Entlastung für das Pflegepersonal

Jeder zweite Befragte würde sich von einem Pflegeroboter helfen lassen.

(Foto: action press)

TK-Umfrage Deutsche sind offen für digitale Helfer bei der Pflege

Die große Mehrheit der Deutschen ist laut einer Umfrage grundsätzlich zur Pflege von Angehörigen bereit. Bettpfannen leeren will aber nur jeder Zweite.
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Die Briten haben die Zeichen der Zeit erkannt: In London gibt es in der Regierung einen „Minister for Loneliness“ – einen Zuständigen für das Thema Einsamkeit. Der Umgang und die Folgen von Vereinsamung und der Verlust gesellschaftlichen Zusammenhalts beschäftigen und betreffen alle Industriegesellschaften.

Mut macht da eine Studie der Techniker Krankenkasse (TK). Sie fand bei einer repräsentativen Befragung heraus, dass entgegen allen Unkenrufen, die Bereitschaft der Menschen sich um Pflegebedürftige zu kümmern und dafür auch selbst im Beruf kürzer zu treten, ausgesprochen hoch ist.

86 Prozent sind danach grundsätzlich bereit, einen nahen Angehörigen mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Zwei Drittel von der Befragten würden dafür beruflich kürzer treten. Sechs Prozent sind sogar bereit, für eine gewisse Zeit ganz auf den Job zu verzichten.

Bei einer Demenzerkrankung wäre die Bereitschaft – wohl auch wegen des deutlich höheren Betreuungsbedarfs – mit 79 Prozent etwas geringer.

Allerdings können sich die meisten Befragten nicht wirklich vorstellen, was im Pflegefall des Partners oder der Eltern im einzelnen auf sie zukommt, erläutert Georg von Elst, Pflegeexperte der TK.

Wird nämlich gezielt danach gefragt, worum man sich konkret kümmern würde, ändert sich das Bild: So sprechen 96 Prozent davon, dass sie dem Pflegebedürftigen gerne Gesellschaft leisten wollen. 87 Prozent wollen ihn bekochen, 80 Prozent im Haushalt zur Hand gehen.

Nur 66 Prozent können sich vorstellen, ihn zu waschen oder ihm die Zähne zu putzen. Nur jeder zweite wäre auch bereit, Vorlagen zu wechseln und die Bettpfanne zu leeren.

Von denen, die nicht pflegen wollen, verweisen 34 Prozent auf die eigene schlechte Gesundheit. Jeder dritte traut sich die Belastungen nicht zu. 27 Prozent glauben, Pflege und eigene Berufstätigkeit nicht unter einen Hut bekommen zu können. Elf Prozent verweisen auf familiäre Gründe. Dazu gehört etwa, dass Eltern und Kinder weit voneinander entfernt wohnen.

Selbst wollen die meisten (83 Prozent) so lange wie möglich im eigenen Umfeld leben. Nur jeder zweite kann sich vorstellen, bei Angehörigen einzuziehen, um dort gepflegt zu werden.

Vier von fünf würden es vorziehen, von professionellen Kräften zu Hause gepflegt zu werden. Nur drei von fünf fänden es gut, wenn Angehörige regelmäßig zu ihnen kämen, um das zu übernehmen. Immerhin 37 Prozent wären auch bereit ins Heim zu gehen.

Digitalisierung als Chance

Die TK sieht sich durch die Ergebnisse in ihrer eigenen Pflegearbeit bestätigt. Sie setzt schon immer darauf, es ihren Versicherten zu ermöglichen, so lange wie möglich in der eigenen gewohnten Umgebung zu bleiben.

„Aus diesem Grund würden wir gerne mehr als uns das bisher möglich ist, die Chancen der Digitalisierung für eine bessere Betreuung beeinträchtigter und bereits pflegebedürftiger Versicherten nutzen“ sagt der stellvertretende Vorstandschef der TK, Thomas Ballast. Er ist überzeugt, dass das Internet der Dinge im Bereich Pflege wertvolle Dienste leisten kann.

„Das fängt bei Sensoren im Fußboden und Bewegungsmeldern an, die Alarm geben, wenn der Bewohner sich länger nicht durch die Wohnung bewegt hat, und endet beim Elektroherd, der sich automatisch ausschaltet.

„Es ist wichtig, dass Pflegebedürftige länger selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können und Angehörige entlasten. Sie sollten daher auch beim Thema Smart Home über die Pflegeversicherung unterstützt werden.“

Bislang zahlt die Pflegekasse nur einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro für bauliche Veränderungen, wie breitere Türdurchgänge oder barrierefreie Duschen. Ballast könnte sich gut vorstellen, dass es ähnliche Hilfen in Zukunft auch für digitale Unterstützung gezahlt wird.

„Am Ende könnte es sogar für die Pflegekassen billiger werden. Schließlich kann rechtzeitige Hilfe bei einem Schlaganfall oder einem Sturz aus einem andern Grund entscheidend sein, um eine dauerhafte Bettlägerigkeit eines Menschen zu verhindern.“ Denn dann bleibe meist nur der Gang ins viel teurere Pflegeheim.

Die Akzeptanz für solch digitale Unterstützung ist laut TK-Studie heute schon hoch. Neun von zehn würden trotz des damit verbundenen Eingriffs in ihre Intimsphäre den Einbau etwa von Bodensensoren zustimmen.

Auch bei den über 60-Jährigen sind 84 Prozent für diese Hilfe offen. 58 Prozent könnten sich auch die Hilfe von Pflegerobotern vorstellen, allerdings eher bei der Bewältigung der Hausarbeit als bei der unmittelbaren körperlichen Betreuung.

Pflege im Alter ein Tabuthema

Grundsätzlich wird in deutschen Haushalten immer noch sehr wenig über das Thema Pflege im Alter geredet. „Die Pflegebedürftigkeit und wie man sich darauf vorbereitet, ist in Deutschland immer noch ein großes mit viel Scham und Unsicherheit besetztet Tabu,“ klagt Imke Wolf. Die Diplompsychologin leitet das Online-Portal pflegen-und-leben.de, das seit mehreren Jahren eng mit der TG zusammenarbeitet.

Nur 56 Prozent der Deutschen haben sich laut Umfrage Gedanken gemacht, wie sie in der eigenen Familien mit dem Thema umgehen wollen.

Wenig besser sieht es aus bei der finanziellen Vorsorge für den eigenen Pflegefall: Nur 26 Prozent gaben an, dafür eine Zusatzversicherung abgeschlossen zu haben. 53 Prozent setzen darauf, dass sie im Alter genug eigenes Vermögen haben. 34 Prozent geben an, bisher keinerlei Vorsorge getroffen zu haben.

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