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Tierseuche Afrikanische Schweinepest rückt näher an Deutschland heran

Die Gefahr ist groß, dass die Afrikanische Schweinepest nach Deutschland eingeschleppt wird. Die wirtschaftlichen Schäden würden in die Milliarden gehen, befürchten die Bauern.
10.12.2019 - 09:00 Uhr 1 Kommentar
Landwirte und Behörden in Deutschland und Niedersachsen bereiten sich wegen der immer näher rückenden Afrikanischen Schweinepest auf den Ernstfall vor. Quelle: dpa
Angst vor Afrikanischer Schweinepest

Landwirte und Behörden in Deutschland und Niedersachsen bereiten sich wegen der immer näher rückenden Afrikanischen Schweinepest auf den Ernstfall vor.

(Foto: dpa)

Berlin Im Bundeslandwirtschaftsministerium und beim Deutschen Bauernverband steigt die Besorgnis über die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Bislang hat es keinen Fall dieser Tierseuche in Deutschland gegeben. Vergangene Woche wurde das Virus jedoch bei einem toten Wildschwein rund 40 Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze entdeckt.

„Das Virus rückt uns, geografisch gesehen, immer näher“, sagte Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied dem Handelsblatt. Es wurde inzwischen in mehreren osteuropäischen Ländern festgestellt und breitet sich nach Westen hinaus, sagte Rukwied weiter. Auch in Belgien sei die Afrikanische Schweinepest bereits vor über einem Jahr aufgetreten. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch Deutschland trifft, nimmt zu.“

Die Afrikanische Schweinepest ist ein hochansteckendes Virus und gefährlich für Haus- und Wildschweine. Für Menschen und andere Tiere besteht nach heutigem Wissen keine Gefahr, Schweinefleisch kann weiterverzehrt werden. Für die meisten Schweine endet die Krankheit dagegen innerhalb weniger Tage tödlich. Eine Impfung gibt es bislang nicht.

Seit 2007 breitet sich der Erreger, aus Afrika kommend, in Europa aus und bedroht Millionen Haus- und Wildschweine. Neben vielen afrikanischen Ländern kommt die ASP in Europa derzeit in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie in Polen, Rumänien und auf Sardinien vor.

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    Im September 2018 wurde der erste Fall von ASP in Belgien nachgewiesen. Auch Russland meldet nach wie vor Fälle. In der Tschechischen Republik sind dagegen seit April 2018 keine ASP-Fälle mehr aufgetreten. Hinzugekommen ist kürzlich Moldawien. Außerdem sind seit 2018 China und seit 2019 Vietnam und Kambodscha betroffen.

    Konsequenzen auch für den Hausschweinbestand

    Ein Ausbruch der Seuche in Deutschland hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen. Selbst wenn das Virus bei einem Wildschwein entdeckt werden würde, hätte das Konsequenzen auch für den Hausschweinbestand. „Ein Ausbruch in Deutschland würde wohl dazu führen, dass wir nicht mehr in so genannte Drittländer, also in Länder außerhalb der EU exportieren können“, sagte Rukwied.

    Es sei zu befürchten, dass die derzeit guten Erzeugerpreise fallen würden. Der Export, vor allem nach Asien, sei wichtig, weil dorthin vor allem die Teile vom Schwein gingen, die der deutsche Verbraucher nicht verzehre, beispielsweise Pfötchen, Innereien, Ohren, Fett oder Speck.

    Bei einem Ausbruch in Hausschweinbeständen müssten alle Schweine der betroffenen Bestände getötet werden. Es würden großflächig Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete errichtet, in denen das Transportieren von Tieren und deren Erzeugnissen grundsätzlich untersagt wären.

    Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bauernverband davor gewarnt, dass ein Ausbruch der Seuche in Deutschland für die Schweinehalter Verluste in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr bedeuten könnte. Mit Folgekosten für die vor- und nachgelagerten Bereiche und die eigentliche Seuchenbekämpfung könnten Kosten in zweistelliger Milliardenhöhe entstehen.

    Dänemark hat, um sich zu schützen, gerade einen 1,50 Meter hohen Gitterzaun entlang der deutsch-dänischen Grenze fertiggestellt. Mehr als 70 Kilometer zieht sich dieses Bollwerk durch die Grenzregion. Schließlich ist die Schweine- und Schweinefleischproduktion eine der Haupteinkommensquellen für Dänemark mit vielen Arbeitsplätzen vor allem auf dem Land.

    Mensch für Verschleppung der Seuche mitverantwortlich

    Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) appellierte jetzt in einem Schreiben an die zuständigen Landesministerien und verschiedene Bundesministerien, bei der Aufklärung über die Afrikanische Schweinepest zu unterstützen. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) habe Sprünge über größere Distanzen gemacht, heißt es in dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt.

    Diese seien nicht ohne Weiteres durch Bewegungen von infizierten Wildschweinen zu erklären. Jüngste Fälle zeigten, dass dem Faktor Mensch für die Verschleppung der Seuche „eine nicht unerhebliche Bedeutung zuzumessen ist“.

    Konkret heißt das: das Virus breitet sich aus durch achtlos weggeworfene Schweinefleischprodukte, aber auch durch verunreinigte Fahrzeuge oder Schuhe. Der Erreger ist extrem resistent. In Salami hält er sich einen guten Monat lang, in Parmaschinken länger als ein Jahr.

    Klöckner schreibt, die aktuellen Nachweise des ASP-Virus in Polen habe sie zum Anlass genommen, die bereits seit 2014 laufende Informationskampagne für eine sachgerechte Entsorgung von Lebensmittelresten noch einmal zu intensivieren. „Bitte werfen Sie Speisereste nur in verschlossene Müllbehälter!“, heißt es auf einem Warnhinweis, übersetzt in mehrere Sprachen.

    Als Adressaten dieser Hinweise gelten vor allem Landwirte, Jäger, Reisende mit Bus, Bahn, Auto, Lkw-Fahrer, aber auch Erntehelfer aus anderen europäischen Mitgliedsstaaten, ausländische Pflegekräfte sowie Angehörige der Bundeswehr, die zeitweise im Ausland tätig sind. Um das Einschleppen der ASP in die EU zu verhindern, ist das Mitbringen von Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnissen aus Nicht-EU-Ländern verboten.

    Bauernverbandspräsident Rukwied forderte, die Vorsorge weiter zu verstärken. Dazu zählen seiner Ansicht nach eine deutliche Reduzierung des Wildschweinbestands. Eine reduzierte Wildschweindichte würde die Gefahr einer Ausbreitung deutlich verringern, heißt es auch auf der Internetseite des Agrarministeriums.

    Mehr: Das perfekte Fleisch: Vier Onlineshops für Tierwohl und Klima.

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    1 Kommentar zu "Tierseuche: Afrikanische Schweinepest rückt näher an Deutschland heran"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • ...weshalb werden dann Nachtzieloptiken für Jäger nicht erlaubt?

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