Thumann reagiert auf Kritik an weicher Gangart im Kapitalismusstreit BDI-Chef schwenkt auf harten Kurs um

Nach heftigem Unmut aus den eigenen Reihen ist der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, in der Debatte um die Kapitalismuskritik von SPD-Chef Franz Müntefering auf einen härteren Kurs umgeschwenkt.
Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Foto: dpa

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Foto: dpa

pt/pk BERLIN. So soll es vor Gesprächen mit der Bundesregierung über einen „Pakt für Investitionen und Innovationen“ nun zunächst ein klärendes Treffen zwischen Thumann, den BDI-Vizepräsidenten und Müntefering geben. Dabei soll Müntefering bewegt werden, von seiner Schelte abzurücken. Ein Termin stand gestern allerdings noch nicht fest.

Während Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und DIHK-Chef Ludwig Georg Braun Münteferings Attacke von Anfang an als „ verantwortungslose Hetzkampagne“ zurückgewiesen hatten, hatte Thumann vor gut einer Woche zunächst Verständnis für Münteferings Kritik geäußert. Er räumte ein Glaubwürdigkeitsproblem der Unternehmen ein und forderte sie zu mehr sozialer Verantwortung auf.

Dies sorgte dem Vernehmen nach intern ebenso für Empörung wie die Tatsache, dass Thumann die öffentliche Debatte der vergangenen zwei Wochen Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt überließ. Nicht Thumann, der als Präsident des Industrieverbands BDI eigentlich die erste Adresse für einen Konter auf Münteferings Pauschalschelte gewesen wäre, vertrat die Wirtschaft in Zeitungsinterviews und Talkshows wie der Sonntagsrunde von Sabine Christiansen, sondern der Chef des Sozialpartnerverbandes BDA zog alle Pfeile der Antikapitalismusdebatte auf sich. Dabei hat Hundt als Chef eines vor allem im Inland arbeitenden Unternehmens, das in den vergangenen Jahren zusätzliche Arbeitsplätze schuf, die geringste Veranlassung, sich den Schuh anzuziehen.

Erst nach harscher Kritik aus den eigenen Reihen – sein Vorgänger Michael Rogowski warnte Thumann öffentlich, „in den Chor der Weichmacher einzustimmen“ – und auf internen Druck seiner Vizepräsidenten fand Thumann härtere Worte. Beim Treffen mit Kanzler Gerhard Schröder vergangenen Mittwoch forderte er ein Ende der „verheerenden Debatte“ und warf Müntefering wahlkampftaktischen „Populismus pur“ vor, der Investoren verschrecke, Unternehmen ins Ausland treibe und Jobs gefährde.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%