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Tiefsee-Bergbau Deutschland sucht nach Rohstoffen – 4500 Meter unter dem Meer

Bei Rohstoffen wie Kupfer und Kobalt ist Deutschland bislang auf Importe angewiesen. Grabungen am Meeresboden könnten das ändern.
14.05.2021 - 08:05 Uhr 2 Kommentare
Ein Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat am Meeresboden des Pazifiks ein Gerät für den Abbau metallhaltiger Manganknollen getestet. Quelle: dpa
Schiff für Rohstoff-Abbau in der Tiefsee

Ein Forscherteam mit deutscher Beteiligung hat am Meeresboden des Pazifiks ein Gerät für den Abbau metallhaltiger Manganknollen getestet.

(Foto: dpa)

Hannover Es klingt nach dem Stoff eines Romans von Jules Verne oder Frank Schätzing: Kilometerweit unter der Wasseroberfläche untersucht Deutschland im Pazifischen Ozean den Meeresboden – als Vorbereitung für einen möglichen Bergbau in der Tiefsee.

Denn am Meeresboden lagern Rohstoffe, die für die Industrie wichtig sind. Manganknollen etwa, dunkle Klumpen, die Nickel, Kupfer und Kobalt enthalten. Stoffe, die für Elektrogeräte und den Ausbau erneuerbarer Energien dringend benötigt werden.

Schon 2011 hat die Bundesregierung den Tiefseebergbau im Nationalen Masterplan Maritime Technologien als Schwerpunktthema identifiziert. Rohstoffe aus der Tiefsee könnten für die globale Wirtschaft von wachsender Bedeutung sein, heißt es darin.

Das ist verlockend, denn bisher ist Deutschland bei Metallrohstoffen fast vollständig abhängig von Importen. Das Wirtschaftsministerium sieht zudem „gute Marktaussichten“ für deutsche Meerestechnik-Unternehmen, die die Gewinnung mineralischer Rohstoffe am Meeresboden ermöglichen könnten.

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    Noch ist das eine Zukunftsvision. Doch die Erkundung der Tiefsee ist längst angelaufen, und schon daran regt sich heftige Kritik. Umweltschützer wie Greenpeace protestieren gegen die Pläne. Die Befürchtung: Der Abbau der Rohstoffe könnte das Ökosystem im Ozean nachhaltig durcheinanderwirbeln und schädigen. Vor wenigen Tagen erst befestigten Aktivisten des Greenpeace-Schiffs „Rainbow Warrior“ deshalb am Versorgungskabel eines Tiefseeroboters im Pazifik Transparente mit der Forderung „Stoppt den Tiefseebergbau“.

    Umweltauswirkungen des Eingriffs

    „Schon heute plündert und verschmutzt die Industrie unsere Ozeane, als gäbe es kein Morgen. Sie darf nicht auch noch die Tiefsee durch den Bergbau zerstören“, sagt Sandra Schöttner, Meeresbiologin von Greenpeace an Bord der „Rainbow Warrior“. Und sie warnt: „Sterben die Meere, verlieren auch wir unsere Lebensgrundlage. Deutschland darf bei dieser ökologischen Katastrophe nicht mitmachen.“

    Grafik

    Immerhin: Im Meeres-Masterplan der Bundesregierung heißt es auch, dass aus deutscher Sicht effiziente und umweltverträgliche Verfahren für den Tiefseebergbau anzustreben seien. Entsprechend warben das Umweltbundesamt (UBA) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bereits 2017 auf einem Workshop mit der Internationalen Meeresbodenbehörde dafür, den Tiefseebergbau mit konsequenten Umweltvorgaben zu regulieren, etwa in Form von Schutzgebieten zum Erhalt der Artenvielfalt. Am Meeresboden leben unter anderem Muscheln, Seesterne und Schwämme.

    Rund 30 Lizenzen zur Erkundung von Gebieten mit Manganknollen, Mangankrusten und Massivsulfiden hat die Meeresbodenbehörde mit Sitz in Jamaika seit 2001 bis heute ausgegeben – zwei davon an Deutschland. Im Auftrag der Bundesregierung untersucht die BGR seit 2006 ein Gebiet mit Manganknollen im östlichen Pazifik und seit 2015 eines mit Sulfidvorkommen im südwestlichen Indischen Ozean.

    Beide sind wirtschaftlich interessant: Die Manganknollen wegen ihres Gehalts an Kupfer, Nickel und Kobalt, die Massivsulfide wegen des Anteils an Kupfer, Zink und Blei, aber auch Gold und Silber.

    Die Manganknollen wegen ihres Gehalts an Kupfer, Nickel und Kobalt, die Massivsulfide wegen des Anteils an Kupfer, Zink und Blei, aber auch Gold und Silber. Quelle: dpa
    Suche nach Manganknollen in der Tiefsee

    Die Manganknollen wegen ihres Gehalts an Kupfer, Nickel und Kobalt, die Massivsulfide wegen des Anteils an Kupfer, Zink und Blei, aber auch Gold und Silber.

    (Foto: dpa)

    Im deutschen Manganknollen-Gebiet, gelegen zwischen Hawaii und Mexiko, hat die BGR gerade einen wichtigen Gerätetest abgeschlossen. Zum weltweit ersten Mal kam ein Kollektor zum Abbau der Knollen zum Einsatz – in etwa 4500 Metern Tiefe, wo der Druck für menschliche Taucher viel zu hoch wäre.

    Mitsamt dem Sediment hat das Gerät der belgischen Firma Global Sea Mineral Resources (GSR) dort die Manganknollen angesaugt, beobachtet von zwei Tauchrobotern und ungefähr 40 verschiedenen Sensoren.

    Das Ziel der Übung war es, die Umweltauswirkungen des Eingriffs wissenschaftlich bewerten zu können – und so Umweltstandards für den Abbau auf den Weg zu bringen. Denn mit dem sogenannten „Mining Code“ erarbeitet die Meeresbodenbehörde derzeit einen Rechtsrahmen für den Tiefseebergbau. Forscherinnen und Forscher von 29 europäischen Instituten werten die Daten des Gerätetests jetzt entsprechend aus.

    Die Umweltfolgen des Testlaufs selbst sind nach Einschätzung der BGR trotz des aufgewirbelten Sediments gering. Bergbauprojekte im großen Stil könnten für die Tiefsee und die dort verbreiteten Lebewesen künftig hingegen deutlich weitreichendere Folgen haben.

    Mehr: Rohstoffknappheit bedroht Aufschwung – Wirtschaftsminister fordern Gegenmaßnahmen

    • dpa
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    Mehr zu: Tiefsee-Bergbau - Deutschland sucht nach Rohstoffen – 4500 Meter unter dem Meer
    2 Kommentare zu "Tiefsee-Bergbau: Deutschland sucht nach Rohstoffen – 4500 Meter unter dem Meer"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Es gibt zwei Möglichkeiten:
      1.) Wir sind die "Guten" und ziehen uns zurück - damit die Chinesen und Amerikaner alles machen - und die machen das, wenn es sich lohnt - ohne irgendwelche Rücksicht auf die Umwelt. Moralisch sind wir dann fein raus - Mehrwert für die Umwelt : Null
      2.) Wir gehen mit höherem Umweltschutzstandard an das Thema ran und wenn es sich sinnvoll und wirtschaftlich erweist können wir auch Einfluss auf die Vermeidung der Umweltbelastung nehmen: Mehrwert für die Umwelt auf jeden Fall höher als bei Möglichkeit 1. Weiterer Vorteil: Deutschland spielt nicht den moralischen Weltverbessere und kauft dann den schmutzigen Rohstoff von anderen....
      Deutschland muss aufhören das Land der ewigen Bedenkenträger zu sein, die Gestaltung der Zukunft aktiv betreiben und die anderen Länder bei der Nachhaltigkeit als führende Kraft mitreißen.

    • Tiefseebergbau und Weltraumbergbau werden Exoten bleiben. Die Umweltschäden
      durch den Meeresbergbau werden aber immens sein. Es gibt noch genügend terrestrische Lagerstätten bis uns einmal das Metallrecycling weiter steigenden Abbau ersparen wird.
      Während Deutschland beim Meeresbergbau die Techniken und Auswirkungen wissenschaftlich untersucht, sind Chinesen und Nordamerikaner schon in der Investment-Phase.

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