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Thomas Steffen Jens Spahn ernennt Schäuble-Vertrauten zum neuen Staatssekretär

Der Bundesgesundheitsminister holt sich mit Thomas Steffen einen erfahrenen Beamten in sein Ministerium. Die Personalie ist eine große Überraschung.
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Der Jurist hält 2016 eine Rede bei der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank in Peking. Quelle: picture alliance/dpa
Thomas Steffen

Der Jurist hält 2016 eine Rede bei der Asiatischen Infrastruktur-Investmentbank in Peking.

(Foto: picture alliance/dpa)

BerlinDie überraschende Offerte kam von Jens Spahn (CDU) persönlich. Der Gesundheitsminister kontaktierte Thomas Steffen, um dem langjährigen politischen Beamten ein Angebot zu unterbreiten: Ob er Staatssekretär in seinem Ressort werden wolle, fragte Spahn. Damit hatte offensichtlich auch Steffen nicht gerechnet, er bat um Bedenkzeit. Und sagte dann zu.

Mitte Mai soll Steffen nun als neuer Staatssekretär bei Spahn anfangen, wie das Handelsblatt aus dem Ministerium erfuhr. Der 58-jährige Jurist Steffen wird damit Nachfolger von Lutz Stroppe, den Spahn in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Die Personalie ist eine große Überraschung. In Berlin ist Steffen bestens bekannt, er war der wichtigste Mitarbeiter des früheren Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU), managte als dessen Staatssekretär die Euro-Krise.

Nach der Bundestagswahl diente Steffen Interimsfinanzminister Peter Altmaier (CDU), bevor er unter Olaf Scholz (SPD) das Haus verließ. Schon damals rätselte der politische Betrieb, wohin Steffen wechseln werde. Zu Altmaier ins Wirtschaftsministerium? Zur Bundesbank oder zu einer internationalen Organisation? Oder doch als Geschäftsführer zum Versicherungsverband GDV? Nur einer schwieg zu all den Spekulationen: Steffen selbst. Zunächst mache er jetzt mal ein Jahr „Cooling-off“, wie er es nannte.

Das Jahr ist nun um – insofern kam Spahns Angebot passend. Zuletzt hatte Steffen eine Vorlesung an der Universität Bonn zum „Recht der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion“ gehalten. Das ist zwar genau sein Thema, aber Uni-Vorträge sind für jemanden wie Steffen, der einst an Schäubles Seite über Griechenlands Euro-Austritt verhandelte, auf Dauer doch zu wenig. Und der Reiz der Politik ist zu groß.

Mit Gesundheitspolitik hatte Steffen allerdings bisher nichts zu tun. Nach seinem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Mainz begann er seine Karriere 1990 in der industriepolitischen Abteilung im Wirtschaftsministerium. Fünf Jahre später folgte der Wechsel ins Bundesfinanzministerium, anschließend eine kurze Station im Bundestag und eine längere bei der Finanzaufsicht Bafin, wo er als Vorstand für die Versicherungen und Pensionsfonds zuständig war.

Schließlich holte Schäuble ihn 2010 als Leiter der Europaabteilung. Als Nachfolger von Jörg Asmussen wurde Steffen ein gutes Jahr später zum Staatssekretär befördert. Steffen und sein künftiger Chef kennen sich aus der gemeinsamen Zeit im Finanzministerium, wo Spahn drei Jahre lang parlamentarischer Staatssekretär war. Beide verbindet auch die CDU-Mitgliedschaft. Steffen vertritt nicht nur in der Finanzpolitik konservative Ansichten, er hat auch immer Kontakt zu seiner Partei gehalten.

Aber warum stellt Spahn als Gesundheitsminister einen ausgewiesenen Finanzfachmann ein? Ihm geht es weniger um das Fachwissen – das sich jemand wie Steffen aneignen kann – als vielmehr um grundlegende Fähigkeiten. Im Gesundheitsministerium ist der beamtete Staatssekretär nicht für ein Themengebiet zuständig, sondern als Manager tätig. Er muss das Haus leiten und steuern.

Die nötige Führungserfahrung bringt Steffen ebenso mit wie die Einsatzbereitschaft. Als es um die Rettung von Banken und Euro-Staaten ging, legte Steffen unzählige Nachtschichten ein. Eine Wohnung, die er in der Nähe des Finanzministeriums hatte, ermöglichte es ihm, morgens der Erste und abends der Letzte zu sein.

Manch ein Mitarbeiter, der mitbekam, wie Steffen versuchte, ein G20-Treffen in Sydney mit einer ‧Euro-Gruppen-Tagung in Brüssel zu verbinden, fürchtete das Arbeitspensum. Schäuble beeindruckte es. „Er ist nicht mit Gold aufzuwiegen“, sagte der Ex-Finanzminister über seinen wichtigsten Mitarbeiter, der auch Schäubles Launen gelassen ertrug.

Trotz aller Kontakte zur Finanzelite hat sich Steffen eine Bodenständigkeit bewahrt. Er traut sich auch vor Experten, komplizierte Finanzdetails umgangssprachlich zu übersetzen. Vor allem in Griechenland ist er wegen seiner teilweise undiplomatischen Direktheit wenig beliebt – so wies er etwa Angebote der Athener Regierung als „trojanisches Pferd“ zurück.

Ungeachtet aller Verhandlungshärte hat sich Steffen ein enges internationales Netzwerk aufgebaut. Auch das soll ein Grund sein für Spahns Wahl. Der Gesundheitsminister habe einen Europakenner mit internationaler Erfahrung gesucht. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2020 will er nutzen, um auf seinem Themenfeld zu punkten.

Steffen selbst äußert sich zu seinem bevorstehenden Wechsel nicht. Er macht derzeit Urlaub. Man darf davon ausgehen, dass er die Zeit schon zur Vorbereitung nutzt.

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