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Thomas Mertens Chef der Impfkommission: „Es gibt keinen Hinweis, dass der Impfstoff nicht gegen die neue Virusvariante wirkt“

Der Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, erklärt die Wirksamkeit der Corona-Impfung bei Mutationen – und spricht über mögliche Nebenwirkungen der Vakzine.
23.12.2020 - 10:11 Uhr Kommentieren
Rückkehr zur Normalität wohl nicht vor kommendem Herbst. Quelle: dpa
Impfstoff-Dosis

Rückkehr zur Normalität wohl nicht vor kommendem Herbst.

(Foto: dpa)

Berlin Der Vorsitzende der beim Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelten Ständigen Impfkommission, der Ulmer Virologie-Professor Thomas Mertens, geht nach gegenwärtigem Stand der Forschung davon aus, dass die vorhandenen Impfstoffe auch Schutz gegen die neue Variante des Coronavirus bieten.

Im Augenblick gebe es „keinen konkreten Hinweis darauf, dass der Impfstoff nicht mehr gegen die neue Virusvariante wirkt“, sagte Mertens im Interview mit dem Handelsblatt. Um diese Aussage zuverlässig machen zu können, seien aber weitere Untersuchungen nötig.

Das mutierte Virus war zuerst in Großbritannien aufgetreten. Aus Sorge, es könne sich weiter ausbreiten, war die Insel weitgehend abgeriegelt worden. Derzeit liefen Untersuchungen, inwieweit die Impfstoffe beim veränderten Erreger wirkten, sagte Mertens, beispielsweise in Großbritannien, aber auch bei Biontech in Deutschland.

Er rechne in 14 Tagen mit valideren Ergebnissen. „Bis dahin heißt es, Ruhe zu bewahren. Aufregung ist für gar nichts gut“, sagte Mertens. Die Ständige Impfkommission entwickelt als unabhängiges Expertengremium Impfempfehlungen für Deutschland. Koordiniert wird ihre Arbeit durch die Geschäftsstelle im RKI.

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    Herr Professor Mertens, die Mutation des Coronavirus sorgt für große Unruhe. Ist die große Hoffnung, die man in den Start der Impfkampagne setzt, damit jetzt hinfällig?
    Bekannt ist, dass es eine Reihe von Mutationen im Spike-Protein gegeben hat, das das Andocken des Virus an menschliche Zellen ermöglicht. Die Mutationen haben dem Virus möglicherweise einen Selektionsvorteil gebracht und unter Umständen zur raschen Ausbreitung der Variante beigetragen. Im Augenblick gibt es aber keinen konkreten Hinweis darauf, dass der Impfstoff nicht mehr gegen die neue Virusvariante wirkt. Aber um diese Aussage zuverlässig machen zu können, sind weitere Untersuchungen nötig.

    Wie sehen die aus?
    Sie vergleichen Seren von Menschen, die die Infektion im Frühjahr durchgemacht haben, mit Seren von Menschen, die mit dem neuen Virus infiziert worden sind, und mit Seren von Geimpften. Dann kann man nicht nur testen, ob die Neutralisationsfähigkeit der verschiedenen Antikörper gegenüber der neuen Variante erhalten geblieben ist, sondern quantitativ herausbekommen, ob sie noch genauso wirksam sind wie früher. Es könnte theoretisch ja auch sein, wie bei Influenzaviren, dass die Wirksamkeit eines Impfstoffs zwar nachlässt, aber noch ausreichend ist, um vor Erkrankung zu schützen.

    Wie lange dauern solche Tests?
    Es wird mit Hochdruck daran gearbeitet, in Großbritannien, aber auch bei Biontech in Deutschland. Ich rechne in 14 Tagen mit valideren Ergebnissen. Bis dahin heißt es, Ruhe zu bewahren. Aufregung ist für gar nichts gut. Manches lässt sich im Labor allerdings gar nicht testen.

    Mit Hochdruck die Risikogruppen impfen. Quelle: dapd
    Virologe Thomas Mertens

    Mit Hochdruck die Risikogruppen impfen.

    (Foto: dapd)

    Was zum Beispiel?
    Ob Geimpfte sich mit der neuen Variante infizieren können und dann auch erkranken, beispielsweise. Und es muss im Alltag beobachtet werden, ob Menschen, die im Frühjahr schon eine Corona-Infektion durchgemacht haben, sich mit der Variante neu infizieren können, und vor allem, ob sie erneut krank werden können.

    Wie schätzen Sie die Impfbereitschaft in der Bevölkerung ein? Was kann getan werden, um sie zu erhöhen?
    Wir können nur immer wieder transparent und ehrlich informieren. Das geht leider meist nicht mit einfachen Ja-oder-nein-Antworten.

    Die Impfbereitschaft hat zuletzt abgenommen, Menschen sind verunsichert, weil es beispielsweise aus den USA Berichte über allergische Reaktionen gibt …
    Solche Berichte sind mit Vorsicht zu genießen, solange wir keine konkreten Zahlen haben: Bei wie vielen Geimpften sind wie viele Allergien aufgetreten, und was waren das für „Allergien“? Aber solche Daten haben wir noch nicht. In den USA, Großbritannien, Kanada haben die Impfungen begonnen, bei uns geht es am Sonntag los. Wenn die Menschen sehen, dass dabei nichts Dramatisches passiert – und nicht nur bei den 20.000 Probanden der Zulassungsstudie –, dann wird die Impfbereitschaft zunehmen, auch weil alle wieder „normal“ leben wollen.

    Wie lange wird es dauern, bis wir zu unserem gewohnten Leben aus Vor-Corona-Zeiten zurückkehren?
    Wir müssen jetzt mit Hochdruck die Risikogruppen impfen, damit wir schwere Erkrankungen und damit eine Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindern. Dann gehe ich davon aus, dass die Zirkulation des Virus im Frühjahr und Sommer ohnehin wieder schwächer wird. Meine Zielmarke wäre, dass wir im kommenden Herbst und Winter wieder eine einigermaßen normale Situation haben.

    Mehr: Der große Plan mit dem Impfstoff: So will Deutschland das Coronavirus besiegen.

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