ja, das tun wir. In München haben wir der Stadt zum Beispiel ein leer stehendes Bürogebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt und in Erlangen ein Pilotprojekt mit Praktikumsplätzen für Flüchtlinge gestartet. Das hat so gut funktioniert, dass wir das ab Oktober auf weitere neun Standorte in Deutschland ausweiten.

Braucht die Wirtschaft in Zukunft mehr Zuwanderung und könnte Siemens mehr ausländische Fachkräfte einstellen oder gibt es dort Hürden?
Wir brauchen in den nächsten Jahren eindeutig mehr Fachkräfte aus dem Ausland, nicht nur Ingenieure, sondern auch Facharbeiter. Nur so können wir die Lücke schließen, die durch den demografischen Wandel entsteht. Klar gibt es da auch noch Hürden, angefangen bei der Frage des Bleiberechts über die Anerkennung ausländischer Abschlüsse bis hin zu Lücken bei den Sprachkenntnissen.

Porsche-Chef Müller fordert mehr Engagement der Wirtschaft gegen Fremdenfeindlichkeit. Hat er recht?
Ich denke, viele Herausforderungen liegen noch vor uns. Wir alle müssen bei diesem Thema an einem Strang ziehen und wir brauchen einen langen Atem. Die Politik muss die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass die Menschen dauerhaft hier leben und arbeiten können. Die Unternehmen müssen ihren Beitrag beim Thema Ausbildung und Beschäftigung leisten. Und wir alle müssen die Integration der ankommenden Menschen als langfristige Aufgabe ansehen. Ich freue mich sehr über den herzlichen Empfang für viele Flüchtlinge in den vergangenen Tagen. Aber das ist nur der erste Schritt hin zu einer neuen Willkommenskultur in Deutschland.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender Axel Springer AG:
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„Den Flüchtlingen zu helfen und sie in Deutschland willkommen zu heißen, ist keine Frage der Political Correctness, sondern ein Gebot des Anstandes und der Menschlichkeit. Flüchtlinge, die durch Krieg und Völkermord bedroht sind, müssen bei uns ohne Wenn und Aber schnelle unbürokratische Aufnahme finden. Dass die überwältigende Mehrheit der deutschen Bevölkerung das so unterstützt, ist ein schönes Gefühl und ein gutes Signal an die Welt. Das ist das moderne Deutschland. Und zu dieser Modernität gehört auch unverschwurbelte Ehrlichkeit: Um langfristig Ausländerfeindlichkeit zu vermeiden, ist es umso wichtiger, klare Kriterien der Zuwanderung zu definieren. Willkommen ist, wer uns durch Know-how und Begabung nützt oder in echter Not ist. Nicht willkommen ist, wer unsere sozialen Systeme ausnutzen will. Wichtig sind auch klare Regeln für die Aufnahme in andere europäische Länder. Auch das gehört zur Solidarität. Ich wünsche mir einen Geist, der echte Mitmenschlichkeit mit ehrlichem Pragmatismus verbindet. Aber im Moment ist die größte Priorität , einfach zu helfen.“

Eberhard Sasse, Chef der Dr. Sasse AG und Präsident der IHK München und Oberbayern:
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„Die Wirtschaft hat ohne Ende Bedarf. Wir suchen händeringend überall Menschen.“

Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung Messe Düsseldorf:
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„Geschäftsführer und Mitarbeiter der Messe Düsseldorf sind bestürzt über die Not der Menschen, die vor Krieg, Terror und Verfolgung auf der Flucht sind. Diese Menschen würdig in Düsseldorf zu empfangen und unterzubringen, sehen wir als eine Aufgabe der gesamten Stadt, und somit auch als unsere an.“ Die Messe Düsseldorf richtet zurzeit in enger Abstimmung mit der Stadt Düsseldorf eine Materialhalle der Messe für die Erstaufnahme von Flüchtlingen her.

Christoph Kübel, Geschäftsführer Robert Bosch:
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„Die Integration von Flüchtlingen wird dieser Tage zur nationalen Aufgabe. Mit gegenseitiger Wertschätzung von kultureller Vielfalt kann jeder einen Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leisten.“

Wolf-Henning Scheider, Chef des Automobilzulieferers Mahle:
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„Sollte sich die gute Geschäftsentwicklung bei Mahle fortsetzen, können wir die Beschäftigung in Deutschland stabil halten und haben dann auch bei unseren Auszubildenden einen gewissen Spielraum. Diesen werden wir nach Möglichkeit nutzen, um die Integration von Flüchtlingen zu unterstützen.“

Nicola Leibinger-Kammueller, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Trumpf-Gruppe:
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„Trumpf hat bereits Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak mit Arbeitserlaubnis eingestellt. Wir kooperieren mit unserer Heimatgemeinde, indem wir Deutschkurse in unserem Ausbildungszentrum anbieten. Zudem werden wir neue Ausbildungsplätze schaffen und suchen nach Arbeitsmöglichkeiten für diejenigen, die eine Arbeitserlaubnis besitzen.“

Wenn die Integrationserfahrung in Deutschland so verheerend ist, wie Sie sagen, wie erklären Sie sich dann die überwältigende Hilfsbereitschaft der Bevölkerung?
Zunächst einmal ist es ja gut, dass Menschen anderen Menschen helfen. Aber die Frage nach der Hilfsbereitschaft ist von der Frage zu trennen, was für unseren Staat, für unsere Gesellschaft langfristig richtig ist.

Was wäre langfristig richtig?
Kein Land der Welt kann die Probleme eines anderen Landes lösen. Das muss aus dem Land selbst kommen.

Und wenn das nicht gelingt, überlassen wir die Menschen ihrem Elend?
Wir müssen unsere eigene Bevölkerung und unser Gesellschaftsmodell vor äußerer Bedrohung schützen. Dazu gehört auch ungeregelte, kulturfremde Einwanderung im Übermaß. Und zum anderen haben die Länder, in denen es schlecht läuft, die Aufgabe, sich selbst richtig zu entwickeln. Singapur war im Jahr 1960 ärmer als Ghana, beide waren damals britische Kolonien, und sehen Sie, wo Singapur heute steht und wo Ghana. Das hat Singapur keiner äußeren Macht zu verdanken, sondern nur sich selbst.

Darüber und über das Thema Fluchtursachen ließe sich lange streiten. Aber wie sollen wir mit den Menschen umgehen, die schon hier sind? Wir rechnen mit 800.000 Zuwanderern, möglicherweise mit einer Million allein in diesem Jahr.
Ich habe nicht davon gesprochen, Fluchtursachen zu beseitigen, das können wir gar nicht. Ich habe davon gesprochen, wie wir uns vor den Folgen der Zustände in anderen Ländern schützen. Das muss am Anfang stehen.

Aber die Leute sind doch längst hier! Um die müssen wir uns kümmern, jetzt.
Bitte erlauben Sie mir, dass ich das für mich anders ordne. Es ist ein Skandal politischer Unfähigkeit und Fantasterei, dass die Politik dreißig Jahre nach dem ersten Schengen-Abkommen nicht verstanden hat, dass man interne Grenzkontrollen nur abbauen kann, wenn man die äußeren Grenzen wirksam kontrollieren kann. Und das ist technisch absolut möglich.

Wie denn das? Wollen Sie überall Zäune und Marineeinsätze gegen Flüchtlingsboote?
Mauern und Zäune sind doch gar nicht schlecht, wenn man Grenzen kontrollieren will. Das chinesische Reich hat seine Kultur entwickelt hinter einer 10.000 Kilometer langen und 1800 Jahre währenden Mauer. Das Römische Reich hat sich gegen die Germanen und andere Einwanderer aus den wilderen Gegenden über 400 Jahre mit Erfolg geschützt durch den Limes. Überall in der Welt haben sich Zivilisationen und Kulturen, die materiell fortgeschritten waren, gegenüber ungeregelter Einwanderung geschützt.

Kriegsflüchtlinge sollten nah an ihrer Heimat untergebracht werden
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